Wittmund - „Ich war davon ausgegangen, das funktioniert. Aber ich musste mich entscheiden. Das ist mir nicht leicht gefallen“, sagt Ralf Benninghoff im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Geschäftsführer des Wittmunder Krankenhauses hat um Aufhebung seines Vertrages zum 31. Dezember gebeten.
Seit 2017 war er Klinik-Chef. Vor ein paar Wochen informierte er die Gremien, die nun in einer Sondersitzung am Mittwoch zusammenkommen, und darüber zu befinden haben, ob der 55-Jährige aus dem Vertag befreit wird. Vor zwei Jahren hatte er eine Verlängerung des Arbeitsverhältnis von 2023 bis 2028 unterschrieben.
Frau und Kinder in Hildesheim
286 Kilometer trennen den 55-Jährigen von seiner Familie, die bei Hildesheim lebt. Je nach Baustellen sind das 2,5 bis vier Stunden Fahrzeit, sagt der Klinik-Chef „Am Anfang habe ich gedacht, das schaffe ich“, so der Geschäftsführer. Seit fünf Jahren sieht er seine Frau, die selbst berufstätig ist, und die Kinder, 14 und 17 Jahre, nur am Wochenende. Die Woche verbringt er in einer kleinen Wohnung in Wittmund.
Gebürtig kommt Ralf Benninghoff aus Sande. „Aber meine Heimat ist da, wo meine Familie wohnt, das wurde mir deutlich“, sagt er und das sei Hildesheim. Es sei ein „bunter Blumenstrauß“ an Gründen gewesen, die ihn veranlasst hätten, aus dem Vertrag zu gehen. „Die aber haben nichts mit dem Krankenhaus Wittmund, den Mitarbeitern oder den Menschen im Landkreis zu tun“, betont der 55-Jährige, der selbst schon einmal schwer erkrankt war. Vor allem der Landkreis als Träger für die Klinik sei top. „Wir alle sind uns hier immer auf Augenhöhe begegnet. Ich hoffe, dass es gelingt, im guten auseinanderzugehen, alles andere wäre für mich ein Stich ins Herz“, sagt Ralf Benninghoff. Mit Christina de Vries, die zum 1. August die stellvertretende Geschäftsführung des Medizinischen Versorgungszentrums am Krankenhaus Wittmund übernimmt, und mit dem stellvertretenden Geschäftsführer der Klinik, Stephan Rogosik, sei das Haus gut aufgestellt.
Nachfolger brauchtEmpathie
„Ich werde in der Zeit eines Überganges beratend weiter zur Seite stehen“, sagt der Klinik-Chef. Unter ihm ist es gelungen, die wirtschaftlichen Zahlen des 152-Betten-Hauses zu verbessern. „Ich stehe hinter diesem Krankenhaus und möchte, dass es gut weiter geführt wird. Das ist mein großer Wunsch“, so der 55-Jährige. Und dafür muss nun der Landkreis sorgen. „Wir brauchen einen Geschäftsführer, der empathisch ist und wirtschaftliches Know-how hat“, betont auch Wittmunds Landrat Holger Heymann, der die Entscheidung Benninghoffs sehr bedauert, aber auch verstehen kann.
