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NWZonline.de Sport Leichtathletik

Leichtathletik: Nordenhamerin ist eine Klasse für sich

04.09.2019

Braunschweig /Nordenham Im Vorlauf über die 100 Meter lief die Leichtathletin Jule Wachtendorf vom SV Nordenham schon schnell. Extrem schnell. Den Zwischenlauf der Altersklasse W 15 sprintete sie dann im Turbo-Modus. Und im Finale schaltete sie sogar den Warp-Antrieb ein. Mit einem beeindruckenden Auftritt hat die 15-Jährige am Sonntag in Braunschweig ihr großes Ziel erreicht: Die amtierende Norddeutsche Meisterin ist erstmals Landesmeisterin im 100 Meter Sprint. Sie gewann im Finale in 12,35 Sekunde und stellte damit eine persönliche Bestzeit auf.

Dabei hatten sich Jule und ihr Trainer Stefan Doerner unmittelbar vor dem Wettkampf noch wie eine Schulklasse vor einer kniffligen Mathearbeit gefühlt. Nach Doerners Worten hatten sie zwar ihre Hausaufgaben gemacht. Aber Jule gibt rückblickend zu, dass sie schon wenig nervös gewesen sei. Stefan Doerner hatte sogar eine „große Anspannung“ gespürt.

Ungewissheit

Der Grund war die Ungewissheit. Nach den Sommerferien sei es schwer gewesen, die Konkurrentinnen einzuschätzen, sagt Jule. „Ich wusste ehrlich gesagt nicht, wie die anderen drauf sind. Einige hatten ja noch gar keinen Wettkampf bestritten.“

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Nach dem Vorlauf sei sie etwas ruhiger gewesen, sagt sie. Ihre Zeit erklärt, warum. Jule lief die 100 Meter in 12,54 Sekunden und sendete damit ein klares Signal an ihre Gegnerinnen. Keine Konkurrentin sollte an diesem Tag schneller laufen als Jule in diesem Vorlauf. Und auch nur in diesem Vorlauf sollten die anderen Favoritinnen annähernd an Jules Niveau herankommen. Lina Stolle (LG Braunschweig) hatte 12,66 Sekunden benötigt, Ese Wema (TV Cloppenburg) 12,69 Sekunden.

Spätestens nach den beiden Zwischenläufen war klar, dass Jule an diesem Sonntag eine Klasse für sich war. Im ersten Zwischenlauf liefen drei potenzielle Titelanwärterinnen. Nele Jaworski vom VfL Wolfsburg gewann das Rennen in 12,75 Sekunden. Sie verwies Ese (12,79 Sekunden) auf Rang zwei und Lina (12,81 Sekunden) auf Rang drei.

Jule lief als einzige Topläuferin im zweiten Zwischenlauf. Selbst wenn die anderen Spitzenläuferinnen in diesem Rennen an den Startblock gegangen wären – Jule wäre ein einsames Rennen gelaufen. Kurz vor dem Ziel schaute sie sich um und nahm das Tempo raus. Trotzdem verbesserte sie sich im Vergleich zum Vorlauf. Sie zog in 12,42 Sekunden ins Finale ein. Die Zweitplatzierte, Minah Luisa Stegemann vom MTV Soltau, die Jule immerhin schon mal geschlagen hatte, war über eine halbe Sekunde langsamer als die Nordenhamerin.

Jule stellt klar, dass es falsch gewesen wäre, mit angezogener Handbremse zu starten. „Man muss schon immer volles Rohr laufen“, sagt sie. „Aber Stefan meinte, dass ich die letzten fünf bis zehn Meter auslaufen sollte, sobald ich merke, dass der Abstand groß genug ist.“ Sie hielt sich an die Vorgabe des Trainers. „So konnte ich noch ein paar Körner sparen.“

Deutlicher Vorsprung

Im Finale belohnte sie sich dann selbst – mit dem Titel und einer persönlichen Bestzeit. Lina (12,72 Sekunden) und Ese (12,77 Sekunden) waren chancenlos. „Das war schon deutlich“, sagt auch Jules Mutter Ilka.

Jule ist einfach nur überglücklich. Und vielleicht auch deshalb gewährt sie einen kleinen Einblick in die Denkweise einer Sprinterin. Sie lässt durchblicken, dass das Abschneiden bei der Landesmeisterschaft im Vorjahr ein großer Ansporn gewesen ist. „Im vergangenen Jahr bin ich ja nur Vizemeisterin geworden“, sagt sie. Den Titel hatte Ese geholt. „Ich habe damals 13,15 Sekunden gebraucht und hatte einen riesigen Rückstand auf Ese. In diesem Jahr war ich über eine halbe Sekunde schneller. Im Sprint ist das schon sehr viel. Deshalb freue ich mich riesig über die Zeit.“

Erst bei den norddeutschen Meisterschaften Ende Juni in Hamburg hatte Jule in 12,39 Sekunden eine persönliche Bestzeit aufgestellt. Zwei Monate später hat sie diese Zeit pulverisiert. Das ist ungewöhnlich.

Wenn Jule sagt, dass sie ihre Bestzeiten in diesem Jahr genau zur richtigen Zeit gelaufen sei, lobt sie zugleich ihren Trainer. „Ich bin topfit und hatte schon vor dem Wettkampf ein total gutes Gefühl“, sagt sie. Das Training in den Sommerferien und unmittelbar vor den Titelkämpfen sei einfach gut gelaufen, sagt sie. „Stefan meinte zwar schon, dass eine Bestzeit drin sein könnte. Aber ich habe – ehrlich gesagt – nicht damit gerechnet.“

Ihr Trainer versucht unterdessen, Jules Zeit richtig einzuordnen. Dafür hat er die Ergebnislisten der Landesmeisterschaften am Wochenende durchforstet. „Jule hätte mit dieser Zeit am Samstag sogar in der U 20 die Vizemeisterschaft erlaufen“, sagt er. „Nur Talea Prepens war schneller.“ Die Cloppenburgerin ist immerhin festes Mitglied in Deutschlands U-20-Staffel, hat schon mehrere Deutsche Meistertitel in verschiedenen Altersklassen errungen und ist als 16-Jährige Weltmeisterin über 200 Meter in der Altersklasse U 18 geworden.

Doerner beeindruckt

Aber zurück zu Jule und Stefan Doerner. Es gibt nicht viele Übungsleiter, die sich so schön über die Erfolge ihrer Schützlinge freuen können wie Jules Trainer. Auch in dieser Woche ist seine Begeisterung ansteckend. Aber diesmal ist er auch schwer beeindruckt – von Jules Ausstrahlung. Sie habe eine „wahnsinnige Dominanz“ versprüht, sagt er.

Deshalb ist es schade, dass sich Jules Saison dem Ende entgegen neigt. Es folgt noch der Vergleichswettkampf der norddeutschen Landesverbände am 14. September in Bremen. Jule freut sich. „Das wird bestimmt schön, weil es halt mal etwas anderes ist – ein Teamwettkampf.“ Sie bezweifelt zwar, dass sie ihre Bestzeit noch einmal verbessern kann. „Aber ich werde mich schon ungefähr in dem Bereich bewegen, in dem ich am Sonntag gelaufen bin.“ Das ist eine gute Nachricht für das Team Niedersachsen.

Wolfgang Grave Lokalsport / Redaktion Nordenham
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