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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Forstwirtschaft bittet Weil um Hilfe

18.04.2019

Trögen Henrik Schlemme steht in den Resten seines Waldes. „Mein Opa hat das hier aufgeforstet“, sagt der Tischlermeister aus dem Solling-Dorf Trögen und zeigt auf die Lichtung voller Baumstümpfe und Bruchholz. An einigen Stellen stehen Fangholzhaufen für Borkenkäfer, sonst reckt sich nichts gen Himmel. Am Neujahrstag 2018 hatte Schlemme den Wald übernommen, und seitdem nur Kummer: 18 Tage nach der Übernahme legte das Orkantief „Friederike“ die ersten Fichten um, dann folgte ein trockener Sommer mit Massen an Borkenkäfern. Im März machte das Tief „Eberhard“ den letzten Fichten auf dem Areal den Garaus.

Das ist kein Einzelfall: Allein in Niedersachsens Privatwäldern müssen Schätzungen zufolge 4000 Hektar wieder aufgeforstet werden. Doch da europaweit massenweise von Stürmen umgeworfene oder Käfern angegriffene Bäume angeboten werden, sind die hiesigen Märkte zusammengebrochen. Allein im Solling-Forstamt Dassel fiel 2018 wegen Windwurf und Käferbefall etwa dreimal so viel Holz an wie in einem normalen Jahr. Die Stämme stapeln sich an den Waldwegen, doch verkaufen lassen sie sich kaum noch: Industrieholz wird teilweise nur noch zu Minimalbeträgen gehandelt, Baumstämme werden nach Nordafrika oder gar China verschifft. Holz wird in mit Folien abgedeckten Poltern oder Nasslagern für bessere Jahre aufbewahrt.

Auch der Landeswald hat heftig gelitten: „Wir schätzen die Schäden auf 130 Millionen Euro“, sagt Landesforsten-Präsident Klaus Merker. Und das Schlimmste könnte noch bevorstehen: Nach einem trockenen und milden Winter könnte die Borkenkäferpopulation 2019 regelrecht explodieren. Und die Tiere, die sich bei guten Bedingungen rasend schnell vermehren, treffen auf geschwächte Baumbestände. Derzeit sei der Boden bis zu zwei Meter tief durchgetrocknet, erzählt ein Förster. Und zwei Dürrejahre in Folge könnten für Buchen und Fichten selbst ohne Käfer tödlich sein. Private Waldbesitzer und Landesförster sprechen von einer Katastrophe: Ein Viertel Niedersachsens ist bewaldet.

Ministerpräsident Stephan Weil besuchte den besonders betroffenen Solling. Vom präsentierten Schadensbild und dem Einsatz der Forstwirtschaft, die Probleme in den Griff zu bekommen, gab sich der SPD-Politiker beeindruckt: „Mir leuchtet ein, dass wir an dieser Stelle sehr kurzfristig handeln müssen“, sagte Weil. Das könnte ein Hinweis sein, dass das Land mehr Geld gibt. Zwar hat das Land kürzlich 1,5 Millionen Euro Soforthilfe für die Borkenkäferbekämpfung freigegeben und die Zeitbegrenzung für die Entnahme von Holz aus Natura-2000-Gebieten gekippt. Doch das ist der Forstwirtschaft viel zu wenig: Dass Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für die nächsten fünf Jahre 25 Millionen Euro für den Walderhalt geben will, kritisiert der CDU-Bundestagsabgeordnete Roy Kühne, von dem Geld dürften nur 721 000 Euro jährlich Niedersachsen erreichen.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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