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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Beruf Landwirt: „Unser Herz schlägt für die Landwirtschaft“

04.11.2020

Der Berufsstand der Landwirte steht immer wieder in der Kritik. Trotzdem entscheiden sich junge Leute auch heute noch für diesen Beruf. Ina Sanders und Stefan Kolbeck sind zwei junge Landwirte aus Leidenschaft. Was begeistert sie und was macht ihnen Sorgen? Das erzählen sie in einem Interview.

Nur 19 % Frauenanteil – Ina Sanders mit Bestnote 1,11

2019 gab es in Niedersachsen 1.786 Auszubildende (1. bis 3. Ausbildungsjahr) in der Landwirtschaft. Der Anteil der weiblichen Auszubildenden lag dabei bei etwa 19 % (342 von 1.786 Auszubildenden). Er ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Rund 800 Auszubildende haben in diesem Jahr niedersachsenweit an der Abschlussprüfung teilgenommen. Die 20jährige Ina Sanders aus Weener in Ostfriesland schloss ihre Berufsausbildung mit der Durchschnittsnote von 1,11 ab und war damit die Beste in Niedersachsen. Der Hof ihrer Eltern umfasst 70 Hektar und dazu 60 Kühe mit der weiblichen Nachzucht.

War für Sie schnell klar, dass Sie von Beruf Landwirtin werden wollten?

Ich bin auf dem landwirtschaftlichen Betrieb meiner Eltern aufgewachsen und ich habe die Arbeit mit den Tieren und Maschinen früh kennen und lieben gelernt. Für mich war sehr schnell klar, dass ich für immer in diesem Beruf arbeiten möchte. In meiner Ausbildung war ich in drei Milchviehbetriebe tätig und habe dabei viel für mich mitgenommen.

Was gefällt Ihnen an diesem Beruf besonders gut?

Die abwechslungsreiche Arbeit. Ich arbeite sehr gerne mit den Tieren und liebe das Melken, Füttern oder Kühe und Rinder zu scheren. Aber auch die Arbeit mit Maschinen macht mir Spaß. Dazu mag ich die Natur und dass ich mit meiner Familie zusammenarbeiten kann.

Was ärgert Sie??

Das nicht gute Image der Landwirtschaft und dass unsere Arbeit nicht wertgeschätzt wird. Dazu kommt, dass die Preise für unsere Erzeugnisse nicht angemessen sind. Es ist fast nicht möglich, mit der Milchviehhaltung einen neuen Stall für die Kühe zu finanzieren. Ich mache mir schon Gedanken, über die vielen neuen Vorschriften und die politische Entscheidungen, die uns Landwirte betreffen.

Welchen Stationen folgten im beruflichen Werdegang und wo sehen Sie sich in fünf Jahren??

Momentan besuche ich die einjährige Fachschule. Anschließend möchte ich entweder den Landwirtschaftsmeister machen oder die Zweijährige Fachschule besuchen. Ich möchte schon gerne einen eigenen Betrieb mit meiner Familie führen.

Wie stellst Du Dir Deinen landwirtschaftlichen Betrieb für die Zukunft vor??

Einen modernen wirtschaftlichen Milchviehbetrieb mit vernünftigem Einkommen und vernünftigen Arbeitszeiten. Ich möchte nicht so einen großen Betrieb, da ich mich um meine Kühe kümmern und jede einzelne Kuh kennen möchte.

Die Rolle der Frau in der Landwirtschaft, hat sich diese geändert??

Ja, in jedem Fall. Früher haben die Frauen mit geholfen, der Ehemann war der ausgebildete Landwirt. Heute gibt es viele ausgebildete Landwirtinnen, die dann sehr oft auch den Betrieb der Eltern übernehmen.

Stefan Kolbeck ist Landwirtschaftsmeister – Initiative „Tierwohl“

Stefan Kolbeck hat in diesem Jahr seinen Landwirtschaftsmeister mit der Note 1,24 abgeschlossen. Im Landkreis Vechta bewirtschaftet Stefan zusammen mit seinem Vater einen Betrieb mit 80 Hektar Acker und 33 ha Grünland. Die Betriebszweige in der Tierhaltung sind Schweine- und die Bullenmast. Der Betrieb von Familie Kolbeck nimmt an der Initiative „Tierwohl“ teil.

Sie haben gerade ihren Landwirtschaftsmeister gemacht! Was ist das Schönste an ihrem Beruf und was ist gleichzeitig das Schlimmste?

Der Beruf als Landwirt ist für mich ein sehr schöner Beruf, da man vielfältige Arbeiten zu bewältigen hat. Die Stallarbeiten auf dem Hof, die Feldarbeiten in der Natur und die Büroarbeit fassen die vielen einzelnen Aufgaben grob zusammen. Vor allem der Umgang mit den Tieren macht mir besonders viel Spaß. Auch das Wachstum der Pflanzen auf den Flächen zu begleiten, zählt zu den schönen Seiten der Arbeit.

