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NWZonline.de Region Cloppenburg Gemeinden Lastrup

Erdbeben erschüttert ländliches Idyll

02.10.2018

Hemmelte Stille. Die Sonne bahnt sich ihren Weg durch die Wolken. Durch die Baumwipfel hindurch grüßt bereits der Kirchturm der Herz-Jesu-Kirche. Ein üppiges Rhabarberfeld säumt die Straße, die in die gemütliche Bauerschaft Hemmelte (Gemeinde Lastrup im Landkreis Cloppenburg) hineinführt.

So idyllisch wie sich der kleine Ort an diesem Montagvormittag präsentiert, erinnert nichts mehr an die unruhige Nacht zuvor, in der ein Erdbeben Teile des Landkreises Cloppenburg und angrenzende Gebiete erschüttert hat. Das Beben erreichte nach Angaben des Geoforschungszentrum Potsdam am Montag, 1. Oktober, um 2.28 Uhr eine Stärke von Magnitude 3,6 (Richterskala). Es soll sich dabei laut Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) um das stärkste in Niedersachsen registrierte Erdbeben seit rund 13 Jahren gehandelt haben. Das Epizentrum lag laut LBEG östlich von Lastrup am westlichen Rand des Erdgasfeldes Hemmelte/Kneheim/Vahren.

In Hemmelte war das Erdbeben deutlich zu spüren und riss viele Einwohner unsanft aus dem Schlaf. „Punkt 2.28 Uhr gab es einen brutalen, scheppernden Knall, den ich in dieser Wucht noch nicht gehört habe“, schildert Landwirt Clemens Haker (58). „Die Fenster haben circa zehn Sekunden laut gewackelt.“ Seine Frau Hildegard (56) hatte Minuten vorher ein „Vorbeben“ wahrgenommen, ehe der große Knall und die starke Erschütterung folgte. „Es war beängstigend“, sagt Hildegard Haker. „Ich habe eine halbe Stunde später noch das Vibrieren im Körper gespürt.“

Der „Regiomarkt 24“ von Clemens Haker aus Hemmelte blieb unbeschädigt. Bild: Friedhoff

Beschädigt wurde glücklicherweise nichts. Auch sein „Regiomarkt 24“, ein mit Automaten betriebener Dorfladen (Lebensmittel/Getränke) in einer Holzhütte, blieb unversehrt, wie Clemens Haker bei seiner morgendlichen Kontrolle feststellte.

Oliver Roschen (37) und seine Frau Nadine (36) aus Hemmelte-Bahnhof saßen beide „senkrecht im Bett“, als sie plötzlich in der Nacht ein „Druckgeräusch“ wahrnahmen – vergleichbar mit einem Überschallflugzeug, wie sie häufiger in der Region zu hören seien, schildert der 37-jährige Familienvater, der in einer Druckerei arbeitet. Die gemeinsamen Töchter Leni (4) und Kim (10) schliefen indes seelenruhig weiter.

„Wahnsinn“

Das ganze Haus habe heftig gewackelt. „Wahnsinn, als wenn man auf dem Meer wäre“, sagt Nadine Roschen. Man habe sich direkt gefragt, was dahinterstecken könnte. So habe das Paar auch an die Erdgasförderung und entsprechende Bohrungen gedacht, zumal man zum Einzug auch eine Broschüre erhalten habe, wie man sich in Gefahrensituationen zu verhalten habe, sagt Oliver Roschen.

Oliver Roschen mit seinen Töchtern Leni (links, 4) und Kim (10) Bild: Friedhoff

Am Morgen habe man sich unter anderem per WhatsApp mit Bekannten, Freunden, Nachbarn ausgetauscht. Schäden gab es keine. Doch auch das Umfeld hat das Erdbeben intensiv gespürt. Eine Bekannte sei tief beeindruckt gewesen. „Das ganze Haus hat gebebt, die Gläser im Schrank haben geklirrt und die Bewegungsmelder haben angefangen zu leuchten, ohne dass wir uns davor bewegt haben“, schreibt sie im Chat.

Auch das Erdbeben am Freitag habe sie im wahrsten Sinne des Wortes „erschüttert“. Gemeint ist jenes Beben am Freitagnachmittag, 28. September, das es an gleicher Stelle bis zu einer Magnitude von 3,3 gebracht hatte.

