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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Landwirtschaft

Alte Tugenden neu beleben

11.04.2019

Vechta Wenn Ansgar Lasar gefragt wird, wie sich Landwirte auf den Klimawandel einstellen sollen, greift er gern in seine Aktentasche und zieht ein sichtlich viel benutztes Buch heraus: Der Jungbauer – Ein Lehr- und Arbeitsbuch für landwirtschaftliche Berufsschulen, Auflage 1971. „Das Neue ist das Alte“, bringt der Klimabeauftragte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen seine Antwort auf eine kurze Formel.

Kulturen wechseln

„Alte pflanzenbauliche Tugenden, so wie sie in älteren Lehrbüchern beschrieben sind, sollten wieder in den Blickpunkt rücken“, sagt Lasar und legt los. Beispiel Anbau: Die angebauten Kulturen sollten häufiger gewechselt werden. Eine breite Fruchtfolge mit Blatt- und Hülsenfrüchten sowie Sommer- und Winterfrüchten trage zur Risikostreuung bei. „Auf Höchsterträge muss man dann verzichten; Totalverluste aber werden vermieden. Das ist wie an der Börse“, weiß der Fachmann.

Beispiel Wassermanagement: Wegen Dürrezeiten auf der einen und Starkniederschlägen auf der anderen Seite sollte Wasser gespeichert werden. Außerdem sollten wassersparende Anbauverfahren genutzt werden, wie Mulchsaat. Neben der Fruchtartenwahl sollten Sorten angebaut werden mit größerer Robustheit bei Trockenheit, Nässe, Hitze oder Kälte.

Uwe Bartels, Vorsitzender des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland, weist darauf hin, dass Landwirte nicht nur Betroffene des Klimawandels, sondern auch Verursacher sind. Es müsse daher über Düngung, Emissionen und Anbausysteme nachgedacht und Veränderungen auf den Weg gebracht werden. So gebe es in der Tierhaltung längst Stallanlagen, mit denen man weniger Emissionen und Gülle erreichen könne. Und neue Ausbringungstechniken bringen den Nährstoff Gülle im Zuge der Düngung viel näher an die Wurzeln der Pflanzen. Bartels plädiert außerdem für eine schonendere Bodenbearbeitung.

Auch die gehaltenen Nutztiere leiden unter den steigenden Temperaturen. Darauf weist Prof. Dr. Imke Traulsen von der Universität Göttingen hin. „Solcher Hitzestress hat negative Auswirkungen auf Gesundheit, Wachstum und Vermehrung“, sagt sie und beschreibt die Folgen: Legehennen legen weniger Eier und sterben früher. Bei trächtigen Sauen könne Hitzestress zu mehr Totgeburten und geringerem Geburtsgewicht der Ferkel führen. Schweinebauern müssten über Kühlsysteme nachdenken.

Gesamtkonzept nötig

Wie in Deutschland Landwirtschaft betrieben werde, habe auch viel mit dem Konsumverhalten der Menschen zu tun, ist sich Dr. Volker Wachendörfer von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sicher. Er fordert daher „einen gesellschaftlichen Diskurs ohne wechselseitige Schuldzuweisungen. Wir brauchen ein Gesamtkonzept zum Umgang mit dem Klimawandel, basierend auf einem gemeinsamen Grundverständnis alle Beteiligten.“

Seit Januar beteiligt sich die Universität Vechta an einem internationalen Projekt (TeRRIFICA), das Aktionspläne für Klimaanpassungsstrategien entwickeln soll. Mit dabei sind Akteure aus Politik, Verwaltung, Industrie, Verbänden, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft.

Zunächst werden in sechs Modellregionen – u.a. der Agrarhochburg Oldenburger Münsterland – erfolgreiche Beispiele in Bezug auf Klimaanpassungsstrategien identifiziert. Projektergebnis sollen konkrete Handlungsstrategien sein, die dann auch umgesetzt werden. Denn: „Die Folgen des Klimawandels werden sich immer stärker bemerkbar machen“, so Prof. Dr. Marco Riemann, TeRIFFICA-Projektleiter an der Uni Vechta.

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