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Landwirtschaft Kampf gegen den Klimawandel

Klaus-Peter Jordan

Oldenburg - Kein Wirtschaftsbereich spürt den Klimawandel so stark wie die Landwirtschaft – als Leidtragende in der Produktion durch immer extremere Witterungen, aber auch als Verursacher von hohen Treibhausgasemissionen, die den Klimawandel beschleunigen. Viele Maßnahmen, um einen nachhaltigen Spagat hinzubekommen, werden jetzt diskutiert.

Punkt 1: Klimaanpassung. Viele Ackerbauern sind auf der Suche nach Anbaufrüchten und Fruchtsorten, die widerstandsfähiger gegen Klimarisiken sind. Dabei sollten die Bauern nach Ansicht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg) auch sogenannte Sonderkulturen, etwa Soja, Süßkartoffeln, Möhren oder Zwiebeln, stärker in den Blick nehmen. „Da hat Deutschland sowieso ein Defizit und importiert noch viel Ware“, weiß Kammerpräsident Gerhard Schwetje. Für Ansgar Lasar, Klimabeauftragter der Kammer, sind vielfältigere Fruchtfolgen und damit eine breitere Aufstellung eine Art Risikoversicherung: „Das ist die wichtigste Anpassung an den Klimawandel.“

Teure Beregnung

Eine weitere Maßnahme angesichts langer Trockenperioden ist die künstliche Beregnung der Felder. „Das ist allerdings mit hohen Kosten verbunden“, betont Schwetje – 300 bis 500 Euro pro Hektar. Die Bewässerung müsse daher technisch so effizient wie möglich erfolgen, vor allem in Gebieten mit stark reglementierten Wasserentnahmekapazitäten. Als Alternative sieht die Kammer wassersparende Anbauverfahren wie etwa die bodenschonende Mulchsaat, bei der auf das Pflügen verzichtet wird, was allerdings von der Politik behindert werde.

Punkt 2: Aktiver Klimaschutz: Die Landwirtschaft muss ihre Treibhausgasemissionen nach dem Klimaschutzplan der Bundesregierung reduzieren, um etwa 20 Prozent in den nächsten elf Jahren. An erster Stelle steht die Verminderung von Stickstoffen (etwa bei der Bodendüngung mit Gülle und Gärresten).

Dies soll vor allem durch eine schärfere Düngegesetzgebung erreicht werden. Schwetje sieht hier Möglichkeiten durch eine technisch effektivere Düngung. Außerdem könnten Gülle und andere landwirtschaftliche Reststoffe noch viel stärker in Biogasanlagen zur Erzeugung von Ökoenergie eingesetzt werden. „Dazu bedarf es aber finanzieller Anreize, denn die Biogaserzeugung mit Mais ist viel effizienter“, ergänzt Lasar.

Auch der Wald ist Thema

Nicht unerhebliches Potenzial sieht die Kammer auch im Humusaufbau in Ackerböden, damit diese mehr Kohlenstoff speichern können. Anders als gegenwärtig müsse diese Treibhausgasminderung aber auch den Landwirten zugerechnet werden, forderte Schwetje: „Derzeit ernten die Landwirte nicht alle Früchte ihrer Klimaschutzleistungen.“

Im Katalog des Bundesernährungsministerium stehen noch weitere Maßnahmen zur Treibhausgasreduzierung in der Landwirtschaft, die nicht allen Bauern gefallen: Ausbau des Ökolandbaus, Anpassung der Tierbestände, was nichts anderes als eine Verringerung der Bestände bedeutet, Erhalt von stickstoffspeicherndem Dauergrünland, also keine Umwandlung in Ackerland, und Schutz von Moorböden. Nach dem letzten Sommer rückte auch der Erhalt der Wälder mit enormen Klimaschutzpotenzial ganz nach vorne im Maßnahmenkatalog – wobei es jetzt wohl erst einmal um die Rettung dieser Wälder geht.

Kammerpräsident Schwetje fordert von den Landwirten zusammenfassend eine „effizientere Produktion auf dem Acker und im Stall“. Klar ist für ihn allerdings auch: „Eine klimaneutrale Milchviehhaltung ist schlichtweg nicht möglich.“

Punkt 3: TEKLa. Für Klimaanpassung und Klimaschutz hat die Landwirtschaftskammer ein – wie sie sagt – in Deutschland „einzigartiges“ Werkzeug entwickelt: TEKLa, was für Treibhaus-Emissions-Kalkulator-Landwirtschaft steht. Für jeden Hof könne hiermit eine individuelle Klimabilanz erstellt werden. „Bei ersten Berechnungen wurde ein durchschnittliches Vermeidungspotenzial von 50 Tonnen Treibhausgas je Betrieb und Jahr ermittelt“, schwärmt Schwetje.

Einen weiteren Schritt kündigt Kammerdirektor Hans-Joachim Harms an: „Wir werden in der Kammer ein neues Sachgebiet Klimaschutz schaffen.“

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