LONDON - Für Gold warfen sie zu kurz, aber zu Silber und Bronze reichte es für die deutschen Speerwerferinnen. In einem Wettkampf auf mäßigem Niveau nutzten Christina Obergföll als Zweite und Linda Stahl als Dritte die Gunst der Stunde. Hinter Barbara Spotakova aus Tschechien, Olympiasiegerin 2008 und Weltmeisterin 2011, sorgten sie am Donnerstagabend für strahlende Gesichter in der deutschen Mannschaft.

Spotakova war die einzige der Favoritinnen, die die Erwartungen erfüllte. Die Siegweite und persönliche Saisonbestleistung von 69,55 Meter warf sie im vierten Versuch. Obergföll blieb mit 65,16 knapp zwei Meter hinter ihrer größten Weite in diesem Jahr zurück, dagegen warf Ex-Europameisterin Stahl mit 64,91 m so weit wie nie in dieser Saison. Katharina Molitor belegte mit 62,89 Rang sechs.

Zum neuen König der Athleten krönte sich der US-Amerikaner Ashton Eaton. Während von den Deutschen nur Rico Freimuth überzeugte, bestieg der 24-jährige Favorit bei den Olympischen Spielen in London den Zehnkampf-Thron. Mit 8869 Punkten verfehlte der Ausnahmekönner seinen eigenen Weltrekord um 170 Punkte, sicherte den USA aber zum 13. Mal in der Geschichte die Goldmedaille in der Königsdisziplin.

Hinter Eaton machte Weltmeister Trey Hardee mit 8671 Zählern den Doppel-Sieg für die Amerikaner perfekt. Bronze sicherte sich wie schon vor vier Jahren in Peking der Kubaner Leonel Suarez (8523). Im Sog des Trios lieferte auch Freimuth bei seinem Olympia-Debüt einen ganz starken Wettkampf ab. Der 24-Jährige landete als bester Deutscher überraschend auf Rang sechs und verpasste seine Bestleistung (8322) nur um zwei Punkte.

Den Kampf um Bronze musste der Hallenser, Sohn des ehemaligen Zehnkämpfers und WM-Vierten Uwe Freimuth, beim Speerwerfen aufgeben, als ihn eine Ellenbogenverletzung behinderte. Trotzdem sagte der Bürokaufmann: „Das waren die aufregendsten zwei Tage meines Lebens.“ Freimuth lieferte das beste Olympia-Ergebnis eines deutschen Mehrkämpfers seit Frank Busemann ab (2000 Siebter).

Dagegen erlebte Europameister Pascal Behrenbruch sechs Wochen nach seinem Triumph von Helsinki ein Debakel. Nach zehn enttäuschenden Disziplinen hatte der 27-Jährige im Vergleich zu seinem Gold-Coup, bei dem er mit 8558 Punkten Bestleistung erzielte, 432 Zähler weniger auf dem Konto. Der 1,96 m große Modellathlet, als Weltranglistenzweiter mit Medaillenansprüchen nach London gereist, wirkte wie ein Schatten seiner selbst und landete mit schwachen 8126 Punkten nur auf Rang zehn.