Wittmund - „Es bleibt kompliziert“, fasste es Ralf Benninghoff, Geschäftsführer des Krankenhauses Wittmund, auf der Gesellschafterversammlung am Donnerstag zusammen. Er hatte sich mit Kollegen zu einer Tagung auf Norderney getroffen, aber auch die blieb ohne klares Ergebnis und ohne, so der Klinik-Chef, Planungssicherheit für die Krankenhäuser.
Dennoch stellte der Geschäftsführer die Wirtschaftszahlen für das kommende Jahr vor – allerdings unter vorbehalt. Denn auch in Sachen Klinik-Finanzierungen ist auf Bundesebene gerade vieles im Umbruch – und das, machte Benninghoff deutlich, stimmt die Verantwortlichen in den Versorgungszentren nicht gerade froh.
65 Prozent Personalkosten
Im Jahr 2022 wird mit einem Ertrag im Wittmunder Krankenhaus von 44, 5 Millionen Euro gerechnet – für 2023 mit 46,5 Millionen Euro. Dem gegenüber steht natürlich die Ausgabenseite und da machen die Personalkosten den größten Teil mit 27,9 Millionen Euro (65 Prozent) für das kommende Jahr aus. Benninghoff erläuterte, dass mehr Pflegekräfte eingestellt werden müssten, die Zahl der Vollzeitangestellten aber nicht nennewert steige. „Viele unserer Mitarbeiter gehen aufgrund der hohen Belastung in Teilzeit, das muss aufgefangen werden“, so der Klinik-Chef. Der Plan sieht vor, das im Jahr 2023 525 Frauen und Männer im Krankenhaus arbeiten, davon aber nur 369 in Vollzeit. Der Posten der Sachaufwendungen wird auf knapp 20 Millionen Euro geschätzt.
Kürzungen bei Fördermitteln
Bei den Aufwandspositionen ist der medizinische Bedarf mit 6,9 Millionen Euro der höchste. „Wenn man 800 Endoprothesen im Jahr einsetzt, müssen die auch vorher angeschafft werden“, machte der 56-Jährige deutlich. Für Wasser, Energie und Brennstoffe wurden für das kommende Jahr 525 000 Euro veranschlagt. „Aber das bleibt natürlich im wahrsten Sinne des Wortes ein richtig heißes Thema“, so Benninghoff. Immerhin könne sich die Klinik glücklich schätzen, die Abwärme der Biogasanlage in Dohusen nutzen zu können.
Für die Neustrukturierung des Pflegebereiches erwarten die Wittmunder im kommenden Jahr eine Fördersumme von 3,5 Millionen Euro und zusätzlich aus Fördermitteln noch 380 000 Euro – allerdings mit einer einprozentigen Kürzung auf Basis der Bescheide. „Bei 15 Millionen Euro sind das für uns dann 745 000 Euro“, sagte Benninghoff. Bereits 2020 hat das Krankenhaus Wittmund Klage gegen diese Kürzung gegen das Land eingereicht – bislang ohne Ergebnis.
Haben sich die vergangenen Jahre unter der Geschäftsführung von Ralf Benninghoff positiv entwickelt, so rechnet der Klinik-Chef, der zum Ende des Jahre geht, im 2023 mit einem negativen Jahresergebnis von einer halben Million Euro – so wie auch in diesem Jahr. „Die Ansätze in beiden Jahren waren wegen der ungeklärten Finanzierung im Rahmen der Corona-Pandemie 2022 und der unkonkreten Entlastungsregelungen für die Preiskostensteigerungen 2023 besonders schwierig“, so der Geschäftsführer abschließend.
Kai Schasse übernimmt am 15. Februar
Die finanzielle Ausstattung zum Wohle des Hauses im Blick zu haben, die Aufgabe übernimmt ab dem 15. Februar Benninghoffs Nachfolger Kai Schasse. „Sie haben hier in den sechs Jahren ihrer Arbeit positive Spuren hinterlassen, aber Abschiede gehören zum Berufsleben dazu“, dankte Landrat Holger Heymann dem Klinik-Chef für seine Arbeit. Auch der Fraktionsvorsitzende der CDU/FDP-Gruppe, Arthur Engelbrecht, und Heinz Buss von der Rot-Grün-Plus-Gruppe, dankten dem scheidenden Geschäftsführer für ein Engagement.
