Wittmund/Leerhafe - Innerhalb des Weihnachtsfestkreises, das sind die Wochen vom ersten Advent bis zum Dreikönigstag, spielt die Chormusik eine besondere Rolle. Schön, dass es auch im beginnenden 21. Jahrhundert mit seinen vielen Veränderungen so geblieben und nicht nur eine Erinnerung aus vergangenen Zeiten ist.
Keines Heft warviel verbreitet
In Ostfriesland kursierte jahrzehntelang eine kleine Schrift mit Weihnachtsliedern, die schon 1937 von dem Burhafer Pastoren M. Bohlen herausgegeben und immer wieder nachgedruckt wurde. Ein Longseller sozusagen. „Wer möchte Weihnachten feiern ohne unsere alten Weihnachtslieder? Im trauten Familienkreis haben wir sie oftmals gesungen. Jedes Jahr, wenn es auf Weihnachten geht, werden ihre Weisen wieder in uns wach. Daß sie in uns lebendig bleiben, dazu möchte diese kleine Sammlung ein wenig beitragen. So zieh’ denn hinaus, du kleines Heft, in die Häuser unseres lieben Ostfriesland, hilf mit, dass man überall wieder dankbar und froh feiert…“ schreibt er in seinem Vorwort.
15 Lieder, die jeder mitsingen kann
Nur 15 Lieder hat Pastor Bohlen aufgenommen, die Spanne reicht von „Alle Jahre wieder“ über „Es ist ein Ros entsprungen“, „Ihr Kinderlein kommet“, „O du fröhliche, o du selige“ bis zu „Stille Nacht, heilige Nacht“, deren Texte es im norddeutschen Raum oftmals auch in einer plattdeutschen Version gibt. Die Lieder haben an der Nordseeküste eine derartige Popularität erreicht, so dass selbst hoch betagte Menschen spontan die erste Strophe singen können.
Die Advents- und Weihnachtszeit ist innerhalb der Kirchenmusik die Zeit der Bläserchöre. Es gibt innerhalb der evangelischen Kirche im Harlingerland sicherlich ein- bis zweihundert aktive Bläser, bundesweit mögen es etwa 30 000 sein. Seit den 1950-er Jahren schon überraschen immer wieder die dörflichen Laien-Posaunenchöre, die in Kirchen auftreten und den Festgottesdiensten ein besonderes Gepräge geben. Einfache musikalische Grundkenntnisse genügen, sodass sich heimische Landwirte, Handwerker, Schüler usw. gern im Chor betätigten und damit zu einem Stück Dorfkultur werden.
Johann Wümkes förderte Musik in Leerhafe
In Leerhafe erinnert man sich gern an Johann Wümkes, der mit seinen Bläsern innerhalb und außerhalb des Dorfes gern auf die Menschen zuging. Zum Stamm gehörten etwa 20 Bläser (darunter auch einige Frauen), die über ein Repertoire von mehreren Dutzend Stücken präsent hatten. Die Geschichte des Leerhafer Posaunenchores begann im Mai 1931, als Werner Wümkes aus Wiesede nach Leerhafe zog, um sich hier als Kaufmann selbstständig zu machen. Gemeinsam mit dem Rektor der Volksschule und Organisten Johann Harms und weiteren Bläserfreunden kam es zur Gründung des Posaunenchores.
Nach Unterbrechungen in der Kriegs- und Nachkriegszeit kam die Sache so richtig in Schwung, als Johann Wümkes 1967 die Leitung übernahm und für den Chor in den mehr als drei Jahrzehnten seiner Aktivität immer wieder junge Bläser heranbilden konnte. Bald gehörten nicht nur Auftritte in der Kirche, sondern auch auf zahlreichen Festveranstaltungen, bei hohen Geburtstagen, Hochzeiten usw. zu den Aktivitäten. Selbst außerhalb Leerhafes waren die Bläser immer wieder anzutreffen. Nach mehr als 30 Jahren seiner Tätigkeit legte Wümkes die Leitung des Chores 2002 in jüngere Hände.
Am Heiligabend wurde zu Hause viel gesungen
Das Erlernen von Gedichten und Liedern zur Advents- und Weihnachtszeit wurde vor Jahrzehnten in den Schulen wohl intensiver gepflegt als heute. Auch das häusliche Singen am Heiligabend und an den Weihnachtstagen dürfte kaum noch stattfinden. Das wochenlange Abspielen von Weihnachtsliedern in den Kaufhäusern hat – aus welchen Gründen auch immer- weitgehend ein Ende gefunden. Dafür strömt kontinuierlich neues Liedgut auf uns zu, so wie das wohl weltweit bekannte „White Christmas“ und viele andere Kompositionen, jederzeit abzuspielen über das Internet oder aus heimischen Musikkonserven.
Auch soll inzwischen in den USA ein „Singender Weihnachtsbaum“ mit Pomp und Plastik und funkelnden Elektrokerzen weit verbreitet sein. Der Markt liefert eben das, was von den Kunden nachgefragt wird. Kurzum: Man muss nicht unbedingt an alten Ritualen festhalten – ober mooi weer dat ook.
