Wittmund - „Mieten sind in Wittmund am stärksten gestiegen“ – diese interessante Nachricht und andere Texte aus dem Anzeiger für Harlingerland sollen auch denjenigen nicht verborgen bleiben, die sie nicht lesen können – weil sie sehbehindert oder erblindet sind. Beim DRK-Kreisverband Wittmund entsteht täglich eine Aufzeichnung als Hörbuch mit interessanten regionalen Nachrichten. Doch es gibt ein Problem: Die Zahl der Hörer sinkt kontinuierlich. Das teilt das DRK Wittmund in einer Pressemitteilung mit.
Tonstudio in der DRK-Geschäftsstelle
Die Meldungen aus den ostfriesischen Zeitungen einfach vorlesen lassen – diesen Service bietet der DRK-Kreisverband Wittmund seit rund 30 Jahren an. Er kostet fünf Euro pro Monat und wendet sich an alle sehbehinderten Menschen im Kreisgebiet, denen das Lesen schwer fällt und die dennoch über das regionale Geschehen informiert sein wollen.
„Tonstudio“ steht in dicken Lettern an der Tür, die zu einem Zimmer im hinteren Teil der DRK-Geschäftsstelle an der Mühlenstraße in Wittmund führt. In dem kleinen Raum treffen sich die ehrenamtlichen Vorleser, um die Nachrichten aufzuzeichnen. Anfangs überspielte das Vorleser-Team die Texte auf Kassette, ab Mitte der 1990er-Jahre wurden die Nachrichten auf CD „gebrannt“.
Von CD auf USB-Sticks umgestiegen
Seit einigen Jahren sind die Ehrenamtlichen um Manfred Andreas, Ilona Neugebauer und Inge Hobben sowie all die anderen lokalen „Tagesschau-Sprecher“ auf den USB-Stick umgestiegen. Die Hörer – meist im betagten Alter – bekommen täglich den USB-Stick; ein passendes Abspielgerät kann man sich beim DRK ausleihen.
Dieser Stick wird von Dienstag bis Samstag als spezielle Blindensendung per Post an die Hörer verschickt. Sie können dann den Stick mit der Aufzeichnung des Vortages gleich wieder retour senden. Die Aufnahmen haben, je nach Umfang der Nachrichten des jeweiligen Tages, üblicherweise eine Länge von etwa 60 bis 70 Minuten.
Von montags bis freitags treffen sich die Nachrichtenleser jeden Morgen gegen 9 Uhr im DRK-Tonstudio und studieren zunächst die Tageszeitungen, selektieren die wichtigsten Meldungen des Tages. Dann sind Konzentration und Ruhe angesagt – die Aufnahmen beginnen. „Ganz wichtig sind für unsere Hörer die Familienanzeigen – wer feiert Geburtstag, wer ist gestorben, wo ist ein Kind geboren?“, berichtet Inge Hobben.
Wenige kommen nach
Aber natürlich stehen Berichte über das Geschehen in der Region im Mittelpunkt. „Beliebt sind auch Kurzgeschichten in plattdeutscher Sprache oder Andachtstexte“, ergänzt Manfred Andreas.
Zwölf Nachrichtenleser wechseln sich so ab, die Arbeit bereitet viel Freude. Und doch machen sie sich Sorgen: „Es hapert an Hörern, es werden immer weniger“, sagt Manfred Andreas. Woran es liegt? Nicht an der Nachrichtenauswahl oder den Service, ist das DRK-Team überzeugt. „Wir haben einen Stamm an Hörern, aber es kommt nur noch wenige nach“, so Andreas. Das habe zum einen demografische Gründe, liege aber auch wohl an einem Umstand, der eigentlich positiv zu bewerten ist: Die Augenheilkunde hat sich verbessert.
Verstärkt in Alten- und Pflegeheimen
Viele Menschen können heute bis ins hohe Alter gut sehen und Zeitungstexte lesen. Doch die Macher der Hörzeitung sind überzeugt, dass es weiterhin genug Menschen im Kreisgebiet gibt, die sich über ihren Service freuen würden. Deshalb wollen sie nun verstärkt auch in Alten- und Pflegeheime die vorgelesenen Nachrichten anbieten. Teilstationäre und stationäre Einrichtungen können den Stick kostenfrei beim DRK beziehen. Auch appellieren die „Nachrichtensprecher“ an Angehörige von Sehbehinderten oder Erblindeten, sich zu melden., Das ist per Telefon möglich unter
