Wittmund/Jever - Ich brauche Abwechslung. Dabei muss nicht immer das Rad neu erfunden werden. Aber wenn es zu eintönig wird, bin ich schnell gelangweilt. Daher hab ich beruflich immer Herausforderungen gesucht, die ein gewisses Maß an Chaos bereithalten.

Schon als Schüler habe ich in der Veranstaltungsbranche gearbeitet. Als Licht- und Tontechniker ging es zunächst mit einer Top-40-Band über Stadtfeste und Zeltfeten, später kamen größere Konzerte hinzu. Nach dem Abitur folgte eine Ausbildung als Elektroniker, der Musikszene blieb ich treu. Die Konzerte wurden größer, die Künstler berühmter, doch die Probleme blieben dieselben. Hier ein kaputtes Kabel, da ein Brummen auf der Anlage, weil irgendein Profi es für eine gute Idee hielt, den Kühlwagen auf denselben Stromanschluss zu legen wie die Bühne. Irgendwas ist ja immer.

Damals habe ich gelernt, was auch in meinem jetzigen Job noch zählt: Eine gute Planung ist wichtig, aber nur, damit man auf Überraschungen reagieren kann. Während meine Kollegen die Sonntage oft dazu genutzt haben, um den versäumten Schlaf nachzuholen, bin ich meinem zweiten Job nachgegangen. Als freier Mitarbeiter in einer Sportredaktion in Varel habe ich meine Sonntage auf Fußballplätzen, in Sporthallen und auf Boßelstrecken verbracht. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem ich mich entscheiden musste – Sport oder Konzerte. Mit dem Start ins Studium Medienwirtschaft und Journalismus war die Entscheidung eigentlich gefallen.

Doch es folgten einige weitere Jahre Zweigleisigkeit. Damit war 2011 dann Schluss und ich begann mein Volontariat in der Sportredaktion. Bereut habe ich diesen Schritt nie. Zum einen sorgen die Sportler für einen schier endlosen Nachschub an Geschichten, zum anderen gibt es Woche für Woche kleinere und größere Überraschungen, die die Arbeit abwechslungsreich halten. Auch wenn es nicht jede Geschichte in die Zeitung schafft, sind sie doch alle auf ihre Art besonders. Sportliche Erfolge und herausragende Leistungen gehören ebenso dazu wie Athleten, die lieber nicht fotografiert werden wollen, weil sie ja eigentlich krankgeschrieben sind, ihr Team aber nicht im Stich lassen wollen. Und je größer der zeitliche Abstand zur Arbeit in der Musikbranche wird, desto entspannter ist es für mich auf Konzerten. Inzwischen kann ich wieder die Show verfolgen, ohne vorher nachzuschauen, welches Mischpult genutzt wird und welche Scheinwerfer auf der Bühne hängen. Beim Pfeifen einer Rückkopplung zucke ich aber nach wie vor zusammen.

Jochen Schrievers
Jochen Schrievers Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung