BERLIN - Ein Jahr nach der Olympiapleite von Peking ist die viel kritisierte deutsche Leichtathletik wieder salonfähig. „Die WM war eine Initialzündung für unsere Sportart in Deutschland. Wir haben faszinierende Wettkämpfe gesehen. Unsere Mannschaft hat mit vielen Medaillen die Bevölkerung mitgerissen. Und die Vertreter aller Fernsehanstalten waren beeindruckt von den hervorragenden TV-Quoten“, stellt Clemens Prokop fest. Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ist sicher: „Der Erfolg war wichtig für unsere Fernseh- und Sponsoren-Verhandlungen.“
„Die Einschaltenquoten sind sehr gut – noch besser, als wir es uns gewünscht haben. Wir sind höchst zufrieden“, sagte ARD-Teamchef Walter Johannsen. Auch ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz zog eine positive Bilanz der Titelkämpfe im Berliner Olympiastadion: „Quoten in dieser Dimension hatten wir nicht erwartet. Das hat uns sehr überrascht.“
Im Herbst läuft der Vertrag des DLV mit ARD/ZDF aus. Bessere Argumente als diese WM mit vielen begeisterten Zuschauern hätte Prokop, der im Oktober beim Verbandstag in Berlin wohl erneut als DLV-Präsident antreten will, nicht in die Waagschale werfen können.
Statt der jährlich fünf Millionen Euro Förderung vom Bundesministerium des Inneren hält der scheidende Sportdirektor Jürgen Mallow „das Doppelte“ für notwendig, um wirklich erfolgreich arbeiten zu können.
Derweil hat Diskuswurf-Weltmeister Robert Harting erneut Prokop provoziert. Der Berliner sprach sich für DLV-Vize Eike Emrich als Chef des DLV aus, der im Oktober zur Wahl steht.
Harting hatte zuvor schon mit provokanten Äußerungen über Dopingopfer, die Arbeitsmoral von Sportfunktionären sowie die Aussichtslosigkeit des Anti-Doping-Kampfes für Aufsehen gesorgt und dafür viel Kritik einstecken müssen. Während der DLV Konsequenzen nicht ausschließen will, hat Harting in Helmut Digl, Ehrenpräsident des DLV, einen Fürsprecher gefunden. Digl setzt sich für eine Bewährungsprobe des Athleten ein.
