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Krankenhaus in Wittmund Notfallversorgung trotzPersonalausfällen sichergestellt

Wittmund - Es wird eng im Wittmunder Krankenhaus. Immer noch sind viele der Mitarbeiter erkrankt. Rund 25 Prozent der 200 Pfleger und Krankenschwestern fallen derzeit aus. Bis Montag war eine komplette Station gesperrt, nun ist sie wieder offen, aber nur zur Hälfte mit infektiösen Patienten belegt. Von der Leitstelle ist der Bereich der Inneren abgemeldet, weil das Personal keine Kapazitäten mehr hat.

„Wir bekommen das alles noch geregelt, aber es ist nicht einfach“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Stephan Rogosik. Was aber nach wie vor aufrecht erhalten blieb und auch bleibt, betont Rogosik, ist die Notfallversorgung. „Wer hierher kommt, bekommt Hilfe, das deutliche Zeichen wollen wir nach außen kommunizieren“, unterstreicht er.

Die Pandemie ist vorbei, sagte der Virologe Christian Drosten kurz vor Weihnachten. Die Frage, die die Bürger beschäftigt, ist aber, in welchem Bundesland und in welchen Einrichtungen müssen die Menschen weiter Masken tragen? „Im Krankenhaus Wittmund gilt weiter die FFP2-Masken-Pflicht in sämtlichen Bereichen“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer. Aber auch er sieht, wie schwer es die Pfleger und Ärzte haben, den ganzen Tag mit den Masken zu arbeiten. „Kliniken hatten schon immer sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen, wenn es um die Behandlung von Infizierten geht, es gibt schließlich noch viel mehr als nur Corona“, sagt der 47-Jährige. Und das spiegelt sich derzeit auch im Belegungsplan wider. Von den 23 infektiösen Patienten sind nur noch vier am Coronavirus erkrankt. „Beatmet werden muss schon sehr lange niemand mehr, die Verläufe sind milder“, sagt Rogosik. An die Beatmungsgeräte auf Intensiv sind derzeit aber ein Patient mit Influenza und einer mit dem RS-Virus angeschlossen.

Auch Rogosik fragt sich, ob die grundsätzliche Maskenpflicht nicht auch in Krankenhäusern bald fallen könnte. „In den Fluren zum Beispiel. Wir haben hier immer wieder mit ansteckenden Krankheiten zu tun, unser Standard ist bei den Schutzmaßnahmen schon immer sehr hoch gewesen“, so der 47-Jährige.

Die Wittmunder Klinik hat ihre Besucherregelungen im Gegensatz zu anderen Häusern moderat gestaltet. „Bei uns dürfen die Patienten jeden Tag von 14 bis 18 Uhr einen Gast empfangen, das ist nicht zeitlich begrenzt“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer. Allerdings müssen sowohl Bürger, die einen Termin im Krankenhaus haben, als auch diejenigen, die zu Besuch kommen, einen tagesaktuellen Test vorlegen. „Das läuft gut und die Akzeptanz ist da“, sagt Rogosik.

Dr. Wolfram Nagel für Maskenpflicht

Die Situation auch in den Kliniken ist nach wie vor angespannt. Nicht nur, dass viele infektiöse Patienten behandelt werden müssen, auch Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte fallen oft krankheitsbedingt aus. Vor Weihnachten mussten aus diesem Grund geplante Operationen in der Wittmunder Klinik abgesagt und nun nachgeholt werden, wie der stellvertretende Geschäftsführer Stephan Rogosik bestätigt. Die Lage bei den Eingriffen hat sich wieder ein wenig entspannt.

Derzeit werden in Wittmund aber nur 115 stationäre Patienten behandelt, das entspricht einer Belegung von 76 Prozent von den 152 Planbetten. Auch in Wittmund fällt fast 25 Prozent des Pflegepersonals derzeit aus. Die Anzahl der infektiösen Patienten liegt bei 23, davon haben vier das Corona-Virus, an Influenza leiden zwölf Frauen und Männer, fünf haben RSV und zwei Patienten sonstige infektiöse Krankheiten. Jeweils ein Patient mit Influenza und RSV wird beatmet. „An diesen Zahlen sehen wir, dass Corona derzeit nicht das vorherrschende Thema ist, eher Influenza und RSV“, so Rogosik.

Das weiß auch Dr. Wolfram Nagel, Allgemeinmediziner aus Esens und Vorsitzender der Kreisärzteschaft. „Wir haben enorm viele Infektionen, Influenza, RSV, Corona und natürlich die üblichen Erkältungsviren. Die Praxen sind am Anschlag“, sagte der Mediziner.

Ursache seien sicher die drei Jahre Pandemie mit Kontaktreduktion und Maske. „Ich vermute, dass der deutsche Weg mit der Pandemie umzugehen, bei allen Kommunikationsschwächen, nicht der schlechteste Weg war“, so Dr. Nagel. Man habe jetzt in der Bevölkerung einen recht hohen Immunitätsgrad gegen Corona erreicht – durch Erkrankung und Impfung. Nun gehe es vor allem darum, die noch immer besonders Gefährdeten zu schützen. „Deshalb meine ich, dass die Masken in den Gesundheitseinrichtungen noch ihren Platz haben“, so der Arzt auf die Frage, was er von der Abschaffung der Maskenpflicht hält. „Ich hoffe, dass wir zeitnah Impfungen bekommen, die möglicherweise nicht nur schwere Verläufe – so wichtig das ist – , sondern auch insgesamt die Erkrankung verhindern können“, sagt der Mediziner.

Die Bürger seien jetzt in einer Phase, in der wohl weniger Verordnungen notwendig seien, aber der verantwortliche Umgang jedes Einzelnen im Vordergrund stehe. „Wir haben unter den Belastungen der Pandemie viele Mitarbeiter im Gesundheitswesen verloren. Gerade die Pflege hat ein enormes Problem. Diese Auswirkung der Pandemie wird uns noch eine Weile begleiten. Wir brauchen Menschen, die Freude daran haben, anderen Menschen zu helfen. Bei aller Belastung ist die Arbeit im Gesundheitswesen so außerordentlich sinnvoll und erfüllend“, unterstreicht Dr. Wolfram Nagel.

Inga Mennen
Inga Mennen Thementeam Soziales
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