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Bewohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten
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Bewohner sollen Fenster und Türen geschlossen halten

NWZonline.de Sport Leichtathletik

DDR steht hier noch immer an der Spitze

11.10.2018

Berlin /Oldenburg Die Leichtathletik-Saison hat sich am 23. September mit einem doppelten Paukenschlag aus der Sommersaison verabschiedet: Am gleichen Tag fielen die Weltrekorde der Königsdisziplin im Laufen und der Königsdisziplin der Stadion-Leichtathletik. Vormittags lief der Kenianer Eliud Kipchoge in Berlin den Marathon (42,195 Kilometer) in 2:01:39 Stunden. Am Nachmittag beendete der Franzose Kevin Mayer seinen Zehnkampf in Talence (Frankreich) mit 9126 Punkten und krönte sich zum ewigen König der Leichtathleten.

Ein besonderes Datum – denn Weltrekorde in der Leichtathletik werden nicht jeden Tag gebrochen. Manche haben sogar seit mehr als 30 Jahren Bestand – und nicht nur das: die aktuelle Weltspitze ist in einigen Disziplinen weit davon entfernt, an diese Marken heranzukommen.

Weltrekord-Mahnmal

Ein Beispiel ist der 400-Meter-Weltrekord von Marita Koch, der schon als „Fabelweltrekord für die Ewigkeit“, aber auch als „Weltrekord-Mahnmal“ beschrieben oder mit „Zu schnell um wahr zu sein“ sowie mit „Für immer an ein System gekettet“ umschrieben wurde. 47,6 Sekunden hat die Rostockerin für die Stadionrunde gebraucht. Nur die Tschechin Jarmila Kratochvilova – die noch heute den ältesten aller Weltrekorde in den olympischen Disziplinen über 800 Meter hält – schaffte außer der DDR-Sprinterin die Strecke jemals unter 48 Sekunden, nur zehn unter 49. Die beste Zeit dieses Jahrtausends liebt bei 48,7 Sekunden von der US-Amerikanerin Sanya Richards-Ross. 1,1 Sekunden – das sind auf dieser Distanz Welten.

Auch der Weltrekord über 100 Meter von der US-Amerikanerin Florence Griffith-Joyner (10,49) von 1988 steht noch – genauso wie ihr 200-Meter-Rekord (21,34) aus demselben Jahr. Auch diese Zeiten scheinen aktuell unerreichbar. Die zweitschnellste Frau über 100 Meter war 2009 Carmelita Jeter (10,64), die Olympiasiege 2016 über beide Strecken holte Elaine Thompson (Jamaika) in 10,71 bzw. 21,78 Sekunden.

Ein weiteres Beispiel ist Jürgen Schult. Der Neubrandenburger schleuderte die Zwei-Kilo-Scheibe 1986 in seiner Heimat auf 74,08 Meter und hält damit mit Koch und Disziplinkollegin Gabriele Reinsch – die 1988 ebenfalls in Neubrandenburg 76,80 Meter mit dem ein Kilo schweren Frauen-Diskus warf – die einzigen drei deutschen Weltrekorde allesamt für die DDR. Die beiden Olympiasieger Robert (Bestweite 70,88 Meter) und Christoph Harting (68,37) sind von Schults Rekord weit entfernt.

In den heutigen Zeiten riechen derart unmenschlich anmutende Leistungen unweigerlich nach Doping. Die scheinbar unerreichbaren Rekorde der früheren Athleten aus der DDR sowie den sozialistischen Ländern, aber auch den USA sind es, die immer wieder die Idee der Rekordannullierung auf den Plan rufen. Ende der 1990er Jahre gab es einen entsprechenden Antrag des damaligen deutschen IAAF-Vizepräsidenten Helmut Digel, mit Unterstützung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Er wurde abgelehnt – genau wie das „Manifest für saubere Leichtathletik“ des britischen Fachverbands UK Athletics 2016.

Zuletzt wagte der Europäische Verband EAA einen solchen Vorstoß. Er wollte ab Januar 2018 neue, auf null gestellte Rekordlisten. Geworden ist daraus bislang nichts. „Die Rekorde aus den 80er und 90er Jahren sind ja praktisch nicht zu brechen, weil gedopte Athleten viele von ihnen aufgestellt haben“, meinte Verbandspräsident Svein Arne Hansen im Mai 2017.

Kritik an Annullierung

Das Problem ist, dass eben nicht jedem einzelnen Sportler das Betrügen, das Dopen nachgewiesen werden kann. Schon gar nicht denen, die vor mehr als 30 Jahren aktiv waren – auch wenn es grundsätzlich einige Belege für Dopingaktivitäten von Sportlern aus der DDR und den USA in den 1980er Jahren gibt.

Beispiel Marita Koch: Von früheren Sportlern wurde sie beschuldigt, das anabole Steroid Oral-Turinabol eingenommen zu haben. Positiv getestet wurde sie jedoch nie. „In Helsinki musste ich dreimal zur Dopingprobe und war immer clean. Das gilt für meine Karriere überhaupt“, sagte sie 2005. Inzwischen sagt sie zu dem Thema nichts mehr.

Eine generelle Streichung aller Rekorde empfinden indes diejenigen als unfair, die ihre Leistungen erst vor kurzem erbracht haben – und sich modernsten Dopingtests unterzogen haben. Verärgert über die Streich-Idee war unter anderen die Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe, die im Jahr 2003 in London 2:15:25 Stunden lief: „Ich bin verletzt und fühle meinen Ruf und meine Glaubwürdigkeit beschädigt. Ich habe extrem hart für meine Rekorde gearbeitet. Ich bin stolz auf sie.“

Ähnlich dürften Eliud Kipchoge und Kevin Mayer reagieren, wenn man ihre ganz frischen Bestmarken annullieren wollte, ohne dass ein positiver Doping-Test vorliegt. Und weil es wohl kein „gerechtes“ Datum gibt, an dem die Rekordschere anzusetzen wäre, ist es möglich, dass die Fabelrekorde von Koch, Schult und Co. noch weitere 30 Jahre stehenbleiben.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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