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Polizeieinsatz am Krankenhaus Wittmund So sind die Pflegekräfte auf Bedrohungen vorbereitet

Wittmund - Die Pflegekräfte, die am Freitagabend Dienst in der Notaufnahme hatten, gehen trotz des Großeinsatzes und der psychischen Belastung wieder ihrer Arbeit nach. Am Freitag gegen 19 Uhr war ein Mann in die Notaufnahme des Wittmunder Krankenhauses gekommen und hatte das Klinikpersonal mit einem von zu Hause mitgebrachten Messer bedroht – die Polizei überwältigte den psychisch kranken 20-Jährigen.

Für alle eine Ausnahmesituation

„Wir können nur immer wieder das besonnene Verhalten der Pflegekräfte loben“, sagt Stephan Rogosik, stellvertretender Geschäftsführer des Krankenhauses Wittmund. Ein Pfleger schaffte es, den gewaltbereiten Mann in ein Untersuchungszimmer in der Notaufnahme zu drängen. „Das war für alle eine Ausnahmesituation und sicher ungewöhnlich“, sagt Rogosik. Die Pflegekräfte, so der 47-Jährige, werden aber immer wieder auf solche Situationen geschult. „Es kommt natürlich vor, dass wir hier gewaltbereite angetrunkene Patienten zu versorgen haben, vor allem verbal werden diese Frauen und Männer nicht selten beleidigend“, erklärt Stephan Rogosik.

Internes Reflexionsgespräch

Am Freitagabend, als der Mann gegen 19 Uhr in der Notaufnahme erschien, waren noch zwölf Patienten dort, die in den verschiedenen Räumen untersucht wurden. Sie wurden von den Pflegekräften sofort evakuiert – in den Empfangsbereich oder auf die Stationen begleitet. Am Freitag wird es intern noch ein Reflexionsgespräch der Ereignisse geben. „Natürlich können die Krankenschwester und die Pfleger psychologische Hilfe bekommen, wenn sie es möchten“, sagt Stephan Rogosik. Bislang war das aber noch nicht der Fall.

Gesamte Elektronik muss erneuert werden

Die Schadensaufnahme in dem Raum der Wittmunder Notaufnahme, in dem sich am Freitag ein 20-jähriger Mann mit einem Messer verbarrikadiert hatte, ist abgeschlossen. „Die gesamte Elektronik muss erneuert werden“, sagt Stephan Rogosik, stellvertretender Geschäftsführer des Krankenhauses. Der psychisch Kranke hatte Steckdosen und Lichtschalter aus der Wand gerissen.

Aber damit nicht genug – das Jod, mit dem der Mann herumgespritzt hat, ist in Fußboden und Wände eingezogen. „Wenn es schlecht läuft, müssen wir den Boden auch noch erneuern lassen“, sagt Rogosik. Der Schaden wird sich im vierstelligen Bereich befinden. Aber spätestens in gut einer Woche soll der Untersuchungsraum wieder zur Verfügung stehen.

Klinikleitung zeitnah informiert

Die Verantwortlichen und an dem Vorfall Beteiligten werden die Bedrohungslage am kommenden Freitag in Gesprächen aufarbeiten. „Ärztliche, technische und Pflegedienstleitung sowie die Geschäftsführung wurden am Freitagabend von dem Vorfall informiert und waren selbst vor Ort.

„Das war schon ungewöhnlich. Dass wir randalierende und beleidigende Patienten haben, ist nicht so selten, aber eine Bedrohungslage ist doch außergewöhnlich“, sagt Rogosik, der am Freitagabend auch zum Krankenhaus kam. Für Notfälle ist die Klinik aber mit zwei sogenannten stillen Alarmen ausgerüstet. Bei Bedarf können die Knöpfe, die direkt mit der Polizei verbunden sind, gedrückt werden. Am Freitag aber hat ein Pfleger die Beamten direkt per Telefon informiert.

Mann war bereits um 17 Uhr in der Klinik

Der 20-Jährige war um 19 Uhr übrigens zum zweiten Mal in der Klinik. Bereits um 17 Uhr hatte er sich am Empfang gemeldet und über Bauchschmerzen geklagt. „Er wurde dann auch behandelt und ist wieder nach Hause gegangen“, so der stellvertretende Geschäftsführer. Warum er dann um 19 Uhr noch einmal mit einem Messer bewaffnet erschienen ist, weiß keiner so genau.

In den Untersuchungsraum, in dem sich der 20-Jährige aufhielt, lag noch ein Patient, der aber noch herausbegleitet werden konnte. Ein Pfleger sorgte dann dafür, dass der psychisch Kranke dort nicht mehr herauskam. Als die Polizei eintraf, verbarrikadierte sich der Angreifer dann aber von innen und fügte sich mit dem Klappmesser Verletzungen an Armen und am Hals zu. Nachdem die Polizisten ihn überwältigt hatten, wurde der Mann versorgt und in eine psychiatrische Klinik gebracht.

„Jetzt hat sich einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir regelmäßig Schulungen auch zum Thema Deeskalation anbieten“, so Stephan Rogosik.

Inga Mennen
Inga Mennen Thementeam Soziales
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