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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Digitalisierung: Digitale Technik unterstützt Landwirte

06.08.2020
Frage: Wie digital arbeiten Landwirte heute bereits?

Stefan Ortmann: Sie sind weiter als viele denken. Viele digitale Anwendungen sind in den Ackerbau- oder Veredelungsbetrieben durch die technische Entwicklung inzwischen arbeitswirtschaftlich unverzichtbar.

Gerhard Schwetje: Mein Hähnchenmaststall etwa ist schon stark digitalisiert: von der Planung über Steuerung und Umsetzung bis zur Dokumentation. Ich habe dafür eine App auf meinem Smartphone. Was u.a. fehlt ist ein stärkerer Fokus auf das einzelne Element, das einzelne Tier oder die einzelne Pflanze im Ackerbau.

Frage: Welche Arbeiten sind auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Regel bereits weitgehend digitalisiert?

Schwetje: Ohne menschliche Hilfe werden heute dank digitaler Technik schon Kühe gemolken, Hühner und Schweine gefüttert oder Ställe gesäubert. Mähdrescher dokumentieren beim Fahren die Ernteerträge quadratmetergenau. Neue Traktoren haben für die Feldarbeit GPS-gesteuerte Lenkhilfen. Und die Büroarbeit ist auch weitgehend digitalisiert.

Frage: Was treibt die weitere Digitalisierung in der Landwirtschaft voran?

Ortmann: Heute muss die Landwirtschaft – neben ihren ureigensten Aufgaben, Lebensmittel herzustellen, Tiere und Pflanzen zu versorgen, die Landschaft zu pflegen und inzwischen ja auch regenerative Energie zu liefern – eine möglichst hohe produktive Nachhaltigkeit haben. Mit möglichst wenig Ressourceneinsatz sollen optimale Erträge erzielt und zugleich die natürlichen Ressourcen geschont und gestärkt werden.

Schwetje: Digitalisierung ist da kein Selbstzweck; sie unterstützt die Landwirte dabei, all das im Blick zu haben und zu verbinden.

Ortmann: Es geht darum, was Digitalisierung für den Landwirt und für die Umwelt leisten kann.

Frage: . . . und das heißt im Einzelnen?

Ortmann: . . . etwa: Wie viel Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz muss ich einsetzen bzw. kann ich sparen? Wie bekomme ich optimale Erträge bei meinen Standortbedingungen? Wie kann ich jedes einzelne Tier, jede Pflanze intensiver beobachten, um Tierwohl- und pflanzenbedarfsgerecht zu handeln? Was bringt digitale Technik für die Arbeitswirtschaft? Ist der Mobilfunkstandard 5 G erreicht, können alle Prozesse, etwa von der Statuserfassung der einzelnen Kultur auf dem Feld bis zur direkten Anpassung der Arbeitsabläufe noch effizienter werden.

Frage: Digitale Technik kostet Geld. Erzwingt die Wirtschaftlichkeit damit immer größere landwirtschaftliche Betriebe?

Schwetje: Gerade die digitale Technik ermöglicht kleinere, preisgünstigere Lösungen, etwa beim Bodenschutz. Digitaltechnik ist überhaupt nicht nur etwas für Großbetriebe.

Ortmann: Ich muss nicht alles selbst anschaffen. Wie bei großen Erntemaschinen üblich, gibt es Angebote von Lohnunternehmen – Ziel muss es sein, jedem Landwirt den Zugang zu bieten.

Frage: Wie unterstützt die Landwirtschaftskammer die Landwirte beim Thema Digitalisierung?

Schwetje: Über die allgemeine Beratung und durch Aus- und Weiterbildung. Noch konkreter ist die einzelbetriebliche Beratung, die die Umstände des Betriebes analysiert und maßgeschneiderte Lösungen sucht. Gerade hier spielt das Thema Digitalisierung eine immer größere Rolle.

Ortmann: Und wir haben ein praxisnahes Versuchswesen. Bundesweit einmalig ist unser kürzlich mit dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium in Hannover und regionalen Partnern gestartetes Praxis-Labor Digitaler Ackerbau in Schickelsheim im Kreis Helmstedt. Auf einem land-wirtschaftlichen Betrieb setzen wir Digitaltechnik wie Drohnen oder computergesteuerte Landmaschinen in normalen Betriebsprozessen ein. Mit Sensoren erfassen wir die Effekte auf die Abläufe und die Pflanzenerträge sowie auf die natürlichen Ressourcen. Damit wollen wir optimale betriebliche Prozesse durch digitale Datenvernetzung in der Pflanzenproduktion identifizieren und den Landwirten vermitteln.

Frage: Und im Tierbereich?

Ortmann: Wir bekamen den Zuschlag für ein digitales Experimentierfeld des Bundes, das als Projekt „DigiSchwein“ in unserer Versuchsstation für Schweinehaltung in Wehnen läuft. Kurz gesagt wird der Gesundheitszustand und das Verhalten der Tiere mit Sensoren beobachtet und überwacht. Die Daten werden über eine App bereitgestellt. So ist der/die Landwirt/in zu jeder Zeit informiert und kann sofort und bedarfsgerecht reagieren.

Frage: Skizzieren Sie bitte einmal das Bild der Landwirtschaft in zehn Jahren.

Schwetje: Der Strukturwandel wird weitergehen. Ich rechne mit etwa 30 000 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen. Derzeit sind es noch über 35 000. Der Landwirt wird noch ökologischer arbeiten, noch mehr auf die Ressourcen Boden, Wasser, Klima- und Artenschutz achten. Ich hoffe, dass die heute kritischen Teile unserer Gesellschaft dies anerkennen.

Ortmann: Die Landwirte werden ihren Versorgungsauftrag für uns alle in einem digital vernetzten, transparenten System der Wertschöpfungskette weiter erfüllen – produktiv und nachhaltig. Sie werden Pflanzen, Tiere und Abläufe, aber auch natürliche Ressourcen dank der Digitalisierung dabei im Blick haben.

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