Ovelgönne - In der Gemeinde Ovelgönne beklagt der Schaf-Hobbyzüchter Tammo Gräper 13 tote Muttertiere. Er selbst ist als Rechtsanwalt und Notar in Brake tätig, seit seiner Jugend züchtet der 46-Jährige Schafe auf dem Elternhof. Zur Herde zählen die Rassen Weißkopf und Schwarzkopfschafe sowie Heidschnucken.
Der Verwalter Thomas Haase auf dem landwirtschaftlichen Anwesen mit 120 Milchkühen sah die Risse am Freitagmorgen. Auf dem Weg zum Anwesen bemerkte er die verstörte Herde, ein Schaf kam ihm auf der Straße entgegen. Auf einer Fläche von rund 15 Hektar verteilt fand man dann die toten Tiere auf der Weide und im angrenzenden Sieltief sowie in den Gräben. Ein Tier lag am Graben, 50 Meter entfernt zum Spielplatz Bückeburger Weg.
Kehlbiss festgestellt
Bei vier Tieren stellte man den Kehlbiss fest, ein Tier war angefressen, die Rippen waren durchbrochen. Deutlich sichtbare Fährten in dem aufgeweichten Kleiboden deuten auf den Wolf hin. Vor dem Sieltief im Ufer gab es zahlreiche Abdrücke. Waren es mehrere Wölfe? Tammo Gräper: Dort führt eine Holzbrücke übers Sieltief. Der Wolf ist aus der Richtung Strückhausen gekommen.“ Der Geschädigte wundert sich, dass das Tier um die Jahreszeit hier auftaucht: „In der freien Marschlandschaft gibt es ja kaum Deckung.“
Wolfsberater vor Ort
Am Freitag nahmen die Wolfsberater Michaela Molzahn und Marcus Säfken einige DNA-Proben. Diese werden über das Wolfsbüro dem Senckenberg-Institut zugeführt. Erst danach kann eine zweifelsfreie Aussage getätigt werden. Der Hof grenzt direkt an die gleichnamige Ortschaft Ovelgönne. Mit einer Einschätzung hielten sich die Wolfsberater zurück. Marcus Säfken: „Die persönliche Einschätzung ist nicht gefragt.“ Michaela Molzahn: „Man sollte für den Schutz der Herde etwas tun.“
Einen Wolfszaun zum Schutz der Schafe hatte der Hobbyzüchter wegen des erheblichen Aufwands nicht vorgenommen. Tammo Gräper: „Für die Flächen um die Weiden und Gräben müssten hier 30 Kilometer Zaun gesetzt werden.“ Bei Nichtabsicherung gibt es allerdings keine finanzielle Entschädigung. Das steht bei dem Hobbyzüchter auch nicht im Vordergrund. Die Tiere sollen sich wohlfühlen, wie er sagt. Und: „Guten Gewissens kann ich keine Schafe mehr halten. Schweren Herzens muss ich wohl die Herde aufgeben. So etwas möchte man nicht wieder erleben.“
Die elf geretteten Schafe stehen verstört im Stall. Christian Scharrel will eine Wunde nachschauen. Es fällt schwer, an das Schaf ranzukommen. Auf dem Hof wohnt Almut Kupfer mit ihrem fünfjährigen Sohn: „Das hinterlässt kein gutes Gefühl.“
Wolf gesichtet
Am Samstagmorgen gibt es die nächste Meldung, diesmal über drei verletzte Schafe bei einem Hobbyzüchter in Osterseefeld in der angrenzenden Gemeinde Stadland. Ein Tier musste eingeschläfert werden. Der Wolfsberater Marcus Säfken ist auch hier im Einsatz. Dort machte die Runde, das ein Wolf gesichtet wurde. In den sozialen Netzwerken rissen die Mitteilungen nicht ab.
Hunde und Wölfe
In der Gemeinde Ovelgönne beklagte Alke Feise-Addicks aus Neustadt im Dezember 2015 den Verlust von 27 Schafen. Zwei wildernde Hunde hatten den Tod herbeigeführt. Die Züchterin jetzt zum Vorfall in Ovelgönne: „Als ich davon hörte, habe ich die Stallungen besser gesichert. Die Angst kommt hoch.“
Im September 2017 beklagte die Züchterin Ina Martens aus Kreuzmoor/Jade den Verlust von drei Fleischkopfschafen. Die Proben bestätigten den Wolf als Verursacher. Der Wolf riss in der gleichen Nacht noch ein 400 Kilogramm schweres Jungrind im zwei Kilometer entfernten Hahnermoor/Ammerland.
Mit der Kooperation Wolfsberater/Wolfsbüro hat Ina Martens schlechte Erfahrungen gesammelt. Selbst gaben die Martens eine private DNA-Probe der Tiere zu einem Institut nach Hamburg ab. Die Züchterin aus der Praxis: „Züchter trauen dem Wolfsteam nicht unbedingt.“
Im September 2017 gab es zwei Tage nach dem Vorfall in Kreuzmoor 23 tote Texel-Schafe auf dem Hof von Werner Idema in Jade. Das war auch der Wolf, wie der Test ergab. Vom Jader Hof wurde zusätzlich auch eine private DNA-Probe der Tiere abgegeben.
