Peking - Neuntes WM-Gold für Usain Bolt oder Triumphlauf von Buhmann Justin Gatlin? Der Sonntags-Krimi im Pekinger „Vogelnest“ verspricht Spannung pur und beantwortet schon am zweiten Wettkampftag die wichtigste Frage der Leichtathletik- Weltmeisterschaften: Wer ist der schnellste Mann der Welt?

Jamaikas Superstar Bolt scheint nach einer frustrierenden Saison auf den Punkt fit zu sein, der US-Amerikaner Gatlin ist mit 33 Jahren in der Form seines Lebens. Keiner lief die 100 Meter in diesem Jahr schneller als der Ex-Dopingsünder – 9,74 Sekunden.

„Gatlin hat eine echte Chance“, sagte Landsmann Maurice Greene vor dem Duell an diesem Sonntag um 15.15 Uhr deutscher Zeit (ARD und Eurosport). „Er glaubt, dass Bolt ihn nicht besiegen kann – und das muss er auch glauben. Es wird ein fantastisches Rennen“, meinte der Olympiasieger und fünfmalige Weltmeister. Aber auch auf Bolt hält Greene große Stücke: „Usain hat für den Sport mehr getan als irgendein anderer.“

Und Gatlin? Einen Tag nach Bolts 29. Geburtstag wird er keine Geschenke machen. Der Amerikaner hielt sich mit Kampfansagen zurück. Anders als Bolt vermied er öffentliche Auftritte. „Ich will keinen Popularitäts-Wettbewerb gewinnen oder jemanden bestimmten schlagen“, versicherte Gatlin, der schon zweimal des Dopings überführt und gesperrt wurde.

Bolt demonstrierte vor seinem ersten Auftritt im Nationalstadion, wo er 2008 dreimal Olympia-Gold abräumte, Selbstvertrauen und Gelassenheit. „Wettkampf ist Wettkampf“, sagte der schnellste Mann der Welt. „Über 100 Meter kommt es nur darauf an, sein Rennen durchziehen. Statistiken interessieren mich nicht“, versicherte der achtmalige Weltmeister. Mit der neunten WM-Goldmedaille würde Bolt die US-Helden Carl Lewis und Michael Johnson (je acht Mal Gold) übertrumpfen.

Derweil hat Peking nach Angaben der WM-Organisatoren Maßnahmen ergriffen, um während der Titelkämpfe den Smog in Chinas Hauptstadt zu reduzieren. „Der Verkehr in der Stadt wird während der WM halbiert, und Braunkohle-Kraftwerke werden abgeschaltet“, sagte Helmut Digel, Chef der Koordinierungskommission zwischen Weltverband IAAF und den Organisatoren. „Man braucht keine Sorge zu haben, dass Athleten kollabieren.“

Die Maßnahmen sind besonders für die Marathonläufer wichtig. Die Männer eröffnen die WM in Peking an diesem Sonnabend mit dem Lauf über die klassischen 42,195 Kilometer.