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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Lebensmitteltrends Der Zukunft: Wie sieht die Ernährung von morgen aus?

12.12.2019

Oldenburg Das Steak wächst im Reagenzglas heran; die Schokolade spuckt der 3D-Drucker aus; aufgespießte Insekten brutzeln auf dem Grill, und dazu gibt es jede Menge Superfood aus Asien. Solche Ess- und Produktionsvisionen schwirren seit fast einem Jahrzehnt durch die wissenschaftliche Ernährungslandschaft. In den Supermarktregalen sieht man davon – mit Ausnahme des Superfoods – allerdings noch immer recht wenig. Aber viele Landwirte sind aufgeschreckt. Rund 700 waren kürzlich nach Oldenburg gekommen, um sich etwas über „Food-Trends der Zukunft“ erzählen zu lassen und wie sie sich darauf einstellen sollten.

Chancen mit Bio

Ein Fakt ist: Der Fleischverzehr pro Kopf in Deutschland sinkt seit Jahren leicht, aber kontinuierlich. Gleichzeitig steigt die Zahl der Fleischlos-Konsumenten, also der Vegetarier und Veganer – allerdings ebenfalls in moderatem Tempo. Dass dieser Trend anhält, da sind sich fast alle Ernährungswissenschaftler einig. Die Großen der Fleischbranche reagieren. Bei der Rügenwalder Mühle aus Bad Zwischenahn macht der Umsatz mit pflanzlichen Fleisch- und Wurstwaren inzwischen schon ein Drittel des Geschäfts aus. Fleischlose Burger erobern die Fast-Food-Ketten. Oft noch ein Problem: den richtigen Geschmacksstoff in Tofu und Seitan zu bekommen. Dass dieser vegetarisch-vegane Trend nicht negativ für deutsche Bauern sein muss, weiß Hubertus Paetow, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). „Die primären Rohstoffe für diese Produkte werden auch künftig von Ackerbauern auf Ackerflächen angebaut.“

Problematischer sieht es für die Tierhalter aus. An ihrem Geschäftsmodell knabbern nicht nur die Fleischlosesser, sondern auch die Tierwohl-Konsumenten. Den deutschen Tierhaltern bleibt da nur der weltweite Trend zu höherem Fleischverzehr, den sich inzwischen auch die Menschen in ärmeren Ländern leisten können. Außerdem steigt die Weltbevölkerung.

Oder der Trend zu Bio. Auf die erheblichen Steigerungsraten in diesem Bereich verweist Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Vor allem bei Fleisch aus ökologischer Erzeugung gibt es noch ein riesiges Steigerungspotenzial. Und: Bioprodukte kommen oft aus dem Ausland. Daher sieht Schwetje auch aus diesem Grund noch erhebliche Marktchancen für heimische Landwirte bei Bio.

Thema exotisches Superfood (siehe auch unten stehenden Artikel): Hier kontert Schwetje: „Wir brauchen kein asiatisches Superfood. Wir sind mit landwirtschaftlichen Produkten aus Niedersachsen bestens bedient; nachhaltiger produziert und frischer beim Kunden.“ Viele Kohlsorten, etwa aktuell der Oldenburger Grünkohl, enthalten mindestens ebenso viele gesunde Inhaltsstoffe wie das exotische Superfood. Anmerkung: Man müsste es dann aber auch entsprechend vermarkten.

Hafer- statt Kuhmilch

In aller Munde ist derzeit das Fleisch aus dem Labor, gezüchtet aus Stammzellen von Tieren, das Tiermästung und -schlachtung überflüssig machen soll. Dass daraus so schnell kein Massenprodukt wird, dafür spricht derzeit noch vieles: Die Produktion ist extrem teuer; immer noch müssen hierfür Tiere sterben; und vor allem: ob der europäische Verbraucher Laborfleisch auf dem Teller haben will, bezweifeln nicht nur Ernährungsfachleute.

Vor allem in größeren Städten und unter jungen Leuten hypt seit ein paar Jahren ein anderer Trend: Weg von der Kuhmilch; Soja-, Hafer oder Mandelmilch in den Caffè Latte. In Deutschland hat der Milchersatz inzwischen einen Marktanteil von gut zehn Prozent, und gleichzeitig ist der Milchkonsum in den letzten fünf Jahren um acht Prozent gesunken. Noch sind die Konkurrenzprodukte zum Euter etwa zwei- bis dreimal so teuer wie Kuhmilch. Aber die großen Nahrungsmittelkonzerne haben das Geschäft entdeckt. Und in Laboren wird daran geforscht, Milchbestandteile biologisch ohne Kühe herzustellen. Labormilch geht in Deutschland sicher eher als Laborfleisch.

Milch ohne Kühe; Eier ohne Hühner. Auch hieran wird experimentiert. Pulver aus gemahlenen Bohnen, Erbsen, Hirse und anderen Pflanzen könnten das Ei vor allem bei verarbeiteten Produkten wie Nudeln oder Kuchen ersetzen – und vielleicht sogar preiswerter sein. Ein schönes Frühstücksei wird man daraus aber wohl kaum zaubern können.

Die Welternährungsorganisation empfiehlt Insekten, um den Hunger der immer mehr Menschen zu stillen. Aber ob sich bei den Deutschen etwa ein Insektenburger durchsetzen kann? Unzweifelhaft sind Insekten eiweißreich und enthalten viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. Zu Mehl verarbeitet und als unsichtbarer, proteinhaltiger Bestandteil von Gerichten könnten Insekten auch bei uns Karriere machen.

Sein Essen nicht selbst kochen zu müssen, sondern mit dem heimischen 3D-Drucker herzustellen, hört sich utopisch, aber verführerisch an. Wenn Chinesen schon ein ganzes Haus vom 3D-Drucker haben bauen lassen, warum dann nicht auch eine einfache Lasagne? Den Landwirten könnte das egal sein, denn auch ein Lebensmitteldrucker braucht agrarische Rohstoffe.

Boom bei Smoothies

Einen auch noch recht jungen Trend verstärkt die demografische Entwicklung: Smooth Food. Gerichte müssen für zunehmend mehr ältere Menschen kaubarer gemacht werden. Durch Schneiden, Pürieren, Passieren, Mixen oder Aufschäumen werden Lebensmittel „geschmeidig“ gemacht. Dass man sich auf diese Weise sehr gesund ernähren kann, erkennen immer mehr Menschen: Smoothies boomen.

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Mit „Snackification“ beschreiben die beiden Foodtrendforscher Hanni Rützler und Wolfgang Reiter einen Trend, der vor allem in Städten schon zur Alltagsverzehrgewohnheit geworden ist. Viele kleine Mahlzeiten über den ganzen Tag verteilt verdrängen die traditionelle Komplettmahlzeit, meist sogar als „To-go“-Snack.

Landwirtschaftskammer-Präsident Schwetje forderte die 700 Landwirte in Oldenburg auf, Ernährungstrends zu erkennen und ihre Betriebe darauf vorzubereiten. Und für DLG-Präsident Paetow resultiert aus den Ernährungstrends, zumindest aus den meisten, die beruhigende Erkenntnis, „dass die flächengebundene Landwirtschaft auch in Zukunft Teil der Nahrungsmittelproduktion bleiben wird“.

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