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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Agrarwirtschaft: Nachhaltigkeit als große Herausforderung

01.07.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-22T08:57:30Z 280 158

Agrarwirtschaft:
Nachhaltigkeit als große Herausforderung

Osnabrück/Vechta Die Beschäftigung mit der Nachhaltigkeit des eigenen Wirtschaftens und die Erfüllung der gesellschaftlichen Ansprüche hieran wird für die Agrar- und Ernährungswirtschaft zu einer Existenzfrage werden. Dies ist das Ergebnis einer Veranstaltung des Niedersächsischen Kompetenzzentrums Ernährungswirtschaft (NieKE/Vechta) in Osnabrück.

Nicht überziehen

Für Niedersachsen ist dies besonders wichtig, da im Agrarland Nr.1 rund 60 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genutzt werden. Albert Schulte to Brinke vom Vorstand des Landvolkverbandes Niedersachsen warnte allerdings vor überzogenen Forderungen und vor zu strikten Eingriffen bzw. Einschränkungen bei der Produktion. Dies würde für viele bäuerliche Betriebe das Aus bedeuten. Auch ein Zurück zur „guten alten Zeit“ könne es nicht geben. „Idylle macht nicht satt. Weder uns Bauern noch die Verbraucher“, so seine Warnung.

Für Prof. Dr. Christine Tamásy von der Universität Vechta läuft allerdings schon „ein Paradigmenwechsel mit dem Übergang von einer industriellen Agrarwirtschaft, die sich durch Intensivierungs-, Konzentrations- und Spezialisierungsprozesse auszeichnet, hin zu einer multifunktionalen und nachhaltigen Agrarwirtschaft“. Auch sie wies auf die große Bedeutung der Branche in Niedersachsen hin: Rund eine viertel Million Personen seien direkt und indirekt von der landwirtschaftlichen Urproduktion abhängig. Im Weser-Ems-Gebiet sei die Agrarwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig.

Nachhaltigkeit sei ein gesellschaftliches Ziel, und Unternehmen könnten es sich gar nicht mehr leisten, nicht nachhaltig zu wirtschaften, sagte Dr. Michael Lendle vom Institut für Nachhaltiges Management. Jedes Unternehmen müsse die Nachhaltigkeitsthemen abdecken, bei denen es einen Beitrag für die Gesellschaft leisten kann – und dies dann auch für die Verbraucher erkennbar und nachvollziehbar machen.

Druck auf die Böden

Prof. Dr. Gabriele Broll von der Universität Osnabrück appellierte an die Bauern, die Böden besser zu schützen. Flächenversiegelung, der Flächenbedarf durch Energiepflanzen, zu hohe Nährstoffeinträge, Pestizide und zunehmend Pharmaka sowie immer schwerere Maschinen ließen den Druck auf den Böden steigen. Leider würde der Boden, der sich meist in Privatbesitz befinde, nicht ausreichend als Gemeingut wie Wasser und Luft gesehen.

Für Nachhaltigkeitsstrategien im Pflanzenbau sprach sich Prof. Dr. Bettina Biskupek-Korell von der Hochschule Hannover aus. Dies könne relativ einfach durch den Anbau von Leguminosen, aber auch neuen Energiepflanzen sowie zielgerichteter Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzflächen (precision farming) erreicht werden.

Zur Nachhaltigkeit gehört für Prof. Dr. Thomas Blaha von der Tierärztlichen Hochschule Hannover auch, „bei der Nutzung von Tieren dafür zu sorgen, dass diesen keine Schäden, Schmerzen und Leiden zugefügt werden und ihnen ein tiergerechtes Leben ermöglicht wird“. Dabei reiche es nicht, nur die Gesetze einzuhalten. Die Menschen wollten mehr. Die Landwirte sollten daher nicht immer nur auf Tierschutzanforderungen reagieren, sondern selbst vorlaufend agieren. Ein Riesenproblem in Deutschland sei die nicht selten nur prophylaktische Behandlung ganzer Tierherden mit Antibiotika. Diese viel zu hohe Antibiotikamenge müsse die Landwirtschaft schnellsten runterfahren, so Blaha.