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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Ehrlichkeit und Transparenz wichtig

18.07.2011

VERDEN Viel Mut – trotz immer wieder auftretender Probleme – haben Experten den deutschen Landwirten und Nahrungsmittelherstellern auf der jüngsten Veranstaltung des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft (NieKE/Vechta) und des Schweinevermarkters VzF in Verden gemacht. Prof. Harald von Witzke von der Humboldt-Universität Berlin sprach sogar von der „Rückkehr goldener Zeiten“ für die Landwirte.

Nach der „landwirtschaftlichen Tretmühle“ des vergangenen Jahrhunderts mit ständig sinken Agrarpreisen sei nun wieder eine Zeit angebrochen, in der die Nachfrage nach Nahrungsmitteln stärker steige als das Angebot, was in den nächsten Jahrzehnten höhere Preise für die Landwirte zur Folge haben werde, so von Witzke. Weltweites Bevölkerungswachstum und ein steigender Pro-Kopf-Verbrauch an Lebensmitteln in Entwicklungsländern führten zu einer steigenden Nachfrage. Auf der anderen Seite stehe ein verlangsamter Produktivitätsanstieg, eine Wasserknappheit, eine kaum mehr zu vermehrende Agrarfläche, auf der sogar inzwischen die Bioenergie zum Konkurrenten der Nahrungsmittel werde, sowie ein immer bedeutender werdender Naturschutz.

Hierdurch müssten vor allem für Getreide und Feldfrüchte die Preise steigen. Bis 2017 erwartet von Witzke bei Getreide, Mais und Ölsaaten Preissteigerungen zwischen 50 und 100 Prozent. Dies bedeute zwar für Tiererzeuger zunächst steigende Futtermittelkosten. Mit der Zeit könnten diese aber in den Preisen weitergegeben werden. „Letztendlich werden die Konsumenten die steigenden Kosten über steigende Preise bezahlen müssen“, ist sich von Witzke sicher.

„Sicher“ reicht nicht mehr

Eckhard Koch, Aufsichtsratsvorsitzender der VzF, stellte fest, dass die Ansprüche der Gesellschaft an die Landwirte und Nahrungsmittelunternehmen steigen. „Sicher“ und „preiswert“ reiche bei Lebensmitteln nicht mehr. Der Verbraucher erwarte „ehrliche und allseitige Informationen“ und wolle das Gefühl spüren: „Die Landwirtschaft tut etwas für mich.“

Das unterstrich auch Peter Brawand von der Werbeagentur BrawandRieken, die das Marketing für die Rügenwalder Wurstfabrik in Bad Zwischenahn macht. Ehrlichkeit und Transparenz seien heute bei Nahrungsmitteln unverzichtbar. Der Kunde wolle wissen, was drin ist in den Lebensmitteln. Den größten Umsatzerfolg habe Rügenwalder erzielt als es auf seine Produkte die Angabe „ohne Geschmacksverstärker, ohne Farbstoffe, ohne Laktose und ohne Gluten“ gedruckt habe, dazu noch „geprüft durch Institut Fresenius“ – und als Werbebotschafter dazu eine glaubhafte Person wie TV-Star Jörg Pilawa. „Bedingungslose Offenheit und Wahrhaftigkeit“ sind nach Ansicht von Brawand zukünftig wichtige Faktoren für Markterfolge.

Auf veränderte Bedürfnisse in der Gesellschaft wies auch der Agrarstatistiker Georg Keckl aus Hannover hin. Anfang des Jahrhunderts habe es in Deutschland die „ökologische Wende“ in der Agrar- und Ernährungswirtschaft gegeben. Ernährung werde seither immer stärker emotional bestimmt. Diesem neuen Meinungsbild könne sich auch die Politik nicht entziehen. Für die Landwirte bedeute dies, „besser mitmachen und im Zug mitfahren, als dass der Zug ohne einen abfährt“.

Keckl sieht beim Verbraucher-Trend zu „bio“ und „öko“ allerdings auch viele Irrationalitäten. „Vegetarier, die auch im Winter frisches Gemüse und Obst essen wollen, sind richtige Klimasünder, denn das kommt fast alles aus Südeuropa oder noch weiter weg.“ Und wenn die Deutschen zu 98 Prozent meinten, deutsches Fleisch sei Fleisch aus Massentierhaltung, dann gebe es auch in der Öko-Tierhaltung Massentierhaltung.

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