Münster/Damme - „Landwirte sind Digitalisierungspioniere“. In dieser Einschätzung waren sich alle Teilnehmer einer Veranstaltung des Agrarfachmagazins „topagrar“ in Münster einig. Zwischen dem, was möglich wäre (Wunsch) und dem, was möglich ist (Wirklichkeit), klaffen allerdings große Löcher.
Unter zwei dieser Löcher leiden sehr viele Landwirte: Funklöcher beim Mobilfunk und Löcher im Breitbandausbau für schnelles Internet. „Der Zustand bei uns ist grauenvoll“, sagte Katharina Leyschulte, Milchviehhalterin aus Westerkappeln bei Münster. Sie und auch andere Landwirte der Veranstaltung berichteten, dass sie auf eigene Kosten verschiedenste Lösungen für eine digitale Infrastruktur installiert hätten. „Wer auf den staatlich geförderten Ausbau setzt, hat verloren“, beschrieb Phillip Schulte Esking, Landwirt und Vizepräsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, den Zustand.
Zu viele Funklöcher
Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) beklagt diesen Zustand. Mittlerweile hätten in Städten 75 Prozent der Haushalte schnelles Internet, auf dem Land nur knapp 17 Prozent. „Dort hangelt man sich von Funkloch zu Funkloch.“ Elmar Zilles von der Bundesnetzagentur weiß, warum es hapert: „Die ländliche Bevölkerung wird aus wirtschaftlichen Gründen nicht so versorgt, wie es notwendig wäre.“ Klöckners Kabinettskollegin Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung, geht hingegen davon aus, dass sich die digitale Infrastruktur auf dem Land schnell verbessert: „Das wird vorangetrieben.“
Für die Agrarministerin ist die Digitalisierung auch eine Chance für kleinere landwirtschaftliche Betriebe. „Die Arbeit wird leichter und effizienter, der Beruf attraktiver mit einer größeren Chance auf eine Work-Live-Balance. Außerdem wird Landwirtschaft nachhaltiger, was die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöht.“
Schon weit fortgeschritten ist die Digitalisierung in der Landtechnik. Ein Beispiel stellte Christoph Grimme, Geschäftsführer der Grimme Landmaschinenfabrik in Damme (Kreis Vechta), vor. So kümmere sich das von Grimme 2017 gegründete Start-up „Schmiede.ONE“ darum, marktrelevante Trends früh zu erkennen und in digitale praxisgerechte Lösungen umzusetzen. Ein Thema sei z.B. Vertical Farming, also in Gebäuden auf mehreren übereinander gelagerten Ebenen das ganze Jahr Obst und Gemüse anzubauen. Mit „Harwey One“ wurde ein selbstfahrender Süßkartoffelroder entwickelt, der auch im Einsatz ist. „Ihn werden wir schrittweise weiterentwickeln“, kündigte Christoph Grimme an.
Ein sensibles Digitalisierungsthema sprach auf der „topagrar“-Veranstaltung Markwart von Pentz, Weltchef der Agrartechnik von John Deere, an: „Alle funken Daten durch die Gegend. Vieles wird gläsern.“ Barbara Thiel, niedersächsische Datenschutzbeauftragte, forderte die Industrie auf, den Datenschutz sicherzustellen. Von Pentz wies darauf hin, dass eine gewisse Transparenz der Daten auch helfen könne, die Leistungen der Landwirte den Verbrauchern wieder näher zu bringen.
Fehlendes Miteinander
Auf ein weiteres Problem, wo Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen, machte Klöckner aufmerksam: Das Miteinanderfunktionieren (die Kompatibilität) verschiedener digitaler Anwendungen. „Das muss wesentlich besser werden“, waren sich alle Teilnehmer einig.
