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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Wie geht es weiter mit den Wölfen in Niedersachsen?

20.02.2019

Hannover Zwei Wölfen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein soll es an den Kragen gehen. Die zuständigen Behörden haben eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss der Tiere erteilt. Der Leitrüde des Rodewalder Rudels im Landkreis Nienburg hat zahlreiche Nutztiere getötet, darunter sogar Pferde und Rinder.

NWZ-Spezial: Der Wolf in Niedersachsen

Das Umweltministerium hat eine Ausnahmegenehmigung für einen Abschuss von GW717m erwirkt, erteilt hat sie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. In Schleswig-Holstein soll der Rüde GW924m getötet werden.

Wann darf ein Wolf geschossen werden?
Wölfe sind in Deutschland streng geschützt. Außer im Bundesnaturschutzgesetz ist das auch in EU-Vorgaben geregelt. Eine Abschussgenehmigung kann aber im Ausnahmefall nach Paragraf 45 des Bundesnaturschutzgesetzes erteilt werden. Bestimmte Tiere dürfen getötet werden, wenn von ihnen eine Gefahr für den Menschen ausgeht oder erheblicher wirtschaftlicher Schaden zu erwarten ist.

Lesen Sie auch: Eilantrag abgelehnt – Rodewalder Wolf darf abgeschossen werden

Warum heißen die Wölfe GW717m und GW924m?
„GW“ steht für einen Grauwolf (engl.: Grey Wolf). Danach kommt die Codenummer des Senckenberg-Institutes, im Falles des Rodewalder Rüden ist es 717, beim Schleswig-Holsteiner 924. Das kleine „m“ am Ende zeigt, dass es sich um ein männliches Tier handelt (engl.: male).

Wie sieht es rechtlich bei GW717m?
Juristisch stützt sich die Ausnahmegenehmigung in Niedersachsen auf den Tod von mehreren ausreichend geschützten Rindern. Das Umweltministerium hat GW717m nach eigenen Angaben mehr als 40 Risse von Nutztieren nachgewiesen, darunter Ponys und Rinder. Einen Eilantrag von Wolfsschützern hat das Verwaltungsgericht Oldenburg abgelehnt. Alternativen zur Tötung seien nicht erkennbar.

Was ist die juristische Grundlage bei GW924m in Schleswig-Holstein?
Die Genehmigung zum Abschuss hat das dem Umweltministerium in Kiel zugeordnete Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Ende Januar erteilt. Der aus Dänemark nach Schleswig-Holstein gekommene Rüde ist für mehrere Schafsrisse hinter vermeintlich wolfssicheren Zäunen in Pinneberg verantwortlich.

Wurden in Deutschland schon Wölfe geschossen?
Ja. Seit der Rückkehr von Canis lupus nach der Wiedervereinigung wurden in Deutschland bereits zwei Wölfe legal getötet. Der bundesweit erste war der im Internet Kurti genannte MT6. Er wurde im April 2016 in der Lüneburger Heide geschossen. Dieses Schicksal ereilte im Februar vergangenen Jahres auch einen Wolf in Sachsen.

Lesen Sie auch: Landvolk will notfalls ganze Rudel abschießen lassen

Wer soll GW717m und GW924 töten?
Dazu möchte das Umweltministerium in Hannover nichts sagen. MT6 war von einem Scharfschützen der Polizei getötet worden. „Eine Gruppe ausgewiesener Fachleute unter intensiver Einbeziehung des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein wird nun mit der schwierigen Aufgabe betraut, den Wolf zu erlegen“, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) Ende Januar.

Wie lange dauert es, bis die Tiere erlegt werden?
Über einen Zeitrahmen kann niemand verlässliche Angaben machen. GW717m muss in Schussweite kommen und identifiziert werden. Der Rüde war außer im Landkreis Nienburg auch im Heidekreis und der Region Hannover unterwegs.

Anders als seinerzeit MT6 trägt er kein Senderhalsband, das Ortung und Identifizierung erleichtern würde. Auch GW924m in Schleswig-Holstein trägt kein Halsband, die Gefahr einer Verwechslung ist dort aber geringer. In Niedersachsen soll es nach Angaben der Landesjägerschaft rund 250 Wölfe geben, im nördlichsten Bundesland dagegen nur vier. In Niedersachsen sind 22 Rudel nachgewiesen, in Schleswig-Holstein noch keine.

Karte zu den Wolfsrissen in Niedersachsen:

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