Bad Zwischenahn - Ackerböden brauchen Stickstoff, Pflanzen ebenfalls. Zuviel davon, etwa in Form der Düngung mit Gülle, führt dazu, dass der Stickstoff als Nitrat irgendwann im Grundwasser landet. „Durch eine Zwischenfrucht kann dieser sonst ungenutzte Stickstoff aufgefangen werden“, weiß Andrea Knigge-Sievers, Agraringenieurin bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Als Wasserschutzprojekt werden daher am Versuchsstandort der Kammer in Wehnen (Bad Zwischenahn) Versuche mit dem Anbau von Zwischenfrüchten durchgeführt.
Zwischenfrüchte sind Feldfrüchte, die nach der Getreideernte angebaut werden. Dazu zählen Ölrettich oder Senf. Zwischenfrüchte können unterschiedliche Funktionen haben, etwa Bodenverbesserung oder Unkrautunterdrückung. „Aus Sicht des Wasserschutzes sind die Vorteile reduzierter Nitrateinträge in das Grundwasser während der Sickerwasserperiode im Herbst entscheidend“, erklärt die Kammerexpertin. In Wehnen wird u.a. untersucht, wieviel Stickstoff im Herbst von der Zwischenfrucht aufgenommen wird und welche Auswirkungen unterschiedliche Düngungsmengen auf den Stickstoffgehalt im Boden haben. Wie viel Nitrat schließlich im Grundwasser landet, wird auf dem Versuchsfeld vom Landesamt für Bergbau und Energie (LBEG) gemessen.
Das Ergebnis der bisher vierjährigen Versuchsphase in Wehnen: „Es gibt einen engen Bezug zwischen der Menge des im Boden vorliegenden mineralischen Stickstoffs im Herbst und dem gemessenen Stickstoff im Sickerwasser. Und eine Zwischenfrucht reduziert die Reststickstoffgehalte im Herbst im Boden und somit die Nitratauswaschung“, fasst Knigge-Sievers zusammen. Wurden auf den 96 Parzellen der Versuchsstation im vierjährigen Mittel zu Beginn der Sickerwasserperiode im Herbst ohne Zwischenfrüchte im Schnitt 32 Kilogramm mineralischer Stickstoff pro Hektar im Boden gemessen, so waren es mit Zwischenfrucht, hier ein Ölrettich-Senf-Gemenge, nur elf Kilo.
Und: „Ungedüngte Zwischenfrüchte reduzierten die Nitratfracht im Sickerwasser am besten.“ Je früher die Aussaat, desto mehr Stickstoff wird aufgenommen. „Bei zu später Aussaat sollte daher nicht mehr gedüngt werden“, so Knigge-Sievers. Erfolgt eine Düngung zur Zwischenfrucht, so müsse diese Stickstoffgabe zur darauffolgenden Hauptfrucht berücksichtigt werden, d.h., die Düngung müsste entsprechend im Frühjahr zur Folgefrucht, z.B. Silomais, reduziert werden, erklärt die Expertin.
Um ihre Ergebnisse an den Landwirt zu bringen, werden sie auf regelmäßigen Feldtagen von Knigge-Sievers und ihrer Kollegin Marie Christin Albers vorgestellt. „Da gibt es immer lebhafte Diskussionen“, sagt Knigge-Sievers mit Blick auf die Düngung mit Gülle. Auch suchen die Beiden den Kontakt zu den Berufsschulen. „Gerade für die jungen Landwirte ist es wichtig, diese neuen Erkenntnisse für die Bewirtschaftung zu bekommen. Und das Interesse daran bei den Jungbauern ist wirklich groß“, so Albers.
