LAUSANNE - Nach der Vertreibung von Marion Jones aus dem Olymp setzt das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Jagd auf weitere Dopingsünder fort, die wie der einstige Star der US-Leichtathletik Klienten des kalifornischen Balco-Labors waren. Dessen ehemaliger Leiter Victor Conte traf sich am Mittwoch mit dem Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, Dick Pound.

IOC-Präsident Jacques Rogge gab am Mittwoch die Entscheidung bekannt, dem einstigen Star der US-Leichtathletik sämtliche 2000 in Sydney gewonnenen Medaillen abzuerkennen: dreimal Gold über 100, 200 und 4x400 Meter sowie zweimal Bronze über 4x100 Meter und im Weitsprung. Auch ihr fünfter Platz im Weitsprung von Athen 2004 wurde aberkannt.

Vor einer Neuvergabe der Medaillen soll abgewartet werden, ob weitere Athletinnen in den Balco-Skandal verwickelt sein könnten. Vorbehalte gibt es in der IOC-Führung gegen die Ausrufung von Ekaterini Thanou zur Olympiasiegerin. Die Griechin, die in Sydney über 100 Meter Zweite hinter Jones wurde, war wegen Verweigerung einer Dopingprobe von den Spielen 2004 in Athen ausgeschlossen und zwei Jahre gesperrt worden. Thanou wird wie ihr Landsmann Kostas Kenteris verdächtigt, über ihren Trainer mit Balco Kontakt gehabt zu haben.

Die von Conte schon frühzeitig beschuldigte 32-jährige Jones hatte nach langem Leugnen erst am 5. Oktober dieses Jahres gestanden, von Anfang September 2000 bis Juli 2001 gedopt zu haben. Der Leichtathletik-Weltverband Iaaf erkannte ihr am 23. November alle Wettkampfergebnisse seit September 2000 ab und sperrte sie trotz ihres Rücktritts für zwei Jahre.

Der Verlust der Medaillen dürfte für Jones nur das kleinere Übel sein. Denn darüber hinaus fordert die Iaaf Preisgelder in Höhe von rund 700 000 US-Dollar zurück, die US-Anti-Doping-Agentur verurteilte sie zur Rückzahlung von 100 000 Dollar, obwohl sich Jones schon im Sommer für pleite erklärt hatte. Jones droht zudem wegen Meineids vor US-Ermittlern zu ihrer Dopingvergangenheit eine Gefängnisstrafe oder eine weitere Geldstrafe.

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