Westerstede - Gegen die in vielen Teilen Niedersachsens hohe Nitrat- und Phosphatbelastung des Wassers geht die Landesregierung rigoros vor. Die von der schärferen Düngereglung betroffene Gesamtfläche ist riesig, im „roten Bereich“ steht auch das Ammerland. Landrat Jörg Bensberg „überrascht das nicht“, da bereits in der Vergangenheit die Stickstoff-Obergrenze von 170 Kilogramm je Hektar überschritten wurde – wenn auch nur knapp mit 172 Kilogram je Hektar.

Manfred Gerken (Foto: Archiv)

Manfred Gerken (Foto: Archiv)

Für Manfred Gerken, erster Vorsitzender des Ammerländer Landvolkverbands, ist an der veröffentlichten Karte in Bezug aufs Ammerland jedoch vieles „sonderbar und unverständlich“. Den Brunnen in Eggeloge, der als Grundlage der Berechnung herangezogen wurde, hält Gerken für nicht repräsentativ. Dieser sei mit 1,50 Metern nicht tief genug, zudem sei der Standpunkt in der Nähe einer Kleinkläranlage sowie eines alten Düngelagers alles andere als optimal. „Die Bauern sind sehr erbost, wie pauschalisiert wird, wie alle mit in Haftung genommen werden. Und das, obwohl der Brunnen erkennbar nicht durch Landwirte belastet wird“, sagt Manfred Gerken.

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Er und weitere Landwirte wollen Stellungnahmen gegen die Berechnung abgeben, auch wenn die Frist dafür „nur sehr kurz“ sei. An einem Gegengutachten von 16 ebenfalls betroffenen Landkreisen, das die Brunnen sowie die Probeentnahme analysieren soll, werde man sich nicht beteiligen.

Landrat Jörg Bensberg

Landrat Jörg Bensberg

Nur: Wie wird das Ammerland die rote Farbe wieder los? Man wolle das Problem aktiv angehen, sagt Landrat Jörg Bensberg. Ein runder Tisch sei in Gründung, der Austausch mit Landvolk und Landwirtschaftskammer aber sowieso seit jeher gut. Eine Maßnahme habe schon gewirkt, sagt Manfred Gerken, so seien die Tierbestände bereits geringer geworden. Für Landrat Bensberg sei außerdem eine Optimierung der Düngergaben notwendig. Zudem werde überlegt, wie in Zukunft Gülleimporte eingedämmt werden könnten. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir da schnell und einvernehmlich wieder rauskommen“, sagt Jörg Bensberg.

Die Stimmung bei seinen Kollegen von Manfred Gerken sei dennoch mies, „die haben krass gesagt alle die Schnauze voll und keine Lust mehr“. Schuld daran sei nicht allein die wirtschaftliche Lage, hinzu kämen ständige Beleidigungen aus der Bevölkerung, „wo Mittelfinger noch das Harmloseste sind“.

Manfred Gerken, der in Bad Zwischenahn einen Milchviehbetrieb mit 70 Kühen, Nachzucht sowie eine 250-Kilowatt-Biogasanlage betreibt, sorgt sich um die Zukunft seines Hofes. Grund dafür ist auch eine derzeit diskutierte Kürzung des Düngebedarfs für Stickstoff in nitratsensiblen Gebieten um 20 Prozent. „Diese Verschärfung wird dafür sorgen, dass der gesamte bäuerliche Mittelstand im Ammerland aufhören wird“, befürchtet Gerken. Die Folge wären Verhältnisse wie in Dänemark, wo es nur noch Nebenerwerbslandwirtschaft und große Betriebe gäbe.

Die Politik auf Bundes- und Landesebene müsse deshalb handeln. Auf kommunaler Ebene sei der Umgang miteinander hingegen respektvoll und lösungsorientiert.

Einen negativen Effekt auf den Tourismus durch die roten Gebiete fürchtet Landrat Jörg Bensberg übrigens nicht: „Der Tourist nimmt die schöne Ammerländer Parklandschaft wahr und hat sich bisher auch nicht durch eine größere Ausbreitung von Energieanlagen und Futtermais beirren lassen.“

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