HEIDELBERG -

Die Teilnehmer sehen eine starke Zunahme. Selbst Kindern werden Mittel verabreicht.

HEIDELBERG/DPA/SID - Weit reichende Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf haben 80 Experten aus neun europäischen Ländern zum Abschluss eines dreitägigen Symposiums in Heidelberg gefordert. In der so genannten „Heidelberger Erklärung“ ist von einer „dramatischen Entwicklung im Hochleistungs- und Breitensport“ die Rede.

„Doping erfasst in immer größerem Maße auch den Freizeit- und Fitnessbereich“, heißt es. Bundesregierung und Länder wurden zu einer umfassenden gesetzlichen Neuregelung in Form eines Anti-Doping-Gesetzes nach dem Vorbild anderer europäischer Staaten aufgefordert.

Die Experten verlangten auch öffentlich geförderte Präventionsprogramme – insbesondere zur Bekämpfung „der Besorgnis erregenden Zunahme des Dopings bei Kindern und Jugendlichen“. Die Wirtschaft solle mit gezieltem, finanziellem Engagement Einfluss auf die Anti-Doping-Politik der Verbände ausüben. Die Medien wurden zu einer Sport-Berichterstattung aufgefordert, die anstelle einer bedingungslosen Erfolgsorientierung die Werte des sauberen Sports herausstellt.

Der Molekular-Biologe Werner Franke gewährte erstmals Einblicke in die Balco-Prozessunterlagen aus den USA und die Namen der in die Affäre verwickelten Stars wie Marion Jones (Leichtathletik) und Barry Bonds (Baseball). „Von Marion Jones haben wir das volle Geschoss“, sagte Franke.

Aufsehen erregte das Referat von Sandro Donati, Leiter der Forschungsstelle des italienischen Sportbundes CONI. Er erklärte, dass in zunehmendem Maße Amateure und Jugendliche mit Dopingmitteln in Kontakt kämen. Er sprach von „internationalen Verbrecherbanden“ mit Mafia-ähnlichen Strukturen, die vor allem den Schwarzmarkt über die Fitness-Branche und das Internet kontrollieren.