Eines wurde beim Klimagipfel Mitte Dezember in Kopenhagen ganz deutlich: Der Landwirtschaft kommt bei der Lösung der Klimaprobleme eine zentrale Aufgabe zu. Das gilt national wie international.
Wenn Bundesumweltminister Norbert Röttgen ankündigt, Deutschland wolle die Immissionen bis 2020 um 40 Prozent senken, geht das nicht ohne regenerative Energien. Wind, Sonne und Biomasse helfen dabei, klimaschädliche Immissionen aus verbrannten fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl zu reduzieren. Besonders bei der Erzeugung von organischer Substanz für die Strom-, Wärme- und Gasproduktion spielt die Landwirtschaft eine große Rolle.
Ebenso deutlich wurde in Kopenhagen aber auch, dass die weltweite Agrarwirtschaft wohl klimaeffizienter werden muss, auf keinen Fall aber zurückgefahren werden darf. Im Gegenteil: Die Nahrungsmittelproduktion muss bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent steigen, damit die auf neun Milliarden Menschen wachsende Bevölkerung satt wird.
Daraus ergibt sich für die Landwirtschaft ein gesellschaftlicher Auftrag mit zwei ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Einerseits ist sie aufgefordert, Biomasse für die Energiegewinnung zu erzeugen, andererseits muss sie die Produktion von Nahrungsmitteln sicherstellen. Das ist eine gute Nachricht für die Landwirtschaft, denn sie besetzt damit zwei ganz wichtige Zukunftsfelder.
Nicht außer Acht lassen darf man die Kehrseite der Medaille. Auf dem Acker geht immer nur das eine oder das andere, also entweder die Produktion von Biomasse oder von Nahrungsmitteln. Das führt zu einem Wettbewerb um die begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen. Eine schwierige Situation, die aus Kollegen Konkurrenten macht und in den Dörfern längst Realität geworden ist.
Hier ist die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein austariertes Nebeneinander, besser noch Miteinander von Energie- und Nahrungsmittelproduktion ermöglichen. Wir müssen beides als Chance begreifen und beides beherzt angehen. Dabei darf nicht die Teller-oder-Tank-Diskussion dominieren, am Ende muss vielmehr der Teller-und-Tank-Konsens stehen.
Außerdem müssen wir alles daran setzen, auf den nicht zu vermehrenden Flächen so viel wie möglich zu erzeugen, und das klima- und umweltverträglich. Gleichzeitig muss der Flächenverbrauch durch die ungebremste Nutzung wertvollen Ackerlandes für den Siedlungs- und Straßenbau eingedämmt werden. Nur so kann die Landwirtschaft ihrem gesellschaftlichen Doppelauftrag ,,Teller und Tank" nachkommen – ein Auftrag, der alle Anstrengungen rechtfertigt, denn es geht um die Zukunft unserer Kinder.
Autor des Beitrags ist Johann Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
