Wittmund - „Wenn wir aus unserer alten Heimat kommen und die Huntebrücke Richtung Norden passieren, freuen wir uns immer sehr, bald wieder zu Hause zu sein“, sagt Bernd Presser. Denn für ihn und seine Frau Gerda ist Wittmund zu seinem Sehnsuchtsort geworden und hier werden die beiden morgen auch im Kreis der Familie und mit Freunden das Fest der Goldenen Hochzeit feiern.

Seit zehn Jahren lebt das Paar, das aus Saarbrücken kommt, in der Harlestadt. Auf einem Tanzkursus haben die beiden sich kennengelernt – das war im November 1971. Schnell war ihnen bewusst, dass sie den Partner ihres Lebens gefunden hatten. Bernd Presser arbeitete damals als Schlosser, er hat sowohl Bau- als auch Kunstschlosser gelernt. Und Gerda, die heute 72 Jahre alt ist, war als Bundesbankangestellte bei der Landeszentralbank beschäftigt. „Meine Ausbildung hatte ich in einer Wirtschaftsdetektei absolviert. So hatte ich noch viele alte Kontakte unter den Privatdetektiven“, sagt Gerda Presser und lacht. Denn beim zweiten Treffen mit ihrem Mann, wusste sie schon alles über ihn – sie hatte ihn sozusagen durchleuchten lassen. Nach der Begegnung im Tanzkursus und dem anschließenden Treffen im Café waren die beide jeden Tag zusammen. Dabei sollten sie noch eine Zeit vor sich haben, in der der heutige 74-jährige Bernd Presser viele Jahre lang nur am Wochenende zu Hause war.

Er bildete sich nämlich fort als Schlossermeister und arbeitete fortan für eine Firma aus Saarbrücken – auch als Niederlassungsleiter in Luxemburg. „Das war aber nicht schlimm, ich fuhr jeden Tag 69 Kilometer zur Arbeit, dabei musste die drei Zölle passieren“, erinnert sich Bernd Presser. Schließlich wechselte er zu eine anderen Stahlbaufirma und hatte somit auch viel in Berlin zu tun. „In Berlin hatte ich eine kleine Wohnung und so kam ich nur am Wochenende nach Hause“, erinnert sich Bernd Presser. Das war für seine Frau Gerda keine leichte Zeit, 1980 wurde der Sohn Jens und 1984 die Tochter Eva-Maria geboren. „Aber eine Wochenendbeziehung hält auch die Liebe frisch“, sagt die 72-Jährige und strahlt ihren Mann an. Der ist übrigens bis heute unter dem Bundeskanzleramt verewigt. Wie es so Sitte ist, wird bei der Grundsteinlegung eine Dokumentenhülse mit einer Zeitung und Papieren verbaut und diese Hülse für das Kanzlergebäude hatte für den 26. September 1997 Bernd Presser aus Messing gebaut. Aber seine damalige Firma konnte nicht nur kleine Arbeiten, auch die Stahlkonstruktion des Sony-Gebäudes in Berlin trägt ein wenig die Handschrift von Bernd Presser, der sich in Statik sehr gut auskannte.

„Mein Bruder wohnt in Sengwarden und so waren wir ein paar mal in Friesland“, erzählt Gerda Presser von dem Entschluss, wie es die beiden in den Norden verschlagen hat. Denn für das Paar war schnell klar, wenn Bernd in Rente geht, wollen sie hierhochziehen. „Uns gefiel die Luft und die Gegend“, erklärt die 72-Jährige. Schließlich brachen sie die Zelte im Kreis Warendorf ab und kamen nach Schortens und, weil die Wohnung ihnen dort nicht mehr zusagte, nach Wittmund. Hier haben sie einen schönen Bungalow gemietet und sind heimisch geworden. „Die Stadt ist sehr schön, aber man könnte noch viel mehr machen“, sagt Bernd Presser, der sich jahrelang ehrenamtlich im Gewerbeverein proWittmund engagiert hat. Sechs Jahre organisierte er auch den Letztmarkt mit dem bekannten Drehorgelfestival.

Wegziehen möchte die beiden hier nicht mehr. „Wir haben alles, was wir brauchen und vor allem haben wir uns“, sagt das Paar.