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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Auktion In Cloppenburg: Kühe aus Niedersachsen in Italien gefragt

07.01.2016

Cloppenburg Saure Mienen statt freudigen Händeklatschens: Die Stimmungsunterschiede in der Cloppenburger Münsterlandhalle gegenüber der Zuchtrinderauktion vom März 2015 waren deutlich. Hatte vor einem Jahr das Ende der Milchquote ein Auktions-Feuerwerk gezündet, so gerieten die Preise bei der ersten Auktion im Jahr 2016 spürbar ins Rutschen.

„Die Situation ist nicht die beste“, meint Dr. Josef Pott, bei der veranstaltenden Zuchtviehorganisation Masterrind (Verden/Bad Zwischenahn) als Geschäftsführer für Produktion und Zucht verantwortlich. Der Weltmarkt – fehlende Nachfrage in Nahost und Russland-Embargo – mache große Sorgen. „Der Marktpreis wird nicht nach oben schießen“, aber: „Diese Region ist geradezu prädestiniert für die Milchwirtschaft.“

Keine Alternativen

Anton Fortwengel, Vorsitzender des Landeskontrollverbandes, weiß sehr wohl, dass die Milchbauern keine Alternativen haben. „Den Milchbauern fehlt die Macht“ am Verhandlungstisch mit den Discountern, meint er.

Hartmut Zingel, fürs Marketing verantwortlicher Geschäftsführer bei Masterrind, weiß, dass die Sorgen nicht die beste Werbung sind. „Es kommen bessere Zeiten“, meint er. Genau passend schlägt Auktionator Michael Hellwinkel zu: „2400 Euro zum Dritten.“ „Das bleibt der beste Preis“, meint Zingel.

Er sollte Recht behalten. Werner Tellmann aus Peheim (Kreis Cloppenburg) strahlt über das Gebot. „Sehr zufrieden“, meint er zu dem Preis für die „Biarritz“-Tochter, die nicht einmal 27 Monate alt ist und am 30. November erstmals gekalbt hat. Nur wenige Kilometer weiter in Lindern wird die Kuh jetzt gemolken.

Die Tellmanns haben sich blendend entwickelt. 12 159 Kilogramm Milch gaben die 50 Kühe im vergangenen Jahr im Schnitt – Nummer eins im Kontrollverein. Die Quote hat die Tellmanns viel Geld gekostet – von 100 000 steigerten sie sich auf 550 000 Kilogramm. 15 Hektar Eigentum haben sie, 52 Hektar bewirtschaften sie. Neben dem Ackerbau hatte schon Senior Georg ein besonderes Faible für die Milchviehhaltung. „Aber die Milchproduktion wird bei den jetzigen Preisen zum zweiten Standbein.“ Nach vorne rückt die Färsenaufzucht. Der Kuhbestand wird nicht aufgestockt.

Die Tellmanns merkten die Veränderungen hautnah. In Peheim melkte einst sogar der Pastor zwei Kühe. Heute gibt es in den bäuerlichen Nachbarorten Vrees oder Gehlenberg keine Milchbauern mehr.

Viele hören auf. Jörg Seeger aus Großenkneten führt noch neun Tiere in den Ring. „Die Pacht läuft aus“, sagt er. Investitionen stehen an. Mit einem Schuldenberg will er nicht belastet werden. „Jetzt müssen die Färsen noch weg.“

Auch Hendrik Wille (Essen/Oldenburg), mehrfach als Grand Champion ausgezeichnet, hat schon ans Aufhören gedacht. Die Gemüsebauern und Biogasanlagen trieben die Pachtpreise in die Höhe. Ihn hält die Schau der Tiere. Demnächst reist er mit den besten Kühen nach Lausanne, dann nach Bayern, dann zur Europa-Schau. „Da hab ich Bock drauf.“

Produktion im Überfluss

Die Milchviehhaltung stößt ihm sauer auf. „Wir produzieren im Überfluss.“ 24 Cent bekommt er derzeit für ein Kilo Milch von der Molkerei DOC Kaas im niederländischen Hoogeveen. „35 bis 37 Cent sind nötig“, meint Pott. Gern würde sich Wille der Molkerei Ammerland anschließen. „Aber die nehmen keinen mehr.“ Ein Wechsel zum Deutschen Milchkontor (DMK) lohne sich nicht mehr. „Da bin ich sowieso bald“, sagt er mit Blick auf die geplante Fusion von DOC Kaas und DMK.

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Zingel gibt derweil eine erste Prognose ab. „Heute werden wohl 300 Euro weniger bezahlt“, sagt er. Damit sollte er nicht Recht behalten. 1961 Euro betrug der Durchschnittspreis im März 2015. 1452 Euro waren es jetzt.

302 Färsen wurden verkauft. Vor allem italienische Aufkäufer ersetzten die weitgehend fehlende Nachfrage deutscher Milchbauern. Andrea Muscadi kaufte gleich 105 Tiere, zwei Wagenladungen nahm Mauro Regetti mit. Gute schwarz-bunte Holsteiner werden schon bald in der Po-Ebene gemolken.

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