Wittmund - Nach Johannes Oeltjen übernahm dessen Witwe Eva Oeltjen bis 1876 die Zeitung, deren Geschäftsstelle sich jetzt im Haus von Textilkaufmann Ludwig Haase am Wittmunder Marktplatz 14 befand. Anfang 1866 erweiterte man auf wöchentlich drei Ausgaben (dienstags, donnerstags und sonnabends) und größere Umfänge; seit dem Besuch des Königs Wilhelm I. in Ostfriesland 1869 erschien regelmäßig der schwebende preußische Adler im Kopf der Anzeiger-Titelseite – bis 1945.
Auflage von 1109 Stück
1872 erreichte der Verlag eine Auflage von 1109 Exemplaren; der Anzeiger entwickelte sich trendgerecht zu einer preußisch-loyalen, national-konservativen Zeitung. Eva Oeltjens zweiter Mann, Schulrektor und Theologe Carl Wilhelm Hartmann, wurde 1876 für Verlag und Redaktion des Anzeiger für Harlingerland verantwortlich. 33 Jahre lang leitete er diese Heimatzeitung offenbar sehr engagiert und übergab 1909 an seinen Sohn Heinrich. Als aus den Ämtern Esens und Wittmund sowie der Stadt Esens 1885 der Landkreis Wittmund entstand, wurde der Harlinger „Amtliches Kreisblatt für den Kreis Wittmund“. Ab 1892 erschien der Anzeiger im vergrößerten „halbnordischen Seitenformat“ (28 mal 40 Zentimeter).
Ab 1. Oktober 1909 ließ man die inzwischen etablierte Zeitung für das Harlingerland täglich mittags außer an Sonn- und Feiertagen erscheinen – zugleich hatte Mettcker in diesem Jahr in Wittmund eine eigene Druckerei eingerichtet.
Aufwärtsentwicklung
Nach dem 50-jährigen Bestehen der Zeitung (1912) setzte erneut eine spürbare Aufwärtsentwicklung der Zeitung ein. Der Sohn von Johann Ludolph Mettcker, Enno Mettcker, erbte nach dem Tod des Vaters 1913 den Verlag, die Druckereien sowie auch den landwirtschaftlichen Betrieb Gut Moorhausen. Seit dieser Zeit wurde die Gesamtauflage des „Kreisblattes“ in Wittmund gedruckt – auf Wunsch des Landrats Dr. Ernst Budde. Das Abonnement kostete pro Quartal zwei Mark (inklusive Postgeld).
Während des Ersten Weltkrieges stieg die Auflage mit 2000 Exemplaren so stark an, dass sich der Verlag entschied, größere Druckmaschinen anzuschaffen. Das Anzeiger-Seitenformat wurde bei dieser Gelegenheit auf das „Berliner Format“ (31,5 mal 47 Zentimeter) vergrößert.
Kein Kreisblatt mehr
Mit der November-Revolution 1918 verlor der Anzeiger für Harlingerland die Eigenschaft als „amtliches Kreisblatt“. Verlag und Schriftleitung wurden im nachfolgenden Jahr getrennt: Enno Mettcker blieb Inhaber des Verlags C. L. Mettcker & Söhne in Jever; die Verlagsgeschäfte und die Anzeigenannahme leitete weiterhin Heinrich Hartmann. Die Redaktion in Wittmund wurde dem Hauptschriftleiter und späteren Geschäftsführer der Buchdruckerei, Richard Kleinadel, übertragen.
In der Folgezeit baute der Verlag ein eigenes Vertriebsnetz mit Boten auf und war bei der Zustellung nicht mehr auf die Post angewiesen, die den Anzeiger manchmal ein bis zwei Tage später zugestellt hatte.
Bis 1924 wuchs der Umfang auf acht Seiten, hinzu kamen ab 1925 themenbezogene Gratisbeilagen. Die Reichspost wurde mit dem Einzug des vierteljährlichen Lesergeldes beauftragt.
In der Inflationszeit
Wie alle Unternehmen und Menschen im Deutschen Reich hatte auch der Verlag 1923 mit der rasanten Geldentwertung zu kämpfen: Der monatliche Bezugspreis stieg bis November auf 150 Milliarden Goldmark.
In der Ausgabe am 3. November 1923 berichtete der Harlinger, dass der Verlag C. L. Mettcker & Söhne Bankkredite aufnehme müsse, um Setzerlöhne bezahlen zu können. Bezieher und Inserenten könnten Leistungen nur gegen Barbezahlung erhalten, weil sich der Preis fast täglich ändere. Schließlich wurde die Rentenmark eingeführt. Eine Goldmark entsprach zum Jahresende gut einer Billion Mark.
