Hannover - „Ein Modell der Zukunft“, schwärmt Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) nach seiner Informationsreise bei norwegischen Schweinehaltern. „Eine Blaupause für mehr Tierschutz und Tierwohl in den Ställen“, nennt der Agrarminister die Bedingungen in Skandinavien. Intakte Ringelschwänze sind dort zu 98 Prozent die Regel. Meyer will das Modell auf Niedersachsen übertragen.

„Die Norweger beweisen, dass eine Haltung von Schweinen mit intakten Schwänzen schon mit einfachen Methoden gelingt“, betont der Grünen-Politiker. Wechselnde Einstreu und „Beschäftigungsmaterial“ genügen, um mehr Tierwohl zu erreichen. „Dabei sehen die Ställe nicht viel anders aus als bei uns“, berichtet Elisabeth große Beilage, Professorin an der Tierhochschule in Hannover. So würden die Tiere „organisches Beschäftigungsmaterial“ erhalten – statt der in Niedersachsen üblichen Ketten oder Bälle. Das „Wühlmaterial“ wie Holzspäne und Silage beschäftige die Schweine einfach besser – mit frappierenden Ergebnissen. Lob zollt Meyer auch den norwegischen Ferkelbuchten: „Keine Fixierung, keine Kastenstände.“ Trotzdem würden die Ferkel nicht erdrückt.

Umdenken – ein Kommentar von Gunars Reichenbachs zum Tierwohl

Auch Niedersachsens Landwirte zeigen sich beeindruckt von Norwegen. „Wir sind bereit, den Weg zu noch mehr Tierwohl zu beschreiten“, bilanziert Tobias Göckeritz, Vorstandsmitglied beim Landvolk Niedersachsen. Der Sauenhalter aus Nienburg appelliert aber auch an Landwirtschaftsminister Meyer, „die bäuerlichen Familien wirtschaftlich nicht zu überfordern und ihnen ausreichend Zeit und lange Übergangsfristen für bestehende Gebäude einzuräumen“.

In die gleiche Kerbe schlägt Matthias Teepker aus dem Emsland, Vize-Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsens. „Wir erkennen an, dass die Gesellschaft Veränderungen der Schweinehaltung in Richtung mehr Tierwohl und Tierschutz wünscht“, sagt Teepker. So entpuppe sich die „Initiative Tierwohl“ von Erzeugern, Handel, Verbänden und Landesregierung, die artgerechte Haltung mit höheren Preisen honoriert, als Renner. „Derzeit wollen deutlich mehr Tierhalter an der Initiative teilnehmen als Mittel vorhanden sind“, bestätigt Teepker, der auch auf den dicken Wermutstropfen verweist: „Die Umgestaltung der Schweinehaltung stellt die Landwirte vor große finanzielle Herausforderungen.“

Unterdessen fördert die Bundesregierung die Forschung in Niedersachsen, um den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung „auf das therapeutisch notwendige Maß zu verringern“, wie Staatssekretärin Maria Flasbarth (CDU) aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium betont. Dazu erhält die Tierärztliche Hochschule neue Mittel.