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Tierwohl „Wachsen oder weichen – das ist nicht meins“

Dirk Wieting

Hundsmühlen - Junglandwirt Dirk Freese will mit neuen Konzepten die Hofzukunft sichern. Das Tierwohl liegt ihm dabei besonders am Herzen. Er hat sich für weniger Tiere und Investitionen in Innovationen entschieden.

Familientradition mit neuen Ideen

Familie Freese hat ein Herz für Tiere, das beweist schon Hündin Runa. Sie war ein ungarischer Straßenhund und hat über den Tierschutzbund bei Familie Freese ein neues Zuhause gefunden. Familie Freese bewirtschaftet ihren Hof seit über 90 Jahren in Hundsmühlen, am Stadtrand von Oldenburg und Inhaber Dirk Freese (30) ist mittlerweile die vierte Genration.

Einblick in den Betrieb

Nach dem Schulabschluss orientierte er sich beruflich in eine andere Richtung. Bei Schröder Landmaschinen in Wardenburg machte er zunächst eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinentechniker. „Das hat mir viel Spaß gemacht, mir fehlte aber die Vielseitigkeit“, erzählt Dirk Freese. Er entschied er sich für eine Ausbildung zum Landwirt und besuchte anschließend die Fachschulen in Celle und Cloppenburg und seit 2016 ist er ein staatlich geprüfter Betriebswirt. Öffentlichkeitsarbeit war das Thema seiner Abschlussarbeit und gerne öffnet er seinen Betrieb für Besucher.

Frische Milch rund um die Uhr

Vor sechs Jahren eröffnete er seine Milchtankstelle direkt beim Hof. An diesem Milchautomaten besteht die Möglichkeit zu jeder Tages- und Nachtzeit die frische Milch der hofeigenen Kühe zubekommen, was sehr gut angenommen wird.

Feldparzellen für Privatleute

Mit einem weiterem Projekt machte Dirk Freese ebenfalls von sich reden. Er verpachtete kleine Feldparzellen an Privatpersonen, die hier ihr eigenes Gemüse anbauen können.

Kühe entscheiden ihre Melkzeiten

Den Betrieb zukunftssicher aufstellen, diese Frage stellten sich Dirk und sein Vater. Dabei lag beiden besonders das Tierwohl am Herzen. „Die meisten Berater stehen noch immer auf dem Standpunkt, nur ein Hof, der wächst, könne überleben. Aber ich möchte nicht immer größer werden, zum Beispiel 500 Kühe und mehr haben, damit es sich lohnt“, erklärt Dirk Freese seine Philosophie. 2020 installierte er einen Melkroboter und machte den entgegengesetzten Schritt von dem landläufigen Spruch: „Wachsen oder weichen“. Dirk reduzierte seine 110 Kühe auf jetzt ca. 70. Die Kühe haben mehr Platz, um jederzeit zum Melkroboter zu kommen. Jede Kuh kann selbst entscheiden, wann sie gemolken werden möchte. Im Schnitt geht jede Kuh am Tag 2,5 Mal zum Melkroboter. Durch die geringere Anzahl an Kühen, ist an sonnigen Tagen auch Weidegang möglich. „Für 110 Kühe hätte die Grünlandfläche direkt am Haus nicht ausgereicht. Mit dem Melkroboter sind unsere Kühe deutlich ruhiger geworden“, stellt Dirk Freese fest.

Innovativ: Roundhouse-Offenstall für Bullenmast

Neben der Milchviehhaltung ist die Bullenmast in diesem Betrieb ein wichtiger Betriebszweig. Die rund 60 Bullen werden auf Spaltenboden gehalten und auch hier möchte Dirk Freese mehr Tierwohl. Er entschied sich für das Modell „Roundhouse“ und ist mit dieser Bauweise einer der ersten in Norddeutschland. Aufgeteilt in acht Buchten, werden hier zukünftig insgesamt 120 Bullen Platz finden.

Dieser Offenstall kennzeichnet vor allen Dingen die natürliche runde Form. Im Zentrum des Gebäudes befindet sich ein zentrales Areal, in das die Anzahl an Tieren einer gesamten Bucht zum Beispiel zum Ausmisten Platz findet. Dieser Bereich ist von außen leicht zugänglich, so dass der Landwirt nicht durch die Tiergruppen gehen muss. Die Fütterung erfolgt mit Hilfe des Futtermischwagens am außenliegenden Futtertisch. Die Tiere liegen auf Stroh und dazu bietet dieser Rundstall den Tieren eine sehr gute Luftqualität.

„Ich baue diesen Stall ohne Subventionen, denn die Vorlagen und Auflagen der Politik sind der Realität fern. Das Baurecht passt nicht mit den Wünschen nach mehr Tierwohl zusammen. Vom ersten Antrag bis zur Fertigstellung sind über zwei Jahre vergangen und das ist noch relativ schnell“, kritisiert Dirk Freese. Dabei ist dieses doch ein Familienbetrieb, den sich die Politik und Bevölkerung wünscht.

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