Moskau - Mit drei komplett unterschiedlichen Gesichtsausdrücken verließen die deutschen Weitspringer am Mittwoch das Luschniki-Stadion. Christian Reif lachte, Sebastian Bayer schaute skeptisch, Alyn Camara enttäuscht. Denn während der ehemalige Europameister Reif und der amtierende Europameister Bayer bei der Leichtathletik-WM in Moskau die Qualifikation überstanden und an diesem Freitag (17.30 Uhr) um die Medaillen mitspringen werden, verpasste der deutsche Überraschungsmeister Camara das Finale der besten Zwölf.
„Ich hatte mir schon zugetraut, über acht Meter zu springen“, sagte der 24-Jährige enttäuscht. Immerhin befand sich Camara mit seinen 7,77 Metern in bester Gesellschaft: Auch Olympiasieger Greg Rutherford aus Großbritannien scheiterte in der Qualifikation (7,87).
Während Reif (8,09) zufrieden war („Ich bin gesund, ich habe Spaß – entsprechend darf ich optimistisch sein“), rätselte Bayer (7,95) über seinen wahren Leistungsstand. „Ich bin mit etwas Glück ins Finale gerutscht. Jetzt kann es am Freitag nur besser werden“, gestand der 27-Jährige, der sich seit Monaten mit Verletzungsproblemen herumplagt: „Ich habe immer Wehwehchen“, meinte er: „Einige sind schon länger da, andere sind erst dazugekommen.“
Einen Paukenschlag gab es dagegen im Hammerwerfen der Frauen. Mit 68,83 Metern scheiterte die Olympia-Zweite Betty Heidler am Mittwoch schon in der Qualifikation. „Die Arbeit des ganzen Jahres ist kaputt“, schimpfte die 27-jährige Weltrekordlerin aus Frankfurt, die fast zehn Meter unter ihrer Bestleistung blieb.
Danach ging sie mit sich hart ins Gericht: „Die Technik war nicht das, was man für ein WM-Finale braucht. Dafür bin ich nicht angereist.“ Nichts funktionierte im Luschniki-Stadion. „Oben und unten haben nicht zusammengepasst – die Bewegungen des Oberkörpers und die Beinarbeit“, erklärte die Detail-Fanatikern.
Endlaufchancen rechnet sich dagegen 1500-Meter-Läufer Carsten Schlangen (32) aus. In 3:40,31 Minuten wurde er am Mittwoch Fünfter seines Vorlaufs und zog ins Halbfinale ein. „Ich bin auf einem ganz guten Weg. Das war ein schöner Moment. Die Trauben hängen hoch, vielleicht ergibt sich noch ein schöner Moment“, sagte der Ex-Europameister aus Meppen.
Trotz großer Konkurrenz will David Storl im Kugelstoßen eine Medaille. „Gold wäre das Sahnehäubchen“, sagte der 23-jährige Titelverteidiger vor dem ersten Auftritt an diesem Donnerstag (8.20 Uhr/ZDF) in der Qualifikation.
