Westerstede - Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat zu einem gesellschaftlichen Schulterschluss zur Unterstützung der kriselnden heimischen Landwirtschaft aufgerufen. Die Demonstrationen der vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie aufgebracht viele Landwirte seien. Sie warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft. Es sei richtig, dass die Politik aufgerüttelt wird, sagte sie gestern Abend bei einer von der Nordwest-Zeitung veranstalteten und sehr lebhaften Podiumsdiskussion in Westerstede zur Lage der Landwirtschaft.

Allerdings sah sich die Ministerin auch mit zum Teil heftiger Kritik der Landwirte konfrontiert. Für das Bündnis „Land schafft Verbindung“ (LsV) warf Landwirt Jan-Bernd Stolle aus Großenkneten der Politik Versagen auf ganzer Linie vor. Einseitige Belastungen der Landwirte durch neue Auflagen wie die Düngeverordnung drängten Betriebe an den Rand ihrer Existenz. Stolle kündigte für die kommenden Wochen weitere Proteste an.

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Auch der niedersächsische Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke übte scharfe Kritik an der Düngeverordnung. Er forderte die Ministerin auf, die Absenkung um 20 Prozent in den roten Gebieten zu verhindern. „Das ist weder sachgerecht und finanziell tragbar.“ Dies führe für die Landwirte in Niedersachsen zu Einkommensverlusten von 150 Millionen Euro pro Jahr.

Landwirte äußern Unmut bei NWZ-Podiumsdiskussion

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sieht die Ursachen der Krise der Landwirtschaft vor allem in einem Versagen des Marktes. Landesvorsitzender Ottmar Ilchmann forderte die Politik auf, unverzüglich die Rahmenbedingungen für einen funktionierenden Markt mit stabilen Preisen zu schaffen. Als Beispiel nannte er die Milchpreise, die schon jetzt vielfach nicht mehr produktionsdeckend seien. Zugleich wandte er sich gegen die bisherige Flächenförderung durch die EU.

Der Wirtschaftsethiker Nick Lin-Hi von der Universität Vechta riet den Landwirten zu einem Perspektivwechsel. „Die Welt, die Sie kennen, existiert nicht mehr. Das bietet nicht nur Risiken, sondern auch Chancen.“ Er wandte sich gegen jede Form von Protektionismus. Die Landwirtschaft müsse es schaffen, die Wertigkeit ihrer Produkte zu steigern und nachhaltig zu machen. NWZ-Chefredakteur Ulrich Schönborn sprach die Hoffnung aus, mit ähnlichen Veranstaltungen gemeinsame Lösungen zu finden und im Gespräch zu bleiben.

LANDWIRTSCHAFT IN NIEDERSACHSEN Bauernproteste sollen 2020 weitergehen

Christian Brahmann
Uelzen