Wittmund - „In deutschen Krankenhäusern wird unnötig und zu viel operiert.“ Zu dieser Erkenntnis kam vor wenigen Tagen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Damit beruft sich der Politiker auf Studien.
„Bei solchen Unterstellungen kann ich wirklich wild werden“, machte sich der Geschäftsführer des Wittmunder Krankenhauses, Ralf Benninghoff, am Donnerstag auf der Gesellschafterversammlung Luft. Es sei „ein Schlag ins Gesicht“, unterstrich der Klinik-Chef vor den Kommunalpolitikern. Nach wie vor würden in Wittmund keine Patienten operiert, die es nicht nötig hätten oder, die es nicht wollen. Benninghoff aber stellte den Politikern auch dar, wie kompliziert es mit den acht Milliarden Euro Soforthilfen ist, die der Gesundheitsminister Anfang November angekündigt hatte. „Von einer Soforthilfe kann hier nicht die Rede sein. Die Auszahlungen sollen auf 24 Monate verteilt werden“, machte der Verwaltungsleiter deutlich. Zudem sei dann das Geld auch noch an Bedingungen geknüpft.
Ob und wann dann überhaupt Geld an das Krankenhaus in der Harlestadt fließt, sei fraglich. „Es bleibt kompliziert, und die Krankenhäuser arbeiten nicht nur am finanziellen, sondern auch personellen Limit“, so der Geschäftsführer.
Die Pandemie sei noch nicht vorbei. Aktuell fehlen im Wittmunder Krankenhaus 50 Kräfte in der Pflege. „Wir reden nicht von Corona, sondern von anderen Krankheiten wie Erkältung. Aber die Pflegedienstleitung muss diese Vakanzen auffangen, das ist nicht einfach“, sagte Ralf Benninghoff. Zwar sei die Klinik von der Leitstelle abgemeldet, dennoch kämen viele Patienten ins Haus, die natürlich versorgt werden müssten.
Ein Trend sei bei der hohen Belastung bei einem Blick auf die Personalzahlen zu verzeichnen: Immer mehr Bedienstete wechseln in die Teilzeit. Das müsse aufgefangen werden. Aber Fachpersonal zu finden werde bei weitem nicht einfacher und stelle auch das Wittmunder Haus in der Zukunft vor große Herausforderungen, so Ralf Benninghoff. „Unser System ist auf Leistung ausgelegt. Aber es geht nicht immer mehr“, so der 56-Jährige.
Zunehmend würden auch die bürokratischen Hürden wachsen. „Wir reden nicht von Problemen, sondern von Herausforderungen. Aber es bleibt äußerst kompliziert“, betonte der Geschäftsführer.
