Westerstede - Gegen die in vielen Teilen Niedersachsens hohe Nitrat- und Phosphatbelastung des Wassers geht die Landesregierung rigoros vor. Die von der schärferen Düngereglung betroffene Gesamtfläche ist riesig, im „roten Bereich“ steht auch das Ammerland. Landrat Jörg Bensberg „überrascht das nicht“, da bereits in der Vergangenheit die Stickstoff-Obergrenze von 170 Kilogramm je Hektar überschritten wurde – wenn auch nur knapp mit 172 Kilogram je Hektar.
Manfred Gerken (Foto: Archiv)
Er und weitere Landwirte wollen Stellungnahmen gegen die Berechnung abgeben, auch wenn die Frist dafür „nur sehr kurz“ sei. An einem Gegengutachten von 16 ebenfalls betroffenen Landkreisen, das die Brunnen sowie die Probeentnahme analysieren soll, werde man sich nicht beteiligen.
Landrat Jörg Bensberg
Die Stimmung bei seinen Kollegen von Manfred Gerken sei dennoch mies, „die haben krass gesagt alle die Schnauze voll und keine Lust mehr“. Schuld daran sei nicht allein die wirtschaftliche Lage, hinzu kämen ständige Beleidigungen aus der Bevölkerung, „wo Mittelfinger noch das Harmloseste sind“.
Manfred Gerken, der in Bad Zwischenahn einen Milchviehbetrieb mit 70 Kühen, Nachzucht sowie eine 250-Kilowatt-Biogasanlage betreibt, sorgt sich um die Zukunft seines Hofes. Grund dafür ist auch eine derzeit diskutierte Kürzung des Düngebedarfs für Stickstoff in nitratsensiblen Gebieten um 20 Prozent. „Diese Verschärfung wird dafür sorgen, dass der gesamte bäuerliche Mittelstand im Ammerland aufhören wird“, befürchtet Gerken. Die Folge wären Verhältnisse wie in Dänemark, wo es nur noch Nebenerwerbslandwirtschaft und große Betriebe gäbe.
Die Politik auf Bundes- und Landesebene müsse deshalb handeln. Auf kommunaler Ebene sei der Umgang miteinander hingegen respektvoll und lösungsorientiert.
Einen negativen Effekt auf den Tourismus durch die roten Gebiete fürchtet Landrat Jörg Bensberg übrigens nicht: „Der Tourist nimmt die schöne Ammerländer Parklandschaft wahr und hat sich bisher auch nicht durch eine größere Ausbreitung von Energieanlagen und Futtermais beirren lassen.“