Nach Angaben des LBEG standen die Beben vom Freitag und Montag wahrscheinlich in Zusammenhang mit der Erdgasförderung. Die Förderung von Erdgas führt zu Spannungen im tiefen Untergrund. Wenn diese an Schwächezonen im Untergrund impulsartig abgebaut werden, kann es zu spürbaren Erschütterungen an der Oberfläche kommen. Die Schwinggeschwindigkeit an der Erde sei in diesem Fall relativ hoch gewesen, erklärt Heinke Träger, Sprecherin der LBEG. An manchen Stellen hätte diese bei acht Millimetern pro Sekunde gelegen. Gleich mehrere Beben innerhalb weniger Tage, das sei schon ungewöhnlich.

Informationsabend

Michael Kramer, Bürgermeister der Gemeinde Lastrup, hat das Beben nicht bemerkt, obwohl er und seine Frau direkt in Lastrup wohnen, sagt er der NWZ. Größere Schäden seien der Gemeinde bislang nicht gemeldet worden, außer zwei kleine Meldungen aus Hemmelte. Hier ging es einmal um ein von der Wand gefallenes Bild und bei einem anderen Fall ging es um zwei heruntergefallene Ziegelsteine am Schornstein.

Diese Art von Erdbeben habe es in der Vergangenheit in den Erdgasfördergebieten schon häufiger gegeben. „Hier stehe ich in regelmäßigem Austausch mit Exxon Mobil“, so Kramer. Seitens Exxon Mobils werde mit Hochdruck an der Aufklärung des Auslösers des Erdbebens gearbeitet. Hier sei in der nächsten Zeit ein Informationsabend für die Allgemeinheit mit Exxon Mobil zu den Hintergründen des Erdbebens angedacht, erklärt der Bürgermeister weiter.

Das scheint auch dringend nötig. Denn das nächtliche Beben jagte auch den Bewohnern Hemmeltes einen mächtigen Schrecken ein. „Ich habe Angst gehabt, ich habe gedacht Bomben fallen. Es klang im Prinzip, als wenn etwas explodiert ist. Es war sehr erschreckend“, schildert ein zweifacher Familienvater aus Hemmelte-Bahnhof. Er saß nach der Rückkehr von der Arbeit gerade vor dem Fernseher, als es nach seiner Aussage zweimal knallte. Zuerst etwas leichter und ein bis zwei Minuten später „richtig laut“. Dann habe das „ganze Haus richtig gewackelt – von links nach rechts – für zehn bis 20 Sekunden“. Die ersten 15 Minuten danach seien „sehr beunruhigend gewesen“, schildert der Familienvater. Seine Frau und die zwei Söhne indes schliefen friedlich. Beim ersten Blick aus dem Fenster konnte er keine Schäden feststellen.

Bäckerei unbeschädigt

Seine Frau habe nach dem „lauten Knall“ zwischen 2.15 und 2.30 Uhr zuerst an ein Gewitter gedacht, erzählt Bäcker Hans-Joachim Willen (70) aus Hemmelte-Bahnhof. Neben der Bäckerei Willen führt er mit seiner Frau Elke (66) und einer weiteren Verkäuferin auch ein in die Bäckerei integriertes kleines Lebensmittelgeschäft.

Das Erdbeben war am Montagmorgen das Gesprächsthema unter seinen Kunden: Bäcker Hans-Joachim Willen wurde durch einen lauten Knall geweckt. Bild: Friedhoff

„Ich habe zuerst gedacht, ein Container ist umgekippt bei einem Futtermittelunternehmen in der Nähe“, sagt der Bäcker, der eigentlich erst gegen 4 Uhr aufgestanden wäre. „Die Fenster haben geknarrt und vibriert.“ Ansonsten sei jedoch alles in Ordnung gewesen. Auch einen Stromausfall habe es nicht gegeben. Wie der Bäcker am Morgen feststellte, war am eigenen Haus und im eigenen Betrieb an der Bahnhofstraße nichts beschädigt.

Bei seinen Kunden sei das Beben das große Gesprächsthema gewesen, berichtet Willen. Eine Frau findet die passenden Worte: „Ich dachte, ich falle aus dem Bett.“

Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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Tonia Hysky Redakteurin / Newsdesk
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