Wittmund - Es war alles so gut gedacht und vorbereitet. Doch dann mussten die Wittmunder Landfrauen und der Verein „Kinder in Not“ feststellen, dass deutsche Bürokratie auch gut gemeinte Aktionen ausbremsen kann. Weil der Landkreis Wittmund nach Aussagen von Gerd Thellmann auf den Datenschutz verwies und keine Adressen von ukrainischen Flüchtlingsfamilien herausgab, fiel die von den beiden Organisationen gemeinsam geplante orthodoxe Weihnachtsfeier für die Flüchtlingskinder aus, das teilt der Verein jetzt mit.

Zur Vorgeschichte: Der Landfrauenverein Wittmund hatte unter Federführung von Helene Fischer und Inge Elis zum Erntedankfest eine Patchwork-Versteigerung veranstaltet, bei der 3240 Euro als Erlös zusammenkamen. Dieses Geld wurde dem Verein „Kinder in Not“ zur Verfügung gestellt. Vorsitzender Gerd „Thelly“ Thellmann sagte spontan weitere 2000 Euro zu und kündigte unter anderem an, dass mit diesem Geld eine große Weihnachtsfeier für ukrainische Flüchtlingskinder im Harlingerland veranstaltet werden soll. Doch sein Plan ging nicht auf – es gab keine Kontaktadressen und damit auch keine Feier.

Auch wenn die Weihnachtsfeier ausgefallen ist, soll trotzdem mit dem Geld dieser Zielgruppe geholfen werden, so die Ehrenamtlichen. Mit einer Kaffeetafel im Haus der Loge Blücher in Rahrdum bedankte sich Thellmann für das Engagement der Wittmunder Landfrauen. Dabei wurde besprochen, welche Hilfsaktionen jetzt trotzdem anlaufen können. So soll es unter anderem zusätzlichen Deutschunterricht für interessierte, junge Ukrainer geben. Inge Elis hat laut Thellmann bereits Räumlichkeiten und einen Deutschlehrer organisiert. Acht Interessenten soll es bereits geben. Thellmann: „Ich gehe davon aus, dass das noch deutlich mehr werden, wenn sich das in nächster Zeit in den Kreisen der Betroffenen herumspricht.“

Außerdem will die Stiftung vermehrt versuchen, Herzenswünsche von schwer kranken Kindern zu erfüllen. Der Vorstand stellt sich vor, dass hiesige Ärzte kontaktiert werden, die dann unter Einhaltung der Schweigepflicht die Eltern der kleinen Patienten auf deren Wünsche ansprechen, die sich bislang wegen Geldmangel nicht verwirklichen ließen.

In einem Kurzvortrag hatte Thellmann zuvor über seine Motivation berichtet, die ihn bei „Kinder in Not“ immer wieder antreibt. So habe er bei seinen häufigen Arbeitseinsätzen im Ausland unter anderem hautnah die Auswirkungen der Apartheid in Südafrika erleben müssen. Der „Kinder in Not“-Vorsitzende: „Die schrecklichen Bilder von praktisch grundlos blutig geprügelten Menschen, denen wir nicht helfen konnten und durften, haben mich bis heute nicht losgelassen.“