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Tierwohl Wo Schweine noch glücklich sein können


Das Aktivstall-Konzept dient dem Tierwohl.



Peter Kratzmann

Das Aktivstall-Konzept dient dem Tierwohl.

Peter Kratzmann

Wir sind auf dem Hof von Familie Hackmann in Hemmelte. Sie betreibt hier zwei Aktivställe neben konventioneller Schweinemast. Das Aktivstall-Mastkonzept geht dabei neue Wege, dient dem Tierwohl und macht die Mast ein Stück sympathischer.

„Genau das ist es auch, was uns so angesprochen hat, als wir das erste Mal bei Gabriele Mörixmann in Melle deren Aktivstall auf Video gesehen und später besucht haben“, erzählen Nicole und Heinz Hackmann, die den Hackmann-Hof in dritter Generation führen. Die Idee der Berufskollegin setzten Hackmanns bislang in zwei Ställen auf ihrem Hof in Hemmelte um. Seit 1989 mästen sie Schweine in konventionellen Ställen auf dem Betrieb. Als 2015 die Initiative Tierwohl (ITW) Fuß fasste, wollten auch die Hackmanns dabei sein. Hinter ITW steht mehr Platz für Tiere und vor allem mehr Abwechslung in den Buchten. „Wir wollten aber erstmal testen, ob es auch bei uns so gut funktioniert wie in Melle“, erinnert sich Nicole Hackmann zurück.

Was ist ein Aktivstall?

Ein Aktivstall wird in verschiedene Stallbereiche aufgeteilt. Im hinteren Teil des Aktivstalls ist die Fütterung mit Breiautomaten zu finden. Auch ein Teil der Tränken ist hier untergebracht. Ruhebereiche sind mit Stroh eingestreut. Ausgemistet wird hier alle fünf bis sechs Tage. Spaltenböden und Strohbereiche wechseln sich ab.

Insgesamt fünf Zonen gibt es, in denen sich die Schweine frei bewegen können. Dazu gehören auch Liege- und Spielbereiche, Balken zum Scheuern, Seile, Bürsten, Ketten und Weichhölzer, die die Schweine gerne annehmen. Bewegung ist vorgegeben, denn die Tiere müssen zu den Trink- und Futterstellen relativ weit laufen.

Der Mist geht direkt in die Biogasanlage, Gülle fällt kaum an. Dafür Mehrarbeit, denn Stroh muss geborgen werden, kann nicht verkauft werden und auch das Ausmisten braucht Maschinen- und Arbeitskraft.

Das wird durch zufriedene Tiere belohnt. „Seit wir die Aktivställe bewirtschaften, sind auch unsere beiden Zwillingstöchter Marieze und Marissa (17) begeisterte Junglandwirtinnen“, so Nicole Hackmann. Sie machen zurzeit eine landwirtschaftliche Ausbildung, und sie könnten die vierte Generation auf dem Hackmann-Hof werden.

Die Aktivstall-Haltung bewegt sich ein Stück zwischen konventioneller Haltung und Bio-Mast. Aber, sie kostet mehr als die gängige Schweinemast auf den meisten Höfen. Das wiederum erfordert unternehmerisches Denken und Handeln. „Wir haben eine alternative Vermarktung beim Schlachthof Brand in Lohne und dem Fleisch und Wurstverarbeiter Schulte in Lastrup gefunden“, so Heinz Hackmann. Verträge sichern die Abnahme und auch einen Preis für den Mehraufwand. Verkauft wird das Fleisch bei „Kalieber“ z. B. bei Otto Kathe in Vechta und anderen Metzgern. Eine Sicherheit, die vor zwei Jahren auf dem Hof einen weiteren zweiten Aktivstall entstehen ließ. Hier haben 400 Tiere ihren Platz.

Ausgezeichnet mit Innovationspreis Tierwohl

Der Aufwand beim Umbau? Einige Wände mussten entfernt, einige Spaltenböden zu Festböden umgewandelt werden. Und auch der Ferkelerzeuger hat sich angepasst. Die Aufzucht für die Aktivställe erfolgt mittlerweile auch auf Stroh. Tabu ist die Verfütterung von gentechnisch veränderten Futtermitteln. Der Landhändler vor Ort liefert Futter mit Raps als Eiweißträger und sorgt für gute Zunahmen der Tiere.

Trotzdem sehen die Hackmanns ihre Aktivställe als Nischen-Mästung. Das Fleisch ist teurer. Der Verbraucher muss dafür mehrzahlen. Da tat der zweite Preis im Innovationspreis Tierwohl, dotiert mit 7000 Euro, wohl. Den gewannen die Aktivstall-Mäster aus Hemmelte im vergangenen Jahr.

Ob die Schweinemast weiter ausgebaut wird, liegt auch an den Genehmigungsbehörden. Angesichts der Grundwasser-Diskussion sehen die Behörden lieber abnehmende Tierbestände, obwohl bei der Aktivstallhaltung hauptsächlich Mist entsteht, der in der Biogasanlage in Energie umgewandelt wird.

Wer neugierig geworden ist, der kann sich an Familie Hack mann wenden. Gern kann vor Ort eine Besichtigung nach vorheriger Anmeldung vorgenommen werden. Einblick gibt aber auch in einem Video unter www.initiative-tierwohl.de/gewinner-innovationspreis.

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