Wittmund/Jever - Beinahe wäre ich doch in die Fußstapfen meines Vaters getreten und Lehrer geworden. Zumindest schien mir das nach dem Abitur 1994 in Nordenham ein recht schlüssiger Weg zu sein. Planbare Arbeitszeiten, reichlich Ferien, ein auskömmliches Gehalt waren verlockend. Nun, dass mein Vater teilweise bis spät in die Nacht Klausuren korrigierte, wenn alle schon schliefen, war wohl ein notwendiges Übel. Als ich 1995 in Göttingen tatsächlich mein Lehramtsstudium für Englisch und Sport begann, dauerte es ein wenig, bis es mir dämmerte, dass es so gar nicht meine Sache war, mich vor eine Klasse von 30 Schülern zu stellen und ihnen etwas fürs Leben beizubringen. „Was tun?“, sprach Zeus...
„Ein Praktikum!“, lautete die Antwort. Und zwar bei der Zeitung, denn das örtliche Lokalblatt lag schon in meiner Jugend vor der Schule immer auf dem Frühstückstisch. Der Sportteil war stets das erste, was ich mir unter den Nagel gerissen habe. Schließlich wollte ich wissen, was dort über das Spiel der Handballmannschaft, in der ich in meiner Jugendzeit aktiv war, geschrieben wurde.
Dass nun ausgerechnet gleich mein erster Gehversuch bei der örtlichen Lokalzeitung in der Wesermarsch ein Talent fürs Schreiben offenbarte, war tatsächlich mein Glück. Zwar probierte ich mich im Anschluss nicht als freier Mitarbeiter, aber meine Sportaffinität machte mich immerhin zum Mitarbeiter der Hochschulsport-Zeitung an der Georg-August-Universität Göttingen. Ein weiteres Praktikum bei der Bild-Lokalredaktion in Hamburg und die Mitarbeit als Pressesprecher des Göttinger Literaturherbstes waren weitere Stationen, die mich auf den Weg brachten. Noch im Endstadium meines Studiums in der Leinestadt schickten mir meine Eltern eine Stellenanzeige. Die Sportredaktion des Anzeiger für Harlingerland und Jeverschen Wochenblatts suchte einen Volontär. Es war die einzige Bewerbung, die ich schreiben und das einzige Vorstellungsgespräch, das ich führen musste. Der Norden, Sport, Lokalzeitung und ich, das passt einfach. Was mich hier begeistert ist die Vielfältigkeit der Sportszene. Boßeln, als wohl wichtigste Sportart im Harlingerland, Fußball, das Lieblingsspiel der Deutschen, Handball, Volleyball, Darts, Kanusport und vieles, vieles mehr. Auf den Sportplätzen, in den Hallen und auf den Straßen zu sein, das erfüllt mich. Dazu kommen die Menschen in Ostfriesland, die mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg halten. So manches Mal habe ich das schon zu spüren bekommen. Und das ist gut so. Daran wächst auch die Sportredaktion.
Diese hat sich nach meinem Volontariat schlagartig verjüngt. Ich wurde direkt Teamleiter. Seit dem 1. Dezember 2021 leite ich die gemeinsame Sportredaktion von Anzeiger für Harlingerland, Jeversches Wochenblatt und Wilhelmshavener Zeitung.
