Den meisten unserer Landsleute geht es blendend. Arbeiter und Angestellte haben im Jahresdurchschnitt eine Arbeitszeit von gerade einmal 32 Stunden in der Woche. Und für Urlaub und Freizeit steht vielen mehr Geld zur Verfügung als je zuvor. Das liegt auch an den günstigen Nahrungsmitteln. Während in privaten Haushalten Anfang der 60er Jahre noch fast 30 Prozent der Konsumausgaben auf Nahrungsmittel entfielen, sind es heute gerade einmal zehn Prozent. Das ist – allem Krisengerede zum Trotz – eine tolle Entwicklung.

Wenn heute ein Auto (vielleicht sogar das zweite) gekauft, ins Kino gegangen und in Urlaub geflogen wird, ist das also auch ein Verdienst der Landwirte. Nur leider haben sie von diesem allgemein fortschreitenden Wohlstand kaum etwas abbekommen. Im Gegenteil: Die Margen für landwirtschaftliche Produkte, egal ob Milch, Fleisch, Kartoffeln oder Getreide, sind langfristig betrachtet immer kleiner geworden; und die durchschnittliche Arbeitszeit ist mit 54 Wochenstunden unverändert hoch. In Tier haltenden Betrieben, in denen Hühner, Schweine und Kühe 365 Tage im Jahr betreut werden müssen, liegt sie noch deutlich darüber.

Trotz hohen Kapital- und Arbeitseinsatzes ist für viele landwirtschaftliche Unternehmer an Urlaub kaum zu denken. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Familienangehörige oft unentgeltlich mitarbeiten. Kurzum: Vom gesellschaftlichen Trend geregelter Arbeits- und Freizeiten bei gesichertem Einkommen sind viele landwirtschaftliche Betriebsleiter und ihre Familien abgekoppelt.

Das geht auf Dauer nicht gut. Wenn unsere Gesellschaft auch weiterhin eine flächendeckende nachhaltige Landwirtschaft erhalten und über ausreichend qualitativ hochwertige und preiswerte Nahrungsmittel verfügen will, brauchen besonders junge Landwirte eine freundlichere Perspektive. Sie müssen ihre Betriebe entwickeln können, um über höhere Einkommen Mitarbeiter einstellen zu können. Nur so lässt sich das immer größere Arbeitspensum bewältigen und die Familie entlasten. Und ganz nebenbei werden Arbeitsplätze geschaffen.

Das Wachsen landwirtschaftlicher Betriebe gehört deshalb nicht an den gesellschaftlichen Pranger. Es schafft vielmehr die Basis für unser aller Lebensgrundlage und wachsenden Wohlstand. Die Teilhabe an den sozialen Selbstverständlichkeiten unserer Gesellschaft sollten wir auch den Landwirten zugestehen.

Autor des Beitrages ist Johann Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaft der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.