Friedeburg - Die im Friedeburger Ortsteil Dose gerissenen Schafe haben auf der Planungsausschusssitzung am Donnerstag für Diskussionen zwischen den Ausschussmitgliedern und Zuschauern gesorgt. Das jüngste Drama führte abermals zu Unsicherheiten in Bezug auf den Umgang mit dem Wolf.
So warf Hermann Wolken aus Hesel der Gemeinde in Sachen Schutz vor dem Wolf Untätigkeit vor. In der Diskussion fehle ihm, dass die „Meinung von unten“ vertreten wird; man müsse den Druck erhöhen. Und Edith Kruse-Hinrichs fragte sich öffentlich, ob nicht die Gemeinde „eine Fürsorgepflicht für die Kinder auf deren Weg zur Grundschule“ hat.
Das Friedeburger Wolfsrudel soll zum Abschuss freigegeben werden. Bei erneuten Wolfsrissen soll es eine automatische Abschussfreigabe binnen Tagesfrist geben. Unter Beteiligung aller betroffenen Gruppen soll eine Obergrenze für die Wolfspopulation festgelegt werden.
Der Jägerschaft sollen Hilfen für das Auffinden von Wölfen bereitgestellt werden. Wolfsabwehrende Zäune vor allem in Wallheckengebieten und Entschädigungszahlungen werden nicht als Lösung angesehen.
Nutztierrisse führen zur sofortigen Einstellung der Weidehaltung, was nicht das Ziel der Politik sein kann.
Die Kommune, das machte Bürgermeister Helfried Goetz (parteilos) deutlich, habe sich klar positioniert, indem sie im vergangenen Jahr eine Resolution verabschiedet hat. Mehr könne sie nicht unternehmen. Dass das Papier nur mehrheitlich, aber nicht einstimmig verabschiedet wurde, mache bereits die Zerrissenheit in der Betrachtungsweise deutlich. Mit der Resolution wurde insbesondere vom Niedersächsischen Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium ein aktives und regional bezogenes Wolfsmanagement eingefordert.
Goetz für konkrete Schritte
Den Eingang der Resolution habe das Ministerium nur kurz bestätigt, erklärte der Bürgermeister. Man habe versichert, dass intensiv daran gearbeitet wird, ein konfliktarmes Zusammenleben mit dem Wolf in Niedersachsen zu ermöglichen. „Das ist mir zu wenig, da müssen jetzt konkrete Schritte folgen.“ Es sei die Aufgabe der Landespolitiker, sich den Sorgen der Menschen zu stellen. „Das Land muss reagieren; wir wollten einen Gesetzgebungsprozess anstoßen.“ Auch die Ratsmitglieder Stefan Gaidies und auch Nicole Henkel (beide Ratsgruppe „Für Friedeburg“, FFG) betonten, dass das Thema „ganz oben“ regelt werden müsse. „Ich sehe dabei Berlin, aber vor allem Brüssel, also die EU, in der Pflicht“, betonte sie und forderte eine Strategie.
Edith Kruse-Hinrichs schnitt ebenso mögliche Negativfolgen für den Tourismus an. „Tatsächlich versucht Friedeburg, sich mit grüner Landschaft und Ruhe einen Namen zu machen“, entgegnete Helfried Goetz. Der Begriff des Friedeburger Wolfrudels bringe allerdings eine nicht gewollte Bekanntheit. In den Sozialen Medien sei eine „unschöne Diskussion“ zu beobachten. Weidetierhalter Rüdiger Jochens aus Reepsholt schilderte, dass sich die Artenvielfalt bei Vögeln und Pflanzen Dank seiner Bewirtschaftung deutlich verbessert hat. Angesichts des Wolf-Problems müsse er sich jedoch die Frage stellen, ob sich der Aufwand noch lohne.
Ortsvorsteher Reents betroffen
Sichtlich betroffen vom Vorfall auf der Schafwiese war Habbo Reents, Ortsvorsteher von Abickhafe/Dose, in dessen Ortsteil in dieser Woche die Tiere starben. „20 tote Schafe und dazu 30 Verletzte sind eine Katastrophe“, erklärte er in der Ausschusssitzung. Er habe sich mit den Betroffenen unterhalten und erfahren, dass sie keine Entschädigung erwarten können, da sie einen leichteren Wanderzaun verwendet hatten.
