Oldenburg - Der Klimawandel bedeutet für die deutschen Landwirte Risiko, aber er bietet auch Chancen. „Wichtig ist für die Landwirtschaft, die zu erwartenden Klimaentwicklungen zu kennen, um darauf vorbereitet zu sein und reagieren zu können“, betont Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg). „Niedersachsen wird dabei vom Klimawandel profitieren“, ist sich Dr. Matthias Benke, Leiter des Fachbereichs Grünland und Futterbau bei der Kammer, sicher.
Vier wahrscheinliche Klimaveränderungen für Niedersachsen nennt Ansgar Lasar, Klimabeauftragter der Kammer: Die Jahresniederschlagsmenge wird steigen; dabei werden die Sommerniederschläge weniger werden; die Durchschnittstemperatur wird steigen, und die Vegetationsdauer wird sich verlängern. „Betrug die Vegetationsdauer um 1900 noch 230 Tage im Jahr, so waren es im Jahr 2000 schon 265 Tage, und 2100 werden es 325 Tage sein“, sagt Lasar.
Chancen für Sojabohne
Die Landwirtschaftskammer forscht intensiv daran, wie die Landwirte auf den Klimawandel reagieren und wie sie von ihm profitieren können. Chancen sieht Kammerdirektor Schwetje z.B. für die Sojabohne, die hierzulande bisher nicht heimisch ist. „Auch der Maisanbau hat vom Klimawandel schon profitiert, und er bekommt noch größere Chancen“, sagt er. Durch die Verlängerung der Vegetationsperiode könnten auch vermehrt Zwischenfrüchte angebaut werden. Außerdem experimentiert die Landwirtschaftskammer mit der Pflanze Teff (Eragrostris Tef), Hauptnahrungsquelle in Äthiopien. Teff wächst unter nassen und trockenen Verhältnissen und übersteht eine zeitweilige Überschwemmung. Überhaupt gehe es um Früchte, „die besser mit weniger Wasser zurechtkommen“, so Lasar.
Weitere Ansatzpunkte sind laut Dr. Gerhard Baumgärtel, Leiter des Fachbereichs Pflanzenbau und Saatgut der Kammer, auch andere Bearbeitungsmethoden für die Böden, um Wasser zu sparen oder neue Düngesysteme, z.B. eine frühere Düngung bei Getreide, um die Nährstoffversorgung zu verbessern. Ein weiteres Feld zum Beackern ist nach Ansicht des Klimabeauftragten Lasar der Bereich Krankheiten und Pilzbefall. Hieran wird allerdings schon länger gearbeitet.
Wasser speichern
„Beim Wasser haben wir kein Mengenproblem, sondern ein Verteilungsproblem, da die Sommerniederschläge abnehmen“, erklärt Schwetje. „Wir müssen uns also etwas einfallen lassen, wie wir überschüssige Winterniederschläge oder auch das Wasser aus Starkregenfällen in der Region behalten“, fordert der Kammer-Präsident. Denn das im Sommer künftig mehr Felder öfter beregnet werden müssen, scheint sicher. Dieses Wasser muss zuvor gespeichert werden. „Wir werden gemeinschaftlich Teiche bauen müssen. Dafür müssen Möglichkeiten geschaffen werden“, so Schwetje.
Doch nicht nur im Pflanzenbau sind Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel notwendig. Auch Tiere, wie z.B. Kühe, leiden unter sehr hohen Temperaturen und „können in Hitzestress geraten“, weiß Lasar. Eine kühle Berieselung (im Stall) oder Beschattung (auf dem Feld) ist deswegen alles andere als eine Zukunftsfantasie.
