Amsterdam - Sensation in der Sandgrube: Mit Hopp, Step und Jump hat der erst 19-jährige Dreispringer Max Heß aus Chemnitz Gold gewonnen. „Was man liebt, macht man mit Hingabe und Leidenschaft“, sagte der Teenager – und widmete seinem Trainer Harry Marusch lachend 50 Prozent seiner Goldmedaille: „Da steckt ganz große Arbeit von ihm dahinter.“ Silber gab’s am Sonnabend für Speerwerferin Linda Stahl und Stabhochspringerin Lisa Ryzih.

Am Sonntag folgte der goldene Hattrick für Kugelstoßer David Storl, der erste EM-Titel für die Hindernisflitzerin Gesa-Felicitas Krause, und Bronzeglanz durch zwei flotte Staffeln, Hochspringer Eike Onnen und 5000-Meter-Mann Richard Ringer. Im Endspurt bewiesen die deutschen Leichtathleten bei den Europameisterschaften in Amsterdam Stehvermögen und sahnten am Schlusstag mit sechs Medaillen noch einmal kräftig ab.

Das 100-köpfige EM-Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) heimste in 44 Entscheidungen 16 Medaillen ein – fünfmal Gold, viermal Silber und siebenmal Bronze. Am Dienstag wird das Olympia-Aufgebot (12. bis 21. August) nominiert.

Drei Tage nach dem Titel für seine Trainingspartnerin Christina Schwanitz sorgte Storl für einen weiteren Glanzpunkt. Der 25-jährige Leipziger jubelte, als er mit 21,31 Metern sein drittes EM-Gold nach 2012 und 2014 aus dem Ring gezaubert hatte. Der Pole Michal Haratyk hatte als Zweiter aber nur zwölf Zentimeter Rückstand. „Heute habe ich die Lockerheit gefunden“, meinte Storl, „aber das war noch nicht so, wie ich mir das für Rio vorstelle.“

Nach Bronze bei der EM 2012 und der WM 2015 in Peking schnappte sich Krause diesmal in persönlicher Bestzeit von 9:18,85 Minuten ihren ersten ganz großen Titel. „Es lief wie geplant. Der deutsche Rekord ist seit Jahren mein Ziel. Dieser Ansporn bleibt“, verkündete die 23-Jährige aus Frankfurt. Krause erwies sich als würdige Nachfolgerin von Antje-Möldner Schmidt, deren Rekord sie um 31 Hundertstelsekunden verfehlte.

Das deutsche Sprintquartett mit Tatjana Pinto (Paderborn), Lisa Mayer (Langgöns/Oberkleen), Gina Lückenkemper (Dortmund) und Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge) musste sich in 42,48 Sekunden nur Gastgeber Niederlande und den Britinnen geschlagen geben. „Medaille ist Medaille. Wir freuen uns alle riesig. Mal sehen, wie es in Rio ausgeht“, meinte Haase.

Die Männer zogen 20 Minuten später nach: Julian Reus (Wattenscheid), Sven Knipphals (Wolfsburg), Robert Hering (Leipzig) und Lucas Jakubczyk (Berlin) wurden über 4 x 100 Meter in 38,47 Sekunden hinter den Briten und Franzosen ebenfalls Dritte.

Der deutsche Meister Onnen aus Hannover teilte sich Bronze mit dem Briten Chris Baker – beide meisterten 2,29 Meter. „Ich habe nicht den ersten Platz verloren, sondern den dritten gewonnen“, sagte Ringer nach dem irren Fotofinish über 5000 Meter. Der 27-Jährige aus Friedrichshafen war zeitgleich in 13:40,85 Minuten mit den beiden Spaniern Ilias Fifa und Adel Mechaal ins Ziel gestürmt.