Die negativen Aspekte des Berufes Landwirt sind zum einen die immer mehr ausartende Bürokratie, die von jedem landwirtschaftlichen Betrieb zu leisten ist. Zum anderen ist die massive Kritik an unserer täglichen Arbeit für mich belastend, da wir Landwirte jeden Tag die Lebensmittel für die Bevölkerung produzieren und somit eine wichtige Bedeutung für die Gesellschaft haben.

Viele Landwirte durchleben gerade keine einfache Zeit. Würden Sie diesen Beruf noch einmal wählen?

Die Zeiten für die Landwirtschaft sind momentan sehr schwierig. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg sorgt für einen Preisverfall und durch mehrere Corona-Ausbrüche in Schlachtbetrieben ist es zu einem Schweinestau gekommen. Die schlachtreifen Schweine können teilweise nicht verkauft werden und die Ställe werden nicht für die nachrückenden Ferkel leer. Dazu hat uns die Dürre der letzten Jahre getroffen, dabei sind die Erträge stark gesunken. Allerdings ist Landwirtschaft für uns Landwirte mehr als nur ein Beruf. Landwirtschaft ist Leidenschaft und diese Leidenschaft treibt mich jeden Tag an, trotz aller negativen Schlagzeilen unsere Tiere zu versorgen und tagtäglich wertvolle Lebensmittel zu erzeugen. Ich würde den Beruf jederzeit wieder auswählen.

Was muss sich ändern, um die Zukunft der Landwirtschaft zu sichern?

Die Landwirtschaft in Deutschland hat höchste Auflagen. Deutsche Lebensmittel haben nicht umsonst weltweit eine sehr gute Stellung, sie sind qualitativ sehr hochwertig produziert. Um die Zukunft dieser Landwirtschaft in Deutschland zu sichern, sind viele Aspekte zu beachten.

Durch politische Entscheidungen müssen gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, mit denen auch eine wirtschaftlich tragbare Landwirtschaft für uns Landwirte möglich bleibt. In anderen Ländern sind die Auflagen deutlich geringer, die Preise richten sich aber nach dem Weltmarkt. Die Gesetze müssen also EU-weit auf ähnliche Rahmenbedingungen abgestimmt werden.

Außerdem muss ein Konsens gefunden werden, welche Form der Tierhaltung in Deutschland langfristig betrieben werden soll. Wir Landwirte sind bereit, die Haltungsbedingungen unserer Tiere immer weiter zu verbessern. Dies wird durch die hohe Teilnahme der Landwirte an der Initiative „Tierwohl“ belegt. Die Verbraucher sind in der Verantwortung, das immer geforderte höhere Tierwohl zu zahlen. Zahlreiche Studien zeigen, dass der Griff im Supermarkt immer zum günstigsten Preis geht.

Allerdings muss sich auch unter den Landwirten etwas ändern. Wir Landwirte sind durch unsere Arbeit mit der Natur dazu verpflichtet, diese auch zu schützen. In diesem Bereich werden allerdings von einigen Berufskollegen die Gesetze missachtet und mit ihrem Verhalten der Ruf der Berufsgruppe geschädigt.

Sie wären Bundeslandwirtschaftsminister, was würden Sie ändern?

Ich würde mich als Bundeslandwirtschaftsminister dafür einsetzen, in der Schule das Fach Landwirtschaft / Ernährung einzuführen. Dann würden alle Kinder lernen, wo ihre Lebensmittel herkommen und sich der Bedeutung der Landwirtschaft bewusst werden.

Außerdem würde ich die neue Düngeverordnung sofort zurücknehmen, da sie keine Funktion erfüllt. Mit der Ausweisung der roten Gebiete ist keine bedarfsgerechte Düngung unserer Pflanzen sichergestellt und die Qualität und Quantität unserer Lebensmittel und Futtermittel wäre in Gefahr. Für die Nitratproblematik ist die Landwirtschaft ohne Frage mitverantwortlich. Der Großteil der Landwirte düngt nach bestem Gewissen und hält sich ans geltende Recht. Es gibt allerdings die sogenannten „Schwarze Schafe“, die das Nitratproblem verursachen und auch bei einer weiteren Verschärfung die Gesetze ggf. nicht einhalten. Daher muss ein Verursacherprinzip greifen. Wenn wenige Autofahrer bei Missachtung der Höchstgeschwindigkeit eine Strafe zahlen, müssen es ja auch nicht alle anderen.

Ich würde mich für eine bessere Kontrolle und Durchsetzung der bestehenden Düngeverordnung einsetzen, da diese ausreichend wäre. Bei einer deutlich schärferen Kontrolle würden diese sogenannten „Schwarzen Schafe“ bestraft und eine Absenkung der Nitratwerte erreicht werden. Dieses würde den Ruf der Landwirtschaft deutlich verbessern.

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