BERLIN - Nicht nur Usain Bolt und Tyson Gay werden bei ihren Duellen um die Sprintkrone die Massen elektrisieren. Viele spannungsgeladene Wettbewerbe machen den Reiz der Leichtathletik-WM vom 15. bis 23. August in Berlin aus.

„Er ist im Augenblick der großartigste Kerl. Dass man mich mit ihm vergleicht, ist eine Ehre für mich“, sagt der US-Amerikaner Gay fast schon ehrfürchtig zum Thema Usain Bolt. Der Jamaikaner will sich im Olympiastadion unbedingt für die WM-Niederlage vor zwei Jahren in Osaka revanchieren. „Es reizt mich zu wissen, dass da draußen jemand ist, der mich schlagen kann“, sagt der 22-Jährige und verspricht im Hinblick auf das 100-m-Finale an diesem Sonntag (21.35 Uhr): „Wenn das Wetter stimmt und es zu einem Showdown zwischen Tyson und mir kommt, dann gibt es eine sehr schnelle Zeit.“

Der Zweikampf Gay gegen Bolt ist auch ein Duell der beiden Sprint-Großmächte USA und Jamaika. Die Statistik bei Weltmeisterschaften spricht klar für die USA, die bei den Männern 23 und bei den Frauen 14 Titel gesammelt hat. Dem stehen gerade einmal vier jamaikanische WM-Titel der Frauen gegenüber. Bei Olympia haben die Jamaikaner das Blatt jedoch gewendet und mit fünf von sechs möglichen Goldmedaillen die USA als Sprintnation Nummer eins vorerst abgelöst

Aus deutscher Sicht könnte das Hochsprung-Duell zwischen Ariane Friedrich gegen Blanka Vlasic der WM-Höhepunkt werden. Seit Monaten treiben sich beide zu Höchstleistungen und schrecken dabei nicht vor kleineren Psychospielen zurück, bei denen die Hallen-Europameisterin Friedrich gute Nerven bewies. „Gegen Blanka zu springen, ist immer eine supergroße Herausforderung für mich“, sagt die deutsche Rekordhalterin aus Frankfurt/Main.

Bei Weltmeisterin Vlasic hat das Nervenkostüm zuletzt gelitten, auch wenn sie die WM-Generalprobe in Monaco gegen Friedrich gewann. Angesprochen auf ihre große Rivalin zickte die Kroatin herum: „Ihr fragt mich immer nach ihr. Ihre Sprünge interessieren mich nicht.“

Auch Speerwerferin Christina Obergföll werden Gold-Chancen eingeräumt, doch dafür muss sie erst einmal ihre Nerven und dann die tschechische Titelverteidigerin Barbora Spotakova bezwingen. Bei den Männern werden wohl Olympiasieger Andreas Thorkildsen (Norwegen) und sein ewiger Rivale Tero Pitkämäki (Finnland) Gold unter sich ausmachen.

Im Diskuswurf hofft zwar der Berliner Robert Harting auf den Sieg bei der WM im eigenen Stadion. Favoriten sind aber zwei andere: Olympiasieger Gerd Kanter (Estland) und der Ex-Weltmeister Virgilijus Alekna (Litauen).

Im Weitsprung fordert der Weltjahresbeste Dwight Phillips (USA) den Olympiasieger Irving Saladino (Panama) heraus und nimmt gleichzeitig den ersten 9-m-Sprung der Geschichte in Angriff: „Ich werde versuchen, Unglaubliches zu leisten.“

Große Rivalität herrscht unter den 400-m-Topläufern Jeremy Wariner (USA) und LaShawn Merritt. „Jeremy zu schlagen, fühlt sich immer gut an“, sagt Olympiasieger Merritt. Bei den Frauen duellieren sich auf dieser Strecke Sanya Richards (USA) und die britische Olympiasiegerin Christine Ohuruogu, die trotz schwacher Saison selbstbewusst ins Rennen geht: „Ich bin eine Kriegerin.“