Löningen - Nur drei Tage nach dem letzten Angriff hat offenbar wieder ein Wolf in Löningen zugeschlagen. Als Deichschäfer Egbert Ostermann am Freitagmorgen zu seinen Tieren kam, fand er sie einmal mehr in heller Aufregung vor. In der Nacht war erneut ein Wolf über den Elektrozaun gesprungen und hatte vier Schafe getötet und acht weitere verletzt. Da auch die verletzten Tiere nicht zu retten waren, hat Ostermann seit Dezember nun schon knapp 200 Schafe verloren – etwa 30 Prozent seiner Herde.

Dabei hatte der Löninger noch kurz zuvor beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Wildeshausen neue Schutzzäune abgeholt und zusammen mit einigen Helfern bis in die Nacht hinein aufgestellt. Doch auch diese 1,25 Meter hohen, angeblich unüberwindlichen Elektrozäune übersprang der Wolf anscheinend völlig problemlos. Ostermann entdeckte zwar einige Stellen, an denen der Angreifer vergeblich versucht hatte, den Zaun zu unterwühlen, doch am Ende sei er dann wohl einfach über das Hindernis gesprungen, sagt der Löninger resignierend.

Aufgrund der Bisswunden an den Schafen zweifelt der ehrenamtliche Kreis-Wolfsberater Heinz Künnen nicht daran, dass auch dieser Angriff von einem oder mehreren Wölfen ausgeführt wurde. Mit Sorge blicken nun alle auf die kommenden Nächte, denn nun scheint klar, dass die Herden im weiten Umkreis nichts vor weiteren Attacken schützen kann.

DEICHSCHÄFER IM KREIS CLOPPENBURG Neuer Wolfsangriff – und noch kein Geld für gerissene Schafe

Ellen Kranz
Löningen

Der Umstand, dass trotz der ständigen Angriffe auf seine Herde nichts passiert, lässt den 53-jährigen Deichschäfer inzwischen verzweifeln. „Bis die Abschussfreigabe kommt, hat er meine Herde aufgefressen“, sagt Ostermann mit spürbarer Verbitterung. Dass der Wolf nicht schon längst zum Anschuss freigegeben wurde, ist für ihn nicht nachzuvollziehen: „Wenn der nicht abgeschossen werden darf, werden wir nie einen Wolf abschießen.“

Auch diesmal werden DNA-Proben aus den Bisswunden zum NLWKN geschickt. Denn erst, wenn amtlich festgestellt ist, dass es sich tatsächlich um Wolfsrisse handelt, hat der Deichschäfer Anspruch auf Schadenersatz. Die genaue Höhe berechnet die vom Land seit Beginn dieses Jahres damit beauftragte Landwirtschaftskammer. Für Egbert Ostermann geht es dabei inzwischen um fast 40 000 Euro.