BOSTON - Die Abholung folgte prompt: Mitarbeiter der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada haben die fünf Medaillen, die die US-Leichtathletin Marion Jones bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewonnen hatte, in Jones’ Haus in Austin (Bundesstaat Texas) eingesammelt und in die Zentrale des Nationalen Olympischen Komitees der USA (Usoc) nach Colorado Springs (Colorado) gebracht. Die 31-Jährige hatte zuvor zugegeben, sich mit Steroiden gedopt zu haben.
„Wir haben getan, was wir konnten. Die Betrügerin ist gefasst, die Medaillen sind in unserem Besitz und wir werden sie jetzt dem Internationalen Olympischen Komitee zurückbringen“, sagte Usoc-Geschäftsführer Jim Scherr.
Jones hat außerdem der Streichung ihrer Resultate rückwirkend bis zum 1. September 2000 zugestimmt und eine zweijährige Dopingsperre akzeptiert. Diese allerdings wird sie kaum mehr treffen, da sie ihre Karriere in der vergangenen Woche für beendet erklärt hatte. Die einst beste Sprinterin der Welt bekannte sich zudem schuldig, 2005 im Zusammenhang mit einem Scheck-Betrug die Untersuchungsbehörden belogen zu haben. Wegen Falschaussage in zwei Fällen drohen ihr eine Geldstrafe bis zu 500 000 Dollar und zehn Jahre Gefängnis. Das Urteil soll am 11. Januar 2008 bekannt gegeben werden.
Der Leichtathletik-Weltverband kann laut eigener Satzung nach festgestellten Doping-Vergehen zudem sämtliche Preis- und Antrittsgelder von Athleten zurückfordern. Scherr kündigte an, dass das Usoc im Fall Jones darauf drängen werde. Angeblich steckt die 31-Jährige jedoch in finanziellen Schwierigkeiten. Sie hatte im Juni nur ein Bargeldvermögen von 2000 Dollar angegeben.
Durch die Annullierung von Jones’ Ergebnissen wird Ekaterina Thanou nachträglich zur 100-Meter-Olympiasiegerin von Sydney erklärt. Die Griechin steht seit einer verpassten Doping-Kontrolle am Vorabend der Olympischen Spiele 2004 in Athen selbst unter Verdacht, illegale Mittel genommen zu haben. Sie wurde bereits zwei Jahre gesperrt. Thanous Anwalt Gregory Ioannidis erklärte derweil, dass sich seine Mandantin nicht zu der nachträglich gewonnenen Goldmedaille äußern werde.
