Wittmund - Es ist Zirkus in der Stadt – und kaum einer geht hin. „Wir hatten teilweise nur 30 Besucher pro Tag. Da kriegen wir nicht einmal unsere Kosten rein“, klagt Zirkusdirektor Peter Kaselowsky vom Zirkus Pfiffikus, der auf dem Schützenplatz in Wittmund gastierte. Elke Janßen vom Verein „Hand in Hand“ und Gerd „Thelly“ Thellmann von der Stiftung „Kinder in Not“ reagierten spontan: Für drei Tage kauften sie Karten und verschenkten sie an Kinder, die ansonsten wohl kaum einen Blick in die Manege gewagt hätten. Darunter Flüchtlinge aus der Ukraine, Migranten aus Afghanistan und Syrien, aber auch „echte“ Wittmunder.
Familien-Zirkus
„Wenn ich die strahlenden Augen der Kinder nach Schluss der Vorstellung gesehen habe, dann weiß ich, dass wir wieder das Richtige gemacht haben“, sagte Thellmann. Seine Stiftung hatte letztlich die Kosten übernommen, während „Hand in Hand“ die Nachmittage organisiert hatte. Fazit: Glückliche Kinder, aber auch ein zufriedener Zirkusdirektor.
Kaselowsky führt das reine Familienunternehmen bereits in der siebten Generation. Sorgen macht sich der 62-Jährige trotzdem – wegen der teilweise extrem hohen Nebenkosten. So kassiert die Stadt Wittmund laut seinen Angaben 100 Euro pro Spieltag an Platzmiete. Dazu kommen noch jeweils 50 Euro für den An- und den Abreisetag sowie die Kosten für Strom und Wasser. Die unmittelbar daneben rastenden Wohnmobilisten sollen ihn ausgelacht haben: Sie können völlig kostenlos auf dem Wittmunder Schützenplatz Station machen.
Situation wird schwieriger
Wenig Verständnis hat Kaselowsky auch dafür, dass die Kommune alleine 60 Euro dafür kassiert, dass der Zirkus Plakate in der Stadt aufhängt. Wobei man in Wittmund offenbar noch großzügig ist. Der Zirkus-Chef, der auch als Clown auftritt: „In Jever, unserer nächsten Station, wollen die sogar 480 Euro für das Aufhängen der Plakate haben.“ Er weiß aber auch, dass die Zirkusunternehmen teilweise selbst schuld an dieser Entwicklung haben: „Es gibt viele schwarze Schafe in unserer Branche. Die hauen einfach ab, ohne die Platzmiete zu bezahlen.“ Dass das 500 Personen fassende Zelt angesichts der großen Hitze derzeit noch einmal voll wird, da gibt er sich allerdings keinen falschen Hoffnungen hin.
Artistin Natalie, die Schwiegertochter von Kaselowsky, schaut trotzdem zuversichtlich in die Zukunft: „Solange es Kinder gibt, wird auch den Zirkus geben. Aber unsere Situation wird immer schwieriger.“ Der Zirkus Pfiffikus gastierte bis Sonntag, dem letzten Juni-Wochenende, in Wittmund und zieht am Montag weiter nach Jever.
