Zürich - Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hinkt seinem Medaillenziel bei den Europameisterschaften in Zürich hinterher. Allerdings räumten am Freitag eine Reihe von DLV-Assen in den Qualifikationen die Hürden auf dem Weg zu Edelmetall beiseite. Im Weitsprung zeigte Ex-Europameister Christian Reif, dass er scharf auf den zweiten EM-Titel ist. Ein Kinderspiel war für Christina Schwanitz die Kugelstoß-Qualifikation und über 1500 Meter überraschte ein deutsches Trio mit dem Sturm ins Finale.

Die 16 Medaillen von 2012 in Helsinki, darunter sechs aus Gold, dürften dennoch kaum zu erreichen sein, weil unter anderen Trümpfe wie die Zehnkämpfer um Kai Kazmirek nicht stachen oder das Glück wie im Fall der viertplatzierten Stabhochspringerin Lisa Ryzih fehlte. Zudem gab es mit Ausnahme von Hürdensprinterin Cindy Roleder, die Bronze gewann, keine weiteren Medaillen-Überraschungen. Allerdings ist ein großer Endspurt am Wochenende mit 20 Finals möglich.

So will im Kugelstoßen die Vizeweltmeisterin Christina Schwanitz ihrem Trainingspartner David Storl nacheifern. „Gewinnen wäre mein Wunsch“, sagte die Ausnahmeathletin vom LV 90 Erzgebirge nach überstandener Qualifikation keck. Im ersten Versuch stieß sie im Regen 19,35 Meter. Auch Lena Urbaniak (LG Filstal) kam weiter.

Unbeirrt durch den Wirbel um den Start des behinderten Weitspringers Markus Rehm bei den deutschen Meisterschaften sprang der Ludwigshafener Christian Reif mit dem zweiten Satz über 8,02 Meter in den Endkampf, klagte aber über „kein gutes Sprunggefühl“. Titelverteidiger Sebastian Bayer (Hamburg) blieb mit 7,56 Meter ebenso auf der Strecke wie Julian Howard (Karlsruhe/7,63).

Eine Medaille am Samstag ist auch im Diskuswurf drin: Alle drei deutschen Starterinnen stehen im Finale. Die beste Weite in der Qualifikation schaffte Shanice Craft (Mannheim) mit 61,88 Metern. Anna Rüh (Neubrandenburg/59,84) und Julia Fischer (Berlin/57,78) erreichten ebenfalls den Endkampf.

Vielleicht geht auch etwas über 1500 Meter, wo es ein kleines Lauf-Wunder gab. Erstmals nach vielen Jahren haben sich in Homiyu Tesfaye, Timo Benitz und Florian Orth gleich drei Mittelstreckler für das Finale qualifiziert. „Es ist eine Sensation, dass wir zu dritt im Finale stehen“, meinte Benitz. Dem Wahl-Frankfurter Tesfaye, Zweiter der europäischen Bestenliste, werden sogar Titelchancen eingeräumt. „Ich bin bereit, im Finale alles zu geben“, sagte er.

Einen Tag nach der Aberkennung des Titels über 3000 Meter Hindernis lief Mahiedine Mekhissi-Benabbad in den 1500-Meter-Endlauf. Der Franzose wurde disqualifiziert, weil er vor dem Ziel sein Trikot auszog und es zwischen den Zähnen ins Ziel trug. Reue zeigte er nach dem Skandal nicht: „Eigentlich gehört der Sieg mir.“

Für weniger Aufsehen sorgte Kamghe Gaba im 400-Meter-Finale. Der Münchner wurde Sechster in 45,83 Sekunden und war zufrieden: „Sechster in Europa zu sein. Da kann man nicht meckern.“ Über die 400-Meter-Hürden erreichte Felix Franz (LG Neckar/Enz) in 49,83 Sekunden den beachtlichen 5. Platz. Varg Königsmark aus Magdeburg (49,91) wurde Siebter. Riesig war der Jubel der Schweizer: Kariem Hussein sorgte in 48,96 Sekunden für den ersten Titel und die erste Medaille für die wegen Pannen kritisierten Gastgeber.

Für sportliche Höhepunkte sorgten ein Franzose und eine Niederländerin: Yohann Diniz holte über 50 Kilometer Gehen in der Weltrekordzeit von 3:32:33 Stunden seinem dritten EM-Titel. Schnellste Frau Europas ist Dafne Schippers, die in 22,03 Sekunden über 200 Meter eine Weltjahresbestzeit rannte und ihren Sprint-Doppelerfolg in Zürich perfekt machte.