Friedeburg - Eine Resolution für den Abschuss von Problemwölfen und zum Schutz der örtlichen Weidetierhaltung zu verfassen, ist Konsens bei den Mitgliedern des Friedeburger Gemeinderates. Nach einer ausführlichen Debatte, die von zahlreichen Zuhörern mit Beifall und Tischklopfen untermauert wurde, brachte das Gremium in der Sitzung am Mittwoch im „Heidekrug“ Bentstreek das Papier dennoch nicht auf den Weg.
Die Mehrheit von 14 Kommunalpolitikern – vor allem aus Reihen der Fraktionen von SPD und FFG – hatte sich gemäß der Beschlussvorlage der Gemeindeverwaltung dafür ausgesprochen, die Resolution zunächst im Planungs- und Umweltausschuss am 22. November zu behandeln und danach in der Dezember-Ratssitzung beschließen zu lassen. Die zehn Ratsmitglieder der CDU-Fraktion stimmten dagegen; sie wollten den Text jetzt und gleich verabschiedet wissen.
Konsens in der Sache
„In der Sache sind auch wir für eine derartige Resolution“, betonte Burkhard Putschke (SPD). Der von der CDU ausgearbeitete Text beinhalte allerdings Inhalte und Formulierungen, die die Sozialdemokraten so nicht mittragen könnten. Konkret benannte er einen Automatismus zur Wolf-Abschussfreigabe binnen Tagesfrist sowie das Eliminieren des ganzen Rudels. „Das Thema drängt aktuell nicht. Olaf Lies und das Umweltministerium haben ja schon wichtige Schritte ergriffen“, erklärte Putschke.
Die Eingabe von Wolfsfreunden beim Niedersächsischen Umweltministerium hat nach Informationen aus Jägerkreisen übrigens keine aufschiebende Wirkung für die beschlossene Entnahme des Problemwolfs in Friesland.
Olaf Gierszewski (SPD) ergänzte, dass das CDU-Papier in Teilen bereits überholt sei und das Umweltministerium geforderte Punkte bereits in Arbeit habe. „Wir sollten nur eine fach- und sachgerechte Entscheidung treffen.“ Der Sozialdemokrat wünschte sich, dass die SPD bei einem derartigen Thema im Vorfeld einbezogen worden wäre und dass eine gemeinsame Stellungnahme mit hoher Akzeptanz entsteht.
Bevölkerung verunsichert
„Das Maß ist voll. Das Thema Wolf brennt bei den Bauern; Landwirte und die Bevölkerung sind verunsichert“, betonte Detlef Grüßing (CDU), der die Resolution mit den Landwirten unter den christdemokratischen Politikern ausgearbeitet hatte. Und er warb darum, dass die Gemeinde mit der Verabschiedung des Papiers noch in derselben Sitzung ein Zeichen setzt. „Wir können den Bürgern das Gefühl geben, dass ihnen die Politik den Rücken stärkt.“ Der Politiker plädierte für eine generelle Obergrenze für die Wolfspopulation; Litzen-Zäune, in denen sich Rehwild verfängt, seien ungeeignet. Sein Parteikollege Henning Weißbach plädierte dafür, den Schutzstatus für den „Kulturfolger“ Wolf aufzuheben.
Mehr Zeit zur Beratung
Verwaltung und die anderen Fraktionen im Gemeinderat hätten zwei Wochen Zeit gehabt, sich mit den Details im Resolutions-Entwurf zu beschäftigen, merkte Detlef Grüßing an. „Korrekturen können wir heute gerne vornehmen.“ Doch die Mehrheit erbat sich in der Sache weitere Beratungszeit, „die auch wirklich zur Klärung genutzt werden sollte“, appellierte Bürgermeister Helfried Goetz (parteilos). Die Gemeinde müsse hier zwischen sinnvollem Artenschutz und den Folgen der Wolfsproblematik abwägen.
Doris Stehle und Nicole Henkel (beide Grüne in der FFG) sahen ein wolffreies Ostfriesland als unrealistisch an und vermuteten im Vorpreschen der CDU ein „Wahlkampfgeplänkel“. Sie stützten ihre Haltung auf die kürzlich von Hans-Jörg Schrader aus dem Umweltministerium vorgetragenen Ausführungen, wonach die Zumutbarkeit anhand von objektiven Kriterien derzeit geprüft wird.
Mehrere Landwirte und Weideviehhalter im Publikum sorgten in der Sitzung im „Heidekrug“-Saal für eine emotional aufgeladene Stimmung. So wollte Torsten Harms (Dose) mit polemischem Unterton wissen, wie viele Wölfe die Gemeinde wohl aushält. Wessel Franzen (Bentstreek) erkundigte sich, ob die Bevölkerung Einfluss auf die Resolution nehmen kann, und Frank Zimmermann (Dose) empfindet die kostenträchtigen Wolfsabwehrzäune als nicht praktikabel und finanzierbar.
Ratsvorsitzendem Björn Fischer (CDU) gelang es, die aufgeheizte Diskussion immer wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuholen.
Eckpunkte der Resolution (CDU-Entwurf)
Das Friedeburger/Friesländer Wolfsrudel soll zum Abschuss freigegeben werden.
Bei erneuten Wolfsrissen soll es eine automatische Abschussfreigabe binnen Tagesfrist geben.
Unter beteiligung aller betroffenen gruppen soll eine Obergrenze für mdie Wolfspopulation festgelegt werden.
Der Jägerschaft sollen Hilfen für das Auffinden von Wölfen bereitgestellt werden.
Wolfsabwehrende Zäune vor allem in Wallheckengebieten und Entschädigungszahlungen werden nicht als Lösung angesehen.
Nutztierrisse führen zur soforigen Einstellung der Weidehaltung, was nicht das Ziel der Politik sein kann.